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Li Auto: KI-Offensive stößt auf interne Skepsis – M100-Chip vorgestellt

Li Auto will kein Autobauer mehr sein, sondern ein KI-Unternehmen. Auf der Livis Day 2025 präsentierten die Chinesen den neuen KI-Chip M100 und das Konzept des „embodied AI“-Fahrzeugs. Doch Mitarbeiter und Märkte zeigen sich verunsichert.

Li Auto: KI-Offensive stößt auf interne Skepsis – M100-Chip vorgestellt

Li Auto: KI-Offensive stößt auf interne Skepsis – M100-Chip vorgestellt

Li Auto (理想) steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Firmengründer Li Xiang will das Unternehmen weg vom reinen Autobau hin zu einem KI-Konzern führen. Die Strategie, die er seit Ende 2024 öffentlich propagiert, stößt jedoch intern auf Unverständnis.

Wandel vom Produktmanager zum Technologieprediger

Bereits im Dezember 2024 erklärte Li Xiang in einem ausführlichen Interview: „Li Auto ist kein Automobilunternehmen, sondern ein KI-Unternehmen.“ Ein Jahr später, Anfang 2025, berief er kurzfristig eine firmeninterne Vollversammlung ein – ohne vorherige Ankündigung. Knapp zwei Stunden sprach er über KI-Trends und wichtige Meilensteine. Die Reaktion vieler Mitarbeiter war ernüchtert: „Ich verstehe nicht, worüber der Chef spricht.“ Offenbar fällt es dem Team schwer, der neuen Vision zu folgen, da Li Auto bislang für kurzfristige Erfolge und pragmatische Produktentscheidungen bekannt war.

Auf der Livis Day – der Software- und KI-Event des Unternehmens – am 15. Juni 2025 in Peking zog Li Xiang dann die nächste Show ab. Er kündigte an: Das erste Jahrzehnt stand für das „mobile Zuhause“ – Kühlschrank, TV und bequeme Sitze. Das zweite Jahrzehnt soll dem Auto Leben einhauchen. Dazu präsentierte er gleich mehrere technische Neuerungen: den hauseigenen KI-Chip Maestro M100 (马赫M100) in 5-nm-Technologie mit einer Rechenleistung von 1280 TOPS, das große Sprachmodell Maestro Mind, das Fahrassistenzsystem Maestro VLA und eine OTA-Roadmap für das gesamte Jahr. Der Chip soll ab sofort im neuen L9 Livis zum Einsatz kommen – mit zwei Chips (insg. 2560 TOPS) als Spitzenvariante.

Embodied Intelligence: Neue Verpackung für alte Inhalte?

Der Kern der Botschaft: Li Auto definiert sich neu als Hersteller von „embodied AI“-Fahrzeugen. Ein Konzept, das vier Rollen vereint: reines Elektroauto, Berufsfahrer (autonomes Fahren), KI-Computer und Lebensassistent. Der Anspruch: „Sicherheit und Effizienz jenseits des menschlichen Könnens.“ Allerdings liefert Li Auto damit kaum Neues, was nicht auch Tesla, XPeng oder NIO versprechen. Die Verpackung als „embodied AI“ wirkt wie ein Marketing-Trick – ein Label, das die vielen Einzeltechnologien zu einem neuen Gesamtkonzept zusammenführen soll.

Aus Branchensicht fehlt noch die überzeugende Differenzierung. Während XPeng mit humanoiden Robotern auf der Bühne stand, bleibt die Idee von Li Auto eher abstrakt. Hinzu kommt ein Datenproblem: Für KI-Entwicklung braucht es riesige Fahrzeugflotten, die reale Fahrdaten liefern. Tesla hat Millionen Fahrzeuge weltweit, Huawei profitiert von Kooperationen mit mehreren Herstellern. Li Auto ist hier im Nachteil. Der eigene Chip soll helfen, die Lücke mit synthetischen Daten und hoher Simulationsrechnung zu schließen – ein teurer und riskanter Weg.

Markt quittiert Transformation mit Kursverlusten

Die Reaktion der Börse fiel negativ aus: Am Tag nach der Livis Day verlor die Li Auto-Aktie 1,5 %, am Folgetag weitere 3,75 %. Investoren scheinen von der technischen Vision nicht überzeugt. Zudem hat der Wettbewerber XPeng seinen Eigenchip „Turing“ bereits seit 2025 im Serieneinsatz – über 200.000 Einheiten ausgeliefert, Ziel 2026: fast 1 Million. Li Auto dagegen steht erst am Anfang der Massenproduktion.

Das eigentliche Problem: Li Xiang hat sich als smarter Produktmanager eine treue Fangemeinde aufgebaut – die Leute kauften wegen der praktischen Ausstattung. Der plötzliche Wechsel zum KI-Prediger überfordert auch die Kernkunden. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen innen und außen, ist tief.


In Deutschland nicht erhältlich

Li Auto hat bislang keine offiziellen Pläne für eine Expansion nach Europa bekannt gegeben. Das Unternehmen konzentriert sich auf den chinesischen Markt.

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