Chery-Zulieferer Chaowei: Natrium-Batterie-Fabrik für 448 Mio. € gestartet
Chery (奇瑞) setzt auf eine neue, lithiumfreie Batterietechnologie: Der Zulieferer Chaowei (超威) hat am 13. Juni 2026 die Produktion einer Natrium-Ionen-Batteriefabrik in Anqing aufgenommen. Die Investition beläuft sich auf rund 448 Mio. € (ca. 3,5 Milliarden Yuan).* Die jährliche Anfangskapazität beträgt 2 GWh, betrieben durch die Tochtergesellschaft Anqing Chaoren Energy Technology. Die Zellen sind speziell für Traktionsanwendungen und Niedertemperatur-Eigenschaften ausgelegt.
Sämtliche Preisangaben beziehen sich auf den chinesischen Inlandsmarkt (inkl. lokaler Subventionen) und sind nicht direkt auf europäische Endkundenpreise übertragbar.
Eröffnung in Anqing mit 2 GWh Kapazität
Die Anlage ist der erste großvolumige Produktionshub für Natrium-Ionen-Zellen in der Chery-Lieferkette. Geplant ist ein Ausbau auf 6,5 GWh, sobald die Materialkosten weiter sinken. Die Zellen verwenden Hartkohlenstoff (Hard Carbon) als Anodenmaterial – ein entscheidender Faktor für die Kostenstruktur.
Technische Grundlagen der Natrium-Zellen
Natrium-Ionen sind physikalisch rund 30 % größer als Lithium-Ionen. Herkömmliche Graphit-Anoden können sie nicht effizient aufnehmen. Stattdessen kommt Hartkohlenstoff zum Einsatz, wobei zwei konkurrierende Materialansätze existieren:
- Synthetisches Phenolharz: Liefert eine spezifische Kapazität von 335 mAh/g bei hoher 10C-Entladerate – geeignet für leistungsorientierte Fahrzeuge.
- Kohlebasierte Hartkohlenstoffe: Nutzen günstige heimische Nebenprodukte, um die Kosten zu drücken.
Kostenvorteile und Skalierung
Die Preise für Hartkohlenstoff lagen 2024 zwischen ca. 7.700 und 9.000 € (ca. 60.000–70.000 Yuan) pro Tonne. Prognosen zeigen einen Rückgang auf rund 4.500 € (ca. 35.000 Yuan) pro Tonne. Damit rückt die Kostenparität mit Lithium-Ionen-Fertigungszellen in greifbare Nähe – Zielmarke: ca. 5.200 € (ca. 40.000 Yuan) pro Tonne. Niedrigere Materialkosten erlauben eine effizientere Gesamtproduktion der geplanten 6,5-GWh-Fabrik.
Parallel dazu arbeiten auch CATL und Changan an Natrium-Plattformen für Einstiegsfahrzeuge. Ein lokales Projekt von Shaanxi Coal sichert die Versorgung mit Hartkohlenstoff: Eine Umrüstung für rund 649.000 € (ca. 5,07 Millionen Yuan) soll jährlich 1.000 Tonnen liefern. Chaowei setzt damit auf eine stabile heimische Lieferkette, um die Unabhängigkeit von Lithium-Importen zu stärken.
Bedeutung für den europäischen Markt
Chery ist in Deutschland mit den Marken Omoda und Exeed (z. B. Omoda 5, Exeed RX) vertreten. Die neuen Natrium-Ionen-Batterien könnten künftig in günstigen Einstiegsmodellen wie dem Omoda E5 oder einem noch nicht bestätigten Kleinwagen zum Einsatz kommen. Ein konkreter Europa-Marktstart ist jedoch noch nicht angekündigt. Die Technologie zielt primär auf den chinesischen Heimatmarkt und volumenstarke Segmente ab.
Chery vertreibt in Deutschland die Marken Omoda und Exeed. Ein Einsatz der neuen Natrium-Ionen-Batterien in europäischen Modellen ist bisher nicht bestätigt, aber technisch für künftige Einstiegsvarianten vorstellbar.


