AIVA: Seres’ neue KI-Marke ab ca. 25.600 €
Seres (赛力斯), bislang vor allem durch die Zusammenarbeit mit Huawei und der Marke AITO (问界) bekannt, wagt einen Neuanfang. Mit der neuen Submarke AIVA (Artificial Intelligence Voyage Ahead) will der chinesische Hersteller seine eigene KI-Kompetenz in den Mittelpunkt stellen. Betrieben wird AIVA von der Seres-Tochter Hundun Technology (混沌科技), die bereits das erfolglose Elektro-SUV E5 auf dem Markt hatte.
Vom Huawei-Partner zum eigenständigen KI-Autobauer
Auf einer Veranstaltung in Peking präsentierte AIVA-CEO Zhang Bo den strategischen Kurs: AIVA wird nicht einfach nur KI-Funktionen ins Auto integrieren, sondern das Fahrzeug von Grund auf als „Körper einer KI“ definieren. Die Hardware-Plattform soll als vorbereiteter Raum für KI-Kooperationen dienen, die das Fahrverhalten, die Routenplanung und sogar die Klimatisierung personalisiert – etwa indem die Klimaanlage je nach Kleidung und Saison die gefühlte Temperatur statt einen fixen Wert regelt.
Dafür arbeitet AIVA mit HuaShan (华山), einem chinesischen KI-Chip- und Modellanbieter, zusammen. Die Zusammenarbeit umfasst neben der Rechenleistung auch Modelle, Algorithmen und die gesamte System-Architektur. Ziel ist ein „AI-first“-Ansatz, bei dem die Software die Produktdefinition bestimmt – im Gegensatz zu herkömmlichen Autos, die nachträglich mit KI-Features ausgestattet werden.
Zwei Modelle: Concept Car und erstes Serien-SUV
Auf der Bühne zeigte AIVA das Konzeptfahrzeug AIVA Origin Concept, das mit fließenden Linien und einer durchgehenden Lichtleiste eine sportlich-elegante Designsprache andeutet. Interessant: Die Karosserie verzichtet auf scharfe Kanten und Setzleisten – stattdessen gibt es eine unterbrochene Flügelstruktur, die an die Silhouette eines Vogels erinnert.
Noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 soll das erste Serienmodell AIVA ME7 debütieren. Es wird als Crossover zwischen SUV und Limousine positioniert. Alle AIVA-Modelle werden laut Zhang Bo oberhalb der 200.000-Yuan-Marke starten – umgerechnet ca. 25.600 €*.
Technisch ist das ME7 als reines Elektrofahrzeug (BEV) ausgelegt. Konkrete Reichweiten- oder Leistungsdaten nannte das Unternehmen noch nicht. Die Preisstrategie zielt klar auf das gehobene Mittelklasse-Segment, in dem in China bereits heftiger Wettbewerb herrscht – unter anderem mit iCAR von Chery, Jietu (Marke von Chery) und anderen Startups.
Warum Seres einen zweiten Markenauftritt braucht
Die Gründung von AIVA ist auch eine strategische Antwort auf die zunehmende Abhängigkeit von Huawei. Seres hatte für die Nutzung der Huawei-Technologie in den Jahren 2022 bis Mitte 2025 insgesamt über 750 Millionen Yuan (ca. 96 Mio. €) an Huawei gezahlt. Allein 2025 beliefen sich die Vertriebskosten von Seres auf 24,19 Milliarden Yuan (ca. 3,1 Mrd. €). Gleichzeitig wächst Huaweis Partnernetzwerk (HIMA – Harmony Intelligent Mobility Alliance) immer weiter – Luxeed, Stelato, Maextro und andere Marken drängen in den Kreis, was den Exklusivitätsvorteil von Seres schmälert.
Mit AIVA will Seres zeigen, dass man auch ohne Huawei in der Lage ist, ein technologisch anspruchsvolles, KI-zentriertes Fahrzeug zu bauen. Die neue Marke operiert eigenständig und baut auf die bei Seres bereits vorhandene Kompetenz in den Bereichen Karosseriebau, Fertigung und Vernetzung auf.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
In Deutschland
Zu AIVA (Marke der Seres Group) liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen europäischen Markteintritt vor. Das Modell ist derzeit auf dem chinesischen Markt erhältlich.

