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XiaomiSinaVon 3 Min. Lesezeit

Dreames Raketenauto: Hypercar-Concept mit 0,9 s auf 100 km/h

Dreame, bisher bekannt für Staubsauger-Roboter, präsentiert ein Hypercar-Concept mit Raketenantrieb. Die 0,9-Sekunden-Beschleunigung soll eine neue Ära einläuten – doch Branchenexperten bezweifeln die Serienreife des Projekts.

Dreames Raketenauto: Hypercar-Concept mit 0,9 s auf 100 km/h

Der Hausgerätehersteller Dreame (追觅) sorgt mit einem spektakulären Hypercar-Concept für Aufsehen. Das in New York vorgestellte Fahrzeug soll in 0,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen – noch schneller als Teslas nie in Serie gegangene 1-Sekunden-Marke. Das Unternehmen, das für 2025 einen Umsatz von 40 Milliarden Yuan (ca. 5,12 Mrd. €) erwartet, plant einen Serienstart bis 2027 und peilt eine Marktkapitalisierung von einer Billion Yuan an. Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.

CEO-Roadshow: Zwischen Ambition und Skepsis

Gründer und CEO Yu Hao betrieb in sozialen Medien eine regelrechte „Super-Roadshow": Innerhalb von zwei Tagen postete er über 120 Beiträge, pries seine Design-Kompetenz („Nur Lei Jun von Xiaomi, Yu Chengdong von Huawei und ich verstehen echtes Autodesign") und skizzierte eine Vision von einer Billion Dollar Marktkapitalisierung bis 2028. Beobachter sehen darin eine Steigerung der üblichen Start-up-PR: Wo extreme Aussagen zur Norm werden, müssen Gründernarrative immer lauter klingen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Sprache erinnert an die Zeit vor 2017, als Jia Yueting von FF (Faraday Future) ähnlich auftrat.

Das „Raketenauto" als Branding-Strategie

Das „Star-Project" von Dreame zielt auf das Hyperlux-Segment – eine Nische mit hohen Margen, aber extrem hohen Einstiegshürden. Das Concept-Coupé mit Raketenantrieb soll vor allem Markenimage aufbauen, doch Kritiker bezweifeln den nachhaltigen Wert eines nie in Serie gehenden Showcars. Anders die Strategie von Huawei mit seiner Luxusmarke Maextro (尊界): Dort setzt man auf solides Engineering, hochwertige Materialien und langjährige Technologie-Kompetenz. Dreames Sprung vom Haushaltsgeräte-Hersteller zum Hypercar-Anbieter gilt als kaum vermittelbar – die Zielgruppe lässt sich schwer von Staubsaugerkunden ableiten.

Technische Hürden und Finanzierungsfragen

Dreame hat bislang kein einziges Serienfahrzeug ausgeliefert. Das geplante Auftragsfertigungsmodell (vergleichbar mit dem Ansatz von NIO oder Li Auto in der Anfangszeit) erfordert ein engmaschiges Netzwerk aus Lieferantenkontrolle, Werksüberwachung und Qualitätssicherung – Fähigkeiten, die Dreame noch nicht nachgewiesen hat. Der Auftragsfertiger ist nicht bekannt. In Kernbereichen wie Festkörperbatterien (60-Ah-Zelle) oder Steer-by-Wire-Technik greift man auf Zuliefertechnologie zurück, doch die Serienreife der Batterie ist fraglich.

Entscheidender ist der Kapitaleinsatz: Huaweis Autosparte investiert jährlich über zehn Milliarden Yuan (ca. 1,28 Mrd. €) und beschäftigt fast 10.000 Ingenieure. Dreames Eigenkapitalbasis (2025 prognostizierte 5,12 Mrd. € Umsatz bei rund 8 % Nettomarge) liegt eine Zehnerpotenz darunter. Um das Finanzierungsloch zu stopfen, hat Dreame diverse Leerfirmen gegründet und Investitionen von mehreren lokalen Staatsfonds (Jiaxing, Liuzhou, Yibin) eingeworben. Das Risiko: Nach dem Kollaps von Neta (哪吒) werden solche Geldgeber vorsichtiger. Parallel bereitet Dreame einen Börsengang am STAR-Market (Wissenschafts- und Technologieinnovationsboard) vor – die Automobilsparte dient dabei sowohl als Geldverbrenner als auch als Lockmittel für Investoren.

Auslieferungsrisiko und Markenwahrnehmung

Die eigentliche Hürde ist nicht mehr die Technik, sondern die Massenproduktion. Neue Marken erleben häufig nach wenigen Monaten einen drastischen Auftragsrückgang („Durchhänger"), der die Lieferkette in Bedrängnis bringt. Dreame hat noch kein einziges Auto gebaut – das schützt zwar vor einem frühen Imageverlust, verhindert aber auch den Aufbau von Markenvertrauen. Besonders im Premiumsegment sind Kunden skeptisch gegenüber Gründern, die als unberechenbar gelten. Der Schritt vom Hausgeräte- zum Hypercar-Hersteller ist ein gewaltiger Sprung, den weder Kapital noch PR allein überbrücken können. Das Beispiel FF zeigt: Werden Ambitionen nicht von Leistung gedeckt, folgt der Absturz. Dreame geht einen ähnlich schmalen Grat.


Ein Marktstart in Europa ist derzeit nicht absehbar. Dreame konzentriert sich zunächst auf den chinesischen Markt und plant eine Serienproduktion ab 2027. Ob das Hypercar-Concept jemals in Deutschland zu sehen sein wird, bleibt offen.

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