Luxeed engagiert Ex-Ferrari-Designer – Chinas Designoffensive
Der chinesische Hersteller Luxeed (智界) hat offiziell bestätigt: Ein ehemaliger Chefdesigner von Ferrari sowie erfahrene Fahrwerksentwickler von BMW und Aston Martin arbeiten künftig für die Marke. Luxeed ist Teil der HIMA-Allianz (Harmony Intelligent Mobility Alliance) zwischen Huawei und Chery. Schon zuvor waren Erlkönige eines neuen Luxeed-Modells aufgetaucht, das nun optisch an den Ferrari Purosangue erinnern soll. Exekutiv-Vizepräsident Zhao Changjiang gab die Personalie bekannt, ohne den Namen des Designers zu nennen – die Verbindung zu Ferrari weckt jedoch hohe Erwartungen.
Internationale Designer für chinesische Marken
Chinesische Hersteller setzen seit Jahren gezielt auf ehemalige Star-Designer aus dem Premium- und Luxussegment. So holte Geely (吉利) mit Peter Horbury einen früheren Design-Vizepräsidenten von Volvo, der die globale Designsprache des Konzerns prägte. BYD (比亚迪) verpflichtete Wolfgang Josef Egger, der zuvor für den Audi R8 verantwortlich war – seine „Drachengesichts“-Linie wurde zum Markenzeichen. Hongqi (红旗) wiederum zog Giles Taylor von Rolls-Royce an Land, ein Schritt, der in der Branche teils als Image-Pflege, teils als echter Kompetenzgewinn gesehen wird.
Besonders die chinesischen EV-Startups (造车新势力) setzen auf internationales Design-Know-how. Li Auto (理想) engagierte Ben Baum, der zuvor den Porsche 911 gezeichnet hatte. Sein Werk, der Van Li Auto MEGA, polarisierte mit seiner extremen Stromlinienform. Baums Drang zur Innovation traf auf geteilte Reaktionen – das Design des MEGA sorgte für Kontroversen und wurde nach einem schweren Unfall zusätzlich in die Kritik genommen. Ob sich der Stil langfristig durchsetzt, bleibt abzuwarten.
Kontroversen und Erfolge
Auch NIO (蔚来) holte mit Kris Tomasson einen ehemaligen BMW-i-Designer, der die Designsprache der Marke prägte. Sein jüngstes Werk, der Kleinwagen NIO Firefly („Glühwürmchen“), wurde zunächst als „sechäugiger Flugfisch“ verspottet. Nach der Auslieferung und ersten individuellen Umbauten kippte die Stimmung jedoch: Der Firefly wird inzwischen oft als mutig und sympathisch wahrgenommen.
Xiaomi (小米) wiederum verpflichtete mit Li Tianyuan einen Ex-BMW-Designer. Seine Modelle SU7 und YU7 feierten kommerzielle Erfolge, stehen aber seit jeher im Schatten von Plagiatsvorwürfen – das Design erinnert stark an etablierte europäische Sportwagen. Aus kommerzieller Sicht war die Strategie dennoch erfolgreich: Xiaomi konnte sich so schnell im Markt positionieren.
Weitere Beispiele: XPeng (小鹏) vertraut auf Rafik Ferrag (ehemals Citroën und Honda), Avatr (阿维塔) auf den langjährigen BMW-Designer Nader Faghihzadeh, und Zeekr (极氪) auf den ehemaligen Bentley-Designchef Stefan Sielaff. Jeder von ihnen hat die Ästhetik seiner Marke entscheidend geprägt.
Fazit: Mehr als nur PR
Die Verpflichtung internationaler Designer ist für chinesische Hersteller längst keine reine Marketing-Aktion mehr. Sie liefern echte Impulse für die Formensprache der Fahrzeuge – auch wenn die Ergebnisse nicht immer sofort überzeugen. Gleichzeitig wächst die Zahl einheimischer Talente: Na Jia etwa, Designer von Li Auto, entwarf die gesamte L-Serie ohne glanzvolle internationale Vita. Seine Arbeit wird durch unzählige Nachahmer bestätigt. Die Zukunft der chinesischen Automobilgestaltung liegt im Zusammenspiel beider Welten.
In Deutschland
Luxeed (智界) vertreibt seine Modelle derzeit ausschließlich in China. Ein Markteintritt in Europa ist nicht offiziell bestätigt. Auch die anderen genannten Marken wie Li Auto, Avatr und Hongqi sind in Deutschland nicht oder nur sehr begrenzt erhältlich.


