BYD & Co: Auto-Funktionen gegen Gebühr – bis zu 300 € mehr
Die chinesischen Autohersteller BYD (比亚迪), XPeng (小鹏) und Li Auto (理想) haben kürzlich die Preise für ihre erweiterten Fahrassistenzpakete (ADAS) um über 2.000 Yuan (ca. 300 €)* nach oben korrigiert. Dieser Schritt ist ein deutliches Signal: Das Zeitalter der kostenpflichtigen Funktionen und Software-Abos hat den chinesischen Automarkt endgültig erreicht. Statt einmaligem Autokauf setzen die Hersteller zunehmend auf wiederkehrende Einnahmen durch digitale Dienste.
Hintergrund: Warum Bezahlfunktionen kommen
Der Trend ist technologisch und wirtschaftlich logisch. Während die Gewinnmargen beim reinen Fahrzeugverkauf schrumpfen – der Branchenverband CAAM meldete für das erste Quartal 2026 eine operative Marge von nur 3,2 % –, sind die Margen bei Software-Abonnements oft über 60 %. Tesla erzielte 2025 mit seinem FSD-Abonnement über 12 Milliarden Dollar bei 70 % Marge. Branchenexperten erwarten für den globalen Automobil-Softwaremarkt bis 2035 ein Volumen von über 56 Milliarden Dollar (ca. 51 Mrd. €) – ein jährliches Wachstum von rund 11 %.
Die technische Grundlage: Moderne E-Autos nutzen eine zentrale elektronische Architektur, die Over-the-Air-Updates ermöglicht. Hardware und Software sind entkoppelt – ein „Hardware-Vorrat“ für spätere Bezahlfunktionen wird so zum Geschäftsmodell.
Die dunkle Seite: Skandale um Bezahlfunktionen
Doch einige Hersteller übertreiben. Der wohl bekannteste Fall ist BMW, das 2022 eine Sitzheizung als Abo anbot – ein monatlicher Betrag für eine physikalisch bereits verbaute Heizung. Nach weltweitem Aufschrei wurde das Modell eingestellt.
Ähnlich erging es Mercedes-Benz mit dem EQS: Das Fahrzeug hatte serienmäßig eine 10-Grad-Hinterachslenkung verbaut, die per Software auf 4,5 Grad begrenzt wurde. Für die volle Funktion verlangte Mercedes jährlich umgerechnet rund 16.000 Yuan (ca. 2.050 €)* – nach heftiger Kritik wurde auch dieses Abo gekippt.
Noch skurriler: Ford verlangte bei manchen E-Modellen eine Gebühr, um den vorderen Kofferraum (Frunk) öffnen zu können – eine rein mechanische Funktion ohne zusätzlichen Service. Auch hier folgte ein Shitstorm.
Diese Praktiken untergraben das Vertrauen der Kunden. Der chinesische Verbraucherschutzverband kritisiert solche „Funktionssperren“ als Verstoß gegen das Prinzip des fairen Handels.
Was ist fair – was nicht?
Nicht alle Bezahlfunktionen sind problematisch. Klar ist: Funktionen, die kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen, dürfen etwas kosten. Dazu gehören:
- Hochwertige Fahrassistenzsysteme wie der Huawei Qiankun (乾崑) ADAS oder XPengs XNGP – sie benötigen riesige Rechenzentren, ständige Aktualisierung und Wartung.
- Inhaltsdienste wie Musik-Streaming, Videoplattformen oder personalisierte Designs – die auf Basis von Lizenzen und Server-Kosten abgerechnet werden.
- Performance-Optimierungen per Software – wie VW in Großbritannien für den ID.3 anbietet: gegen eine monatliche Gebühr von ca. 16,50 £ (ca. 19 €) steigt die Leistung von 201 auf 228 PS und das Drehmoment von 265 auf 310 Nm.
Absolut tabu sind hingegen Bezahlschranken für fest verbaute Hardware, die keinerlei Aktualisierung benötigt: Sitzheizung, Lenkradheizung, mechanische Kofferraumöffnung, einfache Remote-Start-Funktionen. Hier hat der Käufer die Hardware bereits mit dem Fahrzeugpreis bezahlt – eine nachträgliche Sperre ist nichts anderes als doppeltes Abkassieren.
Regulierung und Ausblick
Das chinesische Industrie- und Informationsministerium (MIIT) hat im Frühjahr 2026 einen Verhaltenskodex für Preisgestaltung im Automobilsektor veröffentlicht. Dieser schreibt vor, dass alle kostenpflichtigen Funktionen bereits beim Kauf transparent aufgelistet werden müssen. Irreführende Werbung oder versteckte Gebühren sind verboten.
Die Zukunft wird zeigen, ob sich ein faires Modell etabliert: „Basis-Funktionen dauerhaft kostenlos + Premium-Dienste auf Abruf“. Chinesische Hersteller wie BYD (比亚迪) und Co. stehen nun in der Pflicht, das Vertrauen ihrer Kunden nicht zu verspielen.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
In Deutschland
BYD ist bereits auf dem deutschen Markt vertreten. Aktuelle Modelle in Deutschland: Atto 2, Atto 3, Dolphin, Seal, Sealion 7, Han.
BYD ist seit 2022 auf dem deutschen Markt aktiv und baut sein Händlernetz kontinuierlich aus.


