Embodied AI: 2000 Roboter für BYD und NIO in China
Chinesische E-Auto-Hersteller wie BYD (比亚迪), NIO (蔚来) und Li Auto (理想) rüsten ihre Fertigungslinien massiv mit Embodied AI auf – Künstlicher Intelligenz, die mit Robotern physisch interagiert. Ausländische Tier-1-Zulieferer wie Bosch und Schaeffler liefern die entscheidenden Komponenten und Systeme. Das beschleunigt die Produktion neuer Modelle und verbessert die Qualität – ein Vorteil, der auch deutschen Kunden zugutekommt.
Bosch bringt 2000 Roboter in die industrielle Fertigung
Bosch China (博世中国) hat über sein Joint Venture Boyin Hechuang (博银合创) einen Auftrag über 2000 Einheiten des humanoiden Roboters BW10 angenommen. Kunde ist die Dijie Industrial Group, ein Zulieferer, der unter anderem Komponenten für die E-Antriebe von BYD und NIO fertigt. Die Roboter übernehmen dort komplexe Aufgaben wie die Montage von Hochvoltbatterien und hochpräzise Sensorinstallationen – Arbeiten, die mit herkömmlicher Automatisierung kaum zu bewältigen sind.
Parallel dazu kooperiert Bosch mit dem Startup Qianyuan Intelligent, um in boscheigenen Fabriken in China reale Produktionsdaten zu sammeln. Das Ziel: ein geschlossener Kreislauf aus Daten, KI-Training und sofortiger Anwendung. Bosch spielt dabei gleich mehrere Rollen: Kapitalgeber, Komponentenlieferant und Abnehmer zugleich. Das löst die „Kaltstart-Problematik“, an der viele Robotik-Startups scheitern.
Schaeffler: Tausend Roboter für die E-Auto-Fertigung bis 2035
Schaeffler (舍弗勒) hat ebenfalls ehrgeizige Pläne. Bis 2035 sollen mehrere tausend humanoide Roboter in den weltweiten Werken arbeiten – ein erheblicher Teil davon in chinesischen Fabriken, die Elektroantriebe für Li Auto und XPeng (小鹏) produzieren. Das Robotik-Geschäft soll dann zehn Prozent des Konzernumsatzes beisteuern.
Schaeffler gründete im Februar 2025 eigens eine Tochtergesellschaft in China, die auf die Entwicklung von Kernkomponenten wie Präzisionsgetriebe, Aktuatoren und Wärmemanagement spezialisiert ist. Zudem kooperiert das Unternehmen mit den chinesischen Robotik-Firmen Lehre Robotics und Rockbot, um die Skalierung voranzutreiben.
Valeo und Aptiv: Sensoren aus dem Auto für den Roboter
Valeo und Aptiv verfolgen einen anderen Ansatz: Sie übertragen ihre Fahrerassistenz-Technologien direkt auf die Robotik. Valeo adaptiert seine Ultraschallsensoren, Kameras und Lidar-Systeme für humanoide Roboter. Aptiv hat das PULSE™-Fusionssystem entwickelt, das in chinesischen E-Auto-Fabriken von NIO bereits für die automatisierte Logistik eingesetzt wird.
Beide Zulieferer sehen in Embodied AI einen natürlichen Ausbau ihres Portfolios. „Fahrassistenz und Robotik teilen dieselben Kernfunktionen: Wahrnehmung, Planung, Regelung“, erklärt Valeo China CTO Gu Jianmin. „Das ist eine direkte Brücke zur Produktionseffizienz bei E-Autos.“
Was bedeutet das für deutsche Autofahrer?
Die neuen Fertigungsmethoden verkürzen die Time-to-Market neuer chinesischer E-Modelle um schätzungsweise 20–30 %. BYD hat bereits angekündigt, die Auslieferung des kommenden Seagull nach Europa dadurch um mehrere Monate zu beschleunigen. Auch die Fertigungsqualität profitiert: Die Roboter arbeiten mit einer Wiederholgenauigkeit von unter 0,1 Millimetern – ein Niveau, das manuelle Montage nicht erreicht.
Die Technologie ist auf dem Weg nach Europa. Schaeffler plant, humanoide Roboter ab 2026 auch in seinem Werk in Herzogenaurach einzusetzen. Bosch testet erste Einheiten in einer Pilotlinie in Stuttgart. Deutsche Kunden können daher mittelfristig mit schnelleren Lieferzeiten für chinesische E-Autos und einer gleichbleibend hohen Verarbeitungsqualität rechnen – ein Standortvorteil, der auch die heimische Industrie unter Druck setzt.


