Mercedes VLE: Neuer Luxus-MPV kommt ab November 2026
Mercedes-Benz definiert den Luxus-MPV neu. Der rein elektrische VLE ist kein Nachfolger der V-Klasse, sondern eine komplette Neuentwicklung – mit flachem Boden, durchgehender Sitzreihenanordnung und einem speziell dafür entwickelten Batteriesystem. Das bestätigte Andreas Zygan (Dr. Andreas Zygan), Leiter der Mercedes-Benz Vans-Entwicklung, bei einer Testvorstellung.
95 von 100 Punkten: Chinesische Wünsche als Maßstab
Bei der Entwicklung des VLE legte Mercedes eine 100-Punkte-Bewertungsliste zugrunde, die auf konkreten Anforderungen chinesischer Kunden beruht. Das Ergebnis: 95 Punkte. Besonderes Augenmerk lag auf dem zweiten Sitzreihenkomfort – der Top-Priorität chinesischer Käufer – sowie auf der dritten Reihe, die auch in der Basisversion ein gleichwertiges Sitzerlebnis bieten soll. Die elektrischen Schiebetüren verfügen über voll versenkbare Seitenscheiben – ein Detail, das speziell für den chinesischen Markt entwickelt wurde.
„Der VLE wurde nicht als Evolutionsschritt eines bestehenden Modells konzipiert, sondern mit einem leeren Blatt Papier begonnen“, betonte Zygan. Die Folge: ein völlig flacher Boden, der durch die frontgetriebene Basisversion ermöglicht wird. Die Allradversion erhält eine speziell entwickelte Hinterachse mit dem laut Mercedes „derzeit niedrigsten elektrischen Antriebsstrang auf dem Markt“.
Raumwunder mit Hinterachslenkung
Trotz kompakter Außenmaße bietet der VLE bei voller Bestuhlung rund 800 Liter Kofferraum, umgeklappt über 4.000 Liter. Gleichzeitig integrieren die Ingenieure eine aktive Hinterachslenkung und große Räder – ein Kunststück, das normalerweise im Widerspruch zu maximalem Innenraum steht. „Wir haben in jeder unsichtbaren Dimension mehr Aufwand betrieben, damit der Kunde in jeder sichtbaren Dimension ein vollständiges Erlebnis hat“, erklärte Zygan.
Die Federung bleibt konventionell mit Luftfedern. Zygan äußerte sich zurückhaltend zu aktiven Fahrwerksystemen: „Unsere Beobachtung zeigt, dass die Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft der Kunden für solche Systeme begrenzt ist.“ Stattdessen setzt Mercedes auf die Optimierung des Gesamtsystems und die künftige Verschmelzung von Daten, künstlicher Intelligenz und Assistenzsystemen.
MB.OS und OTA: Kein „veraltetes“ Auto
„Niemand möchte ein veraltetes Auto fahren“, sagte Zygan zur Strategie der Software-updates. Der VLE ist auf die MB.OS-Architektur ausgelegt und erhält Over-the-Air-Updates. Die Hardware für hochautomatisiertes Fahren ist bereits vollständig integriert. In Europa soll der VLE ab Marktstart „Parkplatz-zu-Parkplatz“-Assistenz bieten, in China nach Freigabe der Regulierung einen umfassenden Stadtpiloten. „Wenn 100 Fahrzeuge unterwegs sind, liegt die Lernreife des Systems vielleicht bei 6 Prozent. Bei einer Million Fahrzeugen können wir 100 Prozent erreichen und diese Lernergebnisse per OTA an alle weitergeben“, so Zygan.
Produktion in China und Europa
Der VLE wird ab November 2026 im Mercedes-Werk Fuzhou (Provinz Fujian) produziert – parallel zum Marktstart in Europa. Mercedes setzt dabei verstärkt auf lokale Zulieferer aus China, ohne Abstriche bei der Qualität: „Die Mercedes-Standards gelten uneingeschränkt. Gleichzeitig können wir durch die höhere Lokalisierung die Kosten senken und wettbewerbsfähigere Preise anbieten.“
Zygan skizzierte zudem eine ganze Produktfamilie: Der VLE bedient das Hauptsegment der luxuriösen Privat-MPVs. Ein VLS („die S-Klasse unter den MPVs“) und eine Maybach-Version des VLS sollen in den kommenden ein bis zwei Jahren folgen. Auf die Frage nach einer AMG-Variante antwortete Zygan diplomatisch: „Wir werden diese Idee ernsthaft prüfen – die Tatsache, dass Sie sie erwarten, zeigt, dass es vielleicht einen Markt dafür gibt.“
In Deutschland
Das Modell ist für den europäischen Markt bestätigt und soll ab November 2026 in Deutschland erhältlich sein. Die Produktion erfolgt parallel in Fuzhou (China) und in Europa. Preise für Deutschland stehen noch nicht fest.

