BYD erhöht ADAS-Preis um 300 €: Sparwelle vorbei?
Eine Welle von Preiserhöhungen erfasst Chinas Markt für New Energy Vehicles (NEV – chinesische Bezeichnung für Elektro- und Hybridfahrzeuge). Getrieben von explodierenden Kosten für Speicherchips und Rohstoffe wie Lithiumcarbonat haben über 15 große Hersteller – darunter BYD (比亚迪), Xiaomi und zahlreiche Joint Ventures – Preisanhebungen für Fahrzeuge oder optionale Ausstattungen angekündigt. Das berichtet das chinesische Portal Jiemian News.
Preisanpassungen bei BYD und anderen
Am 28. April 2025 teilte BYD mit, dass die „God’s Eye B“-Option mit Lidar-Fahrassistenzsystem (ADAS) für die Baureihen Dynasty, Ocean und Fangchengbao ab 1. Mai 2025 von 9.900 Yuan (ca. 1.300 €)* auf 12.000 Yuan (ca. 1.500 €) steigt. Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Kurz darauf folgten weitere Hersteller:
- Changan Nevo (Qiyuan) erhöhte den Preis des Q07 SDA Intelligent Laser Edition um 3.000 Yuan (ca. 400 €).
- GAC Aion verteuerte die Modelle Aion Y Younger und Aion S Plus um 3.000 bis 6.000 Yuan (ca. 400 bis 800 €).
- Xiaomi hob die Preise des SU7 (alle Versionen Standard, Pro, Max) um 4.000 Yuan (ca. 500 €) an.
- Volkswagen zog bei der ID.-Baureihe mit Aufschlägen von 4.000 bis 7.000 Yuan (ca. 500 bis 900 €) nach.
- Toyota erhöhte den bZ4X um 6.000 Yuan (ca. 800 €).
Tesla dementiert Gerüchte, kürzt Anreize
Während Gerüchte über eine Preiserhöhung des Model Y Long Range um 18.000 Yuan (ca. 2.300 €) und des Model Y Performance um 20.000 Yuan (ca. 2.600 €) kursierten, wies Tesla China diese am 15. Mai 2025 offiziell als „Fake News“ zurück. Das Unternehmen straffte jedoch seine Finanzierungsangebote: Der bisherige 7-Jahres-Niedrigzins-Tarif lief am 30. April 2025 aus. Ein neues „Easy Loan“-Programm mit 5-Jahres-Laufzeit und variablen Zinsen erhöht faktisch die Gesamtkosten für viele Käufer. Auch Zeekr und Avatr haben Null-Prozent-Finanzierungen zurückgefahren.
Lieferkettenkrise treibt Kosten
Der Haupttreiber dieser Entwicklung sind explodierende Kosten in der Lieferkette. Batterie-Lithiumcarbonat, das im Juli 2024 noch 75.000 Yuan (ca. 9.600 €) pro Tonne kostete, ist in weniger als einem Jahr auf knapp 200.000 Yuan (ca. 25.600 €) pro Tonne gestiegen. Am 15. Mai 2025 notierten Futures bei rund 194.000 Yuan (ca. 24.800 €) pro Tonne.
Gleichzeitig hat der Boom der generativen KI die Chip-Produktion auf KI-Server umgelenkt und das Angebot an Automotive-Speicherchips verknappt. Deren Preise stiegen in den letzten drei Monaten um rund 180 %, bei High-End-DDR5-Speicher sogar um über 300 %. Laut UBS-Schätzungen haben allein die höheren Chipkosten die Produktion eines intelligenten Fahrzeugs um 3.000 bis 7.000 Yuan (ca. 400 bis 900 €) verteuert.
Auch Industriemetalle wie Aluminium und Kupfer haben neue Höchststände erreicht. Mit Aluminium über 25.000 Yuan (ca. 3.200 €) pro Tonne und Kupfer bei 100.000 Yuan (ca. 12.800 €) pro Tonne sind die Rohmaterialkosten für einen mittelgroßen Elektrowagen um rund 1.800 Yuan (ca. 230 €) gestiegen.
Branchenmargen auf Rekordtief
Die kumulative Kostenlast trifft eine Branche, die bereits unter jahrelangen Preiskämpfen leidet. Daten des chinesischen Personenkraftwagenverbands CPCA zeigen, dass die Gewinnmarge der heimischen Autoindustrie im ersten Quartal 2025 auf 3,2 % fiel, mit einem Zehn-Jahres-Tief von 2,9 % in den Monaten Januar und Februar. Der Branchengewinn im Q1 2025 sank um 18 % auf 78,4 Mrd. Yuan (ca. 10 Mrd. €).
Cui Dongshu, Generalsekretär der CPCA, merkte an, dass hochpreisige NEV-Hersteller mit Margen über 20 % diese Schocks besser abfedern können, während Hersteller im unteren bis mittleren Preissegment nahe der Gewinnschwelle kämpfen. Brancheninsidern zufolge erwägen weitere Marken, darunter Leapmotor, derzeit Preisanpassungen. Eine flächendeckende Erhöhung ist aufgrund des intensiven Wettbewerbs zwar unwahrscheinlich, doch die Ära aggressiver Preissenkungen scheint einer Phase kostengetriebener Inflation zu weichen.
Die Preiserhöhungen betreffen zunächst nur den chinesischen Markt. Ob BYD die Aufschläge, etwa für fortschrittliche Fahrassistenzsysteme, auch in Europa einführen wird, ist bisher nicht bekannt. BYD baut derzeit seine europäische Produktion in Ungarn auf und beliefert den deutschen Markt vor allem mit Modellen wie Atto 3, Dolphin und Seal.

