Chery-Vize: Preiskampf stoppen – setzt auf 4-Säulen-Strategie
Am 29. Mai 2026 rief Wang Lang, Vizepräsident von Chery (奇瑞), auf der Future Vehicle Pioneer Conference in Peking zu einem grundlegenden Kurswechsel in der chinesischen Automobilindustrie auf. Seine Kernforderung: „Das eigentliche Problem ist nicht, ob wir schneller laufen können, sondern ob wir stabiler und weiter laufen.“ Der Grund: Der anhaltende Preiskampf gefährde Qualität, Entwicklungsbudgets und das Vertrauen der Kunden. Wang will die Wettbewerbsebene anheben – weg von Parametern, hin zu echtem Kundennutzen.
„Das ist kein Aufruf, den Wettbewerb zu stoppen, sondern ihn auf eine höhere Ebene zu bringen“, so Wang. Er warnte davor, dass reine Preissenkungen die Forschungsausgaben strangulieren: Chery investiert eigenen Angaben zufolge jährlich über zehn Milliarden Yuan (ca. 1,28 Milliarden Euro) in Entwicklung – ein Betrag, den ein reiner Preiskampf nicht rechtfertigen könne. Als gelungenes Beispiel nannte Wang den Tiggo 8 Pro Max, der im chinesischen C-NCAP-Crashtest die Bestnote von fünf Sternen erzielte und damit die Maxime „Sicherheit vor allem“ unterstreiche.
Sicherheit als oberste Maxime
Für Wang steht fest: „Ohne Sicherheit gibt es keine fundierte Premiumstrategie; ohne Qualität ist Intelligenz unzuverlässig.“ Produkte müssten von realen Nutzungsszenarien aus definiert werden – etwa, ob Kinder bequem sitzen, der Einstieg für Senioren leicht fällt und das Fahrzeug auch nach Jahren noch zuverlässig ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis löse nur die Frage des „Kaufens wert“, die Marke hingegen die des „Vertrauens und der Weiterempfehlung“. Cherys hauseigene Qualitätsdatenbank, die über 10.000 Prüfprozesse dokumentiert, zeige: „Parameter lassen sich kopieren – Erlebnisse nicht. Konfigurationen kann man schnell nachziehen – Systemkompetenz muss über Jahre aufgebaut werden.“
Vier Säulen des Markenaufbaus
Wang fasste den nachhaltigen Markenaufbau in vier Vertrauensdimensionen zusammen: Qualität, Technik, Service und Werte. Technik dürfe kein reines PR-Statement sein, sondern müsse langfristige Validierung bestehen. Service-Netz, Software-Updates und Werterhalt bestimmten, wie weit eine Marke trage. Chery unterhält weltweit über 1.200 Service-Stationen – auch in Europa wächst das Netz mit den Marken OMODA und Jaecoo stetig. „Konfigurationen lassen sich schnell kopieren, aber Systemkompetenz wie unsere integrierte Plattform- und Batterieentwicklung muss über Jahre aufgebaut werden“, betonte Wang.
Appell für gemeinsamen Aufstieg
Zum Abschluss rief Wang zu mehr Langfristigkeit und weniger Hektik auf: „Weniger kurzfristige Erfolge, mehr gemeinsames Vorankommen. Von der Stückzahl- zur Wertführerschaft, vom Produkt- zum Markenexport.“ Jedes chinesische Unternehmen trage Verantwortung für das Image der gesamten Branche. Cherys Exportrekord von über einer Million Fahrzeugen im Jahr 2025 sei nur der Anfang – der wahre Maßstab sei die globale Markenreputation.
Chery ist in Deutschland mit den Marken OMODA und Jaecoo vertreten. Der Artikel enthält keine direkte Ankündigung eines neuen Modells für den deutschen Markt.


