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NIOD1EVVon 3 Min. Lesezeit

NIO ET7: Sieben Fallstricke für autonomes Fahren

Sicherheitstest in Tianjin deckt Schwächen auf: NIO ET7 rollt am Berg zurück, Li Auto L6 übersieht E-Bikes, Zeekr 007 verliert die Spur. Studie listet sieben kritische Szenarien – und fordert Fahrer zur Vorsicht auf.

NIO ET7: Sieben Fallstricke für autonomes Fahren

NIO ET7: Sieben Fallstricke für autonomes Fahren

Der chinesische „Zweite Intelligent Driving-Wettbewerb“ in Tianjin hat sieben konkrete Gefahrensituationen für moderne Fahrassistenzsysteme enthüllt. Im Fokus stand der NIO ET7 (蔚来ET7), der in einem Parkhaus beim Bergauffahren unerwartet zurückrollte. Die Analyse zeigt: In „nicht standardisierten, dynamischen und strukturell komplexen“ Umgebungen stoßen aktuelle Systeme an ihre Grenzen – selbst erfahrene Fahrer werden überrascht.

Die sieben kritischen Szenarien

1. Rückrollen in der Tiefgarage (NIO ET7)
Die Berg-Anfahrhilfe des NIO ET7 reagierte mit einer Verzögerung von rund 0,5 Sekunden. Der Gradientensensor lieferte ungenaue Daten, das Drehmoment reichte kurzzeitig nicht aus – das Fahrzeug rollte auf der Steigung etwa 30 cm zurück. In engen Parkhausrampen mit dichtem Folgeverkehr droht sofort eine Kollision.
Hinweis: Bei Steigungen über 15 % empfiehlt sich manuelle Fahrt – Fuß auf der Bremse, kontrolliert anfahren.

2. „Geisterfahrer“-E-Bikes auf der Wohnstraße (Li Auto L6)
Zwei E-Bikes schossen unvermittelt zwischen parkenden Autos hervor. Das System erkannte die Hindernisse zu spät – der Fahrer musste notbremsen. Die Reaktionszeit der Sensoren (Kamera + Radar) betrug laut Studie rund 1,2 Sekunden, bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h bedeutet das einen Bremsweg von über 10 Metern.

3. Spurverlust durch Baustelle (Zeekr 007)
Auf einer Straße mit langem Bauzaun auf der linken Seite erkannte das System die temporär geänderten Fahrbahnmarkierungen nicht. Der Zeekr 007 driftete nach rechts, der Fahrer griff ein – die Abweichung betrug etwa 0,8 Meter innerhalb von zwei Sekunden.

4. Falsche Abbiegespur unter Brücke (Zeekr 007)
Beim Wenden unter einer Brücke bei schlechten Lichtverhältnissen verließ der Zeekr 007 die korrekte Spur und geriet in den Gegenverkehr. Grund: Die Kombination aus Licht-Schatten-Wechsel und übermalten Bodenmarkierungen überforderte die Bildverarbeitung.

5. Vollgas-Ausfahrt aus Tiefgarage (Exeed Fengyun T9L)
Ein Fahrer trat bei einer Ausfahrt mit Baustellenkegeln abrupt auf das Gaspedal. Das Fahrzeug schoss mit zu hohem Drehmoment nach oben, die Lenkung wurde instabil – das System verlor kurzzeitig die Kontrolle über die Fahrtrichtung. Hinweis: Steile Rampen erfordert sanfte Beschleunigung, um Traktionsverlust zu vermeiden.

6. Gedrängel an Kreuzung (IM LS6 / 智己LS6)
Ein entgegenkommendes Fahrzeug schnitt dem IM LS6 den Weg ab. Das Assistenzsystem zögerte: Statt sofort zu bremsen, versuchte es, die Lücke zu nutzen – der Fahrer musste hart in die Eisen steigen. Der Bremsweg aus 40 km/h betrug weniger als 15 Meter.

7. Unsichtbare Schranke (Deepal L06 / 深蓝L06)
Die gelbe Schranke am Ausgang eines Gewerbegebiets wurde vom System nicht erkannt. Die 360-Grad-Kamera zeigte sie zwar, die kognitive Algorithmen stuften das schmale Hindernis jedoch als „passierbar“ ein. Erst die Notbremsung des Fahrers (0,3 Meter vor der Schranke) verhinderte einen Crash.

Technische Grenzen und Handlungsempfehlungen

Gemeinsamkeit aller Szenarien: Die Systeme scheitern an sensorischen Lücken (dünne Objekte, unklare Markierungen) oder an zeitkritischen Entscheidungen (Berg-Anfahrhilfe, Kreuzungskonflikte). Die Studie der Veranstalter (Quelle: Erste Elektroauto-Nachrichten) empfiehlt:

  • Keine vollständige Systemabhängigkeit in Parkhäusern, Wohngebieten, Baustellen und an Schranken.
  • Bei Steigungen, dynamischen Hindernissen und unübersichtlichen Kreuzungen: Rechtzeitig manuell übernehmen.
  • Nach Möglichkeit auf „Stadtpilot“-Funktionen verzichten, bis die Algorithmen robustere Szenarien gelernt haben.

Marktstatus in Deutschland

NIO ist seit 2021 in Europa aktiv und bietet in Deutschland aktuell folgende Modelle an: ET5, ET7, EL6, EL7, EL8. NIO Houses (Stationen mit Wechselstationen und Lounge) bestehen in München, Berlin und weiteren Städten.

Hinweis: Die genannten Assistenzsystem-Fehler beziehen sich auf chinesische Testfahrzeuge. Europäische Versionen können durch Software-Updates abweichen.


NIO ist in Deutschland erhältlich. Modelle: ET5, ET7, EL6, EL7, EL8. NIO Houses in München, Berlin u. a. Preise ab ca. 45.000 € (ET5) bis ca. 75.000 € (ET7). Die Assistenzsysteme werden laufend per OTA aktualisiert.

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