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Stellantis E-Car: Billig-Stromer mit Leapmotor-Technik ab 2028

Stellantis startet das E-Car-Projekt für einen Elektro-Kleinwagen ab 15.000 €. Ab 2028 in Italien gebaut, setzt der Konzern auf Technik von Partner Leapmotor (零跑), um den Markt für günstige Stromer zu retten.

Stellantis E-Car: Billig-Stromer mit Leapmotor-Technik ab 2028

Stellantis hat am 19. Mai das Projekt „E-Car" gestartet – einen kompakten, preisgünstigen Elektro-Kleinwagen, der ab 2028 im italienischen Werk Pomigliano vom Band laufen soll. Das „E" steht für European, Emotion, Electric und Environmental Friendliness. Ziel ist es, den drastischen Einbruch des Marktes für Kleinstwagen in Europa aufzuhalten.

Doch der Zeitpunkt ist heikel: Fast drei Jahre bis zur Produktion – und der Markt für kleine, erschwingliche Autos bricht rasant ein. 2019 gab es in Europa noch 49 Modelle unter 15.000 € mit rund einer Million verkauften Einheiten. Heute existiert in dieser Preisklasse nur noch ein einziges Modell, der Absatz liegt unter 100.000 Stück. Der Anteil der Kleinwagen am Gesamtmarkt fiel von 10 % (2010) auf nur 3,8 % im ersten Halbjahr 2025. Selbst der Ford Focus wurde im November 2025 eingestellt, der Fiesta bereits 2023 gestrichen.

Warum Kleinwagen verschwinden

Der Rückgang hat zwei Ursachen: Profitdenken und Regulierung. Hersteller konzentrieren sich auf margenstärkere SUVs und Oberklasse-E-Autos. Gleichzeitig treiben EU-Vorschriften wie der verpflichtende Müdigkeitswarner und der eCall-Notruf die Kosten in die Höhe – selbst für Kurzstreckenfahrzeuge. Stellantis-Chairman John Elkann beklagt, dass über 25 % der Ingenieure des Konzerns nur mit Compliance-Aufgaben beschäftigt seien, die „keinen echten Mehrwert" schaffen. Das Ergebnis: Fahrzeuge unter 15.000 € sind nahezu verschwunden.

Strategische Antwort auf chinesische Konkurrenz

Hinter dem E-Car steckt auch Abwehr: Chinesische Hersteller drängen in den günstigen E-Auto-Sektor. Der Anteil chinesischer Fahrzeuge in der EU stieg von 5 % (2022) auf 7 % (2025). Die EU-Importe aus China überschritten erstmals eine Million Einheiten (+30,7 %). Auch VW und Renault arbeiten an billigen E-Kleinwagen: VW plant ID.Cross und ID.Polo für die zweite Jahreshälfte 2025.

Stellantis selbst steckt in finanziellen Schwierigkeiten: 2025 erwirtschaftete der Konzern einen Nettoverlust von 22,3 Milliarden Euro (Umsatz: 153,5 Milliarden Euro, minus 2 %). Um gegenzusteuern, weitet Stellantis die Zusammenarbeit mit seinem chinesischen Partner Leapmotor (零跑) aus – offenbar soll dessen Technik bei Batterien und Antriebsstrang auch im E-Car zum Einsatz kommen. Branchenkenner gehen davon aus, dass das Projekt zwar als europäische Eigenentwicklung präsentiert wird, aber stark auf Leapmotor-Know-how zurückgreift.

Der E-Car startet spät. 2028 dürften chinesische Hersteller in Europa bereits eine deutlich größere Rolle spielen. Für Stellantis ist es dennoch ein kalkulierter Kompromiss: Zeit für politische Weichenstellungen in Brüssel nutzen und über die China-Allianz die eigene Elektro-Lücke schließen. Ob der E-Car dem Kleinwagen eine Renaissance bringt, entscheidet sich weniger in der Produktion als in den EU-Verhandlungen über die CO₂-Grenzwerte ab 2030.


Leapmotor (零跑) bringt mit dem T03 bereits einen günstigen Elektro-Kleinwagen in Europa auf den Markt. Die neue gemeinsame Plattform von Stellantis und Leapmotor könnte künftig auch für Deutschland relevant werden – ein konkreter Marktstart für das E-Car-Modell hierzulande steht aber noch nicht fest.

LeapmotorBatterieEU-ImportAbsatz