Seres & ByteDance starten Saido: Crossover ab 12.800 €
Seres (赛力斯) und der ByteDance-Cloud-Dienst Volcengine lancieren eine neue Automarke namens Saido (赛豆). Das erste Modell, ein Crossover zwischen SUV und Limousine, soll noch 2025 in Serie gehen, die offizielle Markenvorstellung ist für den 9. Juni 2026 in Peking geplant. Produziert wird im Seres-Werk Phoenix. Die Kernfakten:
- Antrieb: rein elektrisch (BEV) oder als Range-Extender (EREV*)
- Preisspanne: ca. 12.800 € bis ca. 25.600 € (ca. 100.000 bis 200.000 Yuan)
- Zielgruppe: junge, sportliche Käufer im Volumensegment zwischen 10.000 und 20.000 €
- Vertrieb: eigenes Händlernetz, geplant für Inland und Export
*EREV = Elektromotor mit Verbrenner als Generator, kein Direktantrieb.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Hintergrund: Aus Landian wird Saido – aber keine direkte Fortsetzung
Saido entsteht nicht als direkte Nachfolgerin der bestehenden Billigmarke Landian (蓝电), sondern aus einer Portfolio-Bereinigung bei Seres. Landian war zuletzt ein Sanierungsfall: 2023 verkaufte die Marke nur 8.756 Einheiten, 2024 stieg die Zahl durch das neue Modell E5 PLUS auf 29.000 Fahrzeuge, 2025 fiel sie auf rund 20.000. Seres gliederte die defizitären Landian-Aktiva im Februar 2025 in eine separate Gesellschaft aus und führte Kapitalerhöhungen durch – insgesamt ca. 8,54 Milliarden Euro (66,71 Milliarden Yuan). Neue Gesellschafter sind die lokale Staatsholding Shaci Zhiyuan (Shapingba, Chongqing), CATL und weitere Investoren. Seres selbst hält nur noch knapp 33 % und konsolidiert die neue Firma nicht mehr. Saido greift also auf die Produktionsanlagen und das Know-how von Landian zurück, startet aber mit frischer Markenidentität und Technologiepartnern.
KI-Cockpit von ByteDance statt Huawei-ADS
Anders als die erfolgreichen AITO-Modelle von Seres (die auf Huawei-Systeme setzen) verzichtet Saido auf das Huawei Qiankun-Fahrassistenzsystem (ADS). Stattdessen kommt das „Doubao Large Model“ (豆包大模型) von ByteDance im Cockpit zum Einsatz – eine KI-Plattform für Sprach-, Bild- und Multimodal-Interaktion. Die Partnerschaft zwischen Seres-Tochter Phoenix Technology und Volcengine wurde im Oktober 2025 mit einem Rahmenvertrag besiegelt, zunächst ohne konkrete Investitionssumme. Die Zusammenarbeit soll von der aktuellen Integration des Doubao-Modells in die Fahrzeugsteuerung bis hin zu zukünftigen embodied-AI-Anwendungen reichen.
Das bedeutet: Saido positioniert sich betont über ein intelligentes Cockpit-Erlebnis, nicht über starkes autonomes Fahren. Ob dieser Fokus auf „KI-Interaktion“ im Wettbewerb mit Marken wie BYD oder XPeng reicht, bleibt abzuwarten – zumal Fahrassistenz inzwischen ein kaufentscheidendes Kriterium ist.
Seres strebt Neustart im Volumensegment an
Für Seres ist Saido mehr als eine billigere Alternative zu AITO. Die Marke soll helfen, den verlustreichen Landian-Absatz zu ersetzen und mit Unterstützung von ByteDance im hart umkämpften 10.000-20.000-Euro-Segment Fuß zu fassen. Die lokale Regierung von Shapingba erhofft sich durch Saido den Aufbau eines milliardenschweren Produktionsclusters für intelligente Elektroautos. Allerdings steht Saido vor großen Herausforderungen: Markenaufbau von null, eigenständiger Vertrieb, Zertifizierungen für Exportmärkte und die Frage, ob ein reines KI-Cockpit ohne überzeugendes Fahrerassistenzsystem junge Käufer anspricht.
Saido ist ein neues Gemeinschaftsunternehmen von Seres und ByteDance. Eine konkrete Ankündigung für den europäischen Markt liegt noch nicht vor, der Hersteller plant jedoch auch den Export. Ein Marktstart in Deutschland ist frühestens 2027 denkbar.


