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Kia & Co.: Chinas Joint-Venture-Exporte legen 63 % zu

In den ersten fünf Monaten 2025 stiegen Chinas Autoexporte auf 4,06 Millionen Fahrzeuge – ein Plus von 63 Prozent. Joint Ventures deutscher, japanischer und koreanischer Hersteller treiben diesen Boom an. Kia, Ford und VW bauen ihre China-Werke zu globalen Exportdrehscheiben um.

Kia & Co.: Chinas Joint-Venture-Exporte legen 63 % zu

Kia & Co.: Chinas Joint-Venture-Exporte legen 63 % zu

Vom verlängerten Werksband zur globalen Exportdrehscheibe

Vor zehn Jahren kaum vorstellbar: China hat sich vom regionalen Wachstumsmarkt für internationale Autobauer zum weltweit wichtigsten Exportzentrum für Fahrzeuge und zur Drehscheibe der Elektromobilität entwickelt. Der Wendepunkt kam um 2021, als chinesische EV-Startups Fahrt aufnahmen und die ausländischen Hersteller mit ihrer Elektrifizierung ins Hintertreffen gerieten. Das alte Modell „In China, für China" geriet unter Druck.

Zunächst reagierten kleinere Marken wie Kia, Hyundai und Ford – sie reaktivierten ungenutzte Werke und begannen, Autos zu exportieren. Dann zogen auch die großen Namen nach: Volkswagen, Nissan und Honda machten den Export zur Chefsache. Heute haben die meisten Joint Ventures die Exportstrategie zum Kern ihres China-Geschäfts erklärt.

Rekordzahlen: 63 Prozent Exportplus in fünf Monaten

Laut offiziellen Daten des chinesischen Automobilverbands stieg die Gesamtzahl exportierter Fahrzeuge aus China von Januar bis Mai 2025 auf 4,059 Millionen – ein Plus von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den größten Zuwachs verzeichneten dabei Joint Ventures und Premiummarken.

Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Trend mehr, sondern eine strategische Neuausrichtung. Von der anfänglichen Verwertung von Überkapazitäten mit älteren Verbrenner-Modellen für den Nahen Osten hat sich der Export längst zum Kerngeschäft entwickelt.

Die neuen Export-Schlüsselmodelle

Die Palette der exportierten Fahrzeuge ist breit. Besonders bemerkenswert:

  • Volkswagen baut im Gemeinschaftsunternehmen VW Anhui den Cupra Tavascan, ein reines E-SUV exklusiv für die EU. Das Modell erhielt eine Ausnahmeregelung von den EU-Anti-Subventionszöllen – ein Novum im Handelsstreit.
  • Nissan etablierte im Juni 2025 die Nissan Import & Export Co. in Guangzhou und zeigte auf der philippinischen Autoshow die elektrische Limousine Primera sowie den Plug-in-Hybrid Navara Pro. Beide Modelle werden in China entwickelt und produziert und weltweit ausgeliefert.
  • Honda benennt den in China gebauten e:NS2 (BEV) in Insight um und exportiert ihn nach Japan – erstmals rollt ein chinesisch entwickeltes Elektroauto in das Heimatland eines japanischen Herstellers.
  • BMW exportiert den iX3 seit Jahren stabil nach Europa.
  • Ford steigerte seine Exporte aus China in vier Jahren um 265 Prozent. Der Lincoln Nautilus und der Lincoln Corsair werden in China gefertigt und erfolgreich in Nordamerika verkauft. Der operative Gewinn in China lag 2024 bei über ca. 560 Mio. € (ca. 4,4 Milliarden Yuan).* Ford-CEO Jim Farley bezeichnete China als „sehr profitablen Exportstandort".
  • Kia (悦达起亚) hat sein Werk in Yancheng zur globalen Exportbasis umgebaut. Bis Ende 2025 wurden insgesamt über 580.000 Fahrzeuge in 90 Länder exportiert. 2025 erzielte Kia in China einen Umsatz von ca. 3,3 Milliarden € (ca. 26,1 Milliarden Yuan) und einen Nettogewinn von ca. 110 Mio. € (ca. 840 Millionen Yuan). Damit hat sich die Marke von jahrelangen Verlusten erholt.

Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.

Elektro statt Verbrenner – der Strukturwandel

Früher dominierten günstige Verbrenner den Export aus China. Heute verlagern die Joint Ventures den Schwerpunkt auf Elektro- und Hybridfahrzeuge. Grund dafür sind strengere Emissionsvorschriften weltweit, steigende CO₂-Zölle und der Wettbewerbsdruck durch chinesische Marken.

Die neuen Exportmodelle basieren auf der lokalen Lieferkette: Batterien von CATL oder Gotion, Fahrsysteme und Software von chinesischen Partnern. Die Joint Ventures nutzen die Kostenvorteile des chinesischen Ökosystems und kombinieren sie mit globalen Qualitätsstandards.

Zwei Strategien für unterschiedliche Märkte

Die Hersteller verfolgen einen zweigleisigen Ansatz:

  • Mittelklasse und Einstiegssegmente für Schwellenländer wie Südostasien, Lateinamerika und den Nahen Osten. Hier setzen Nissan und Kia auf Modelle wie den N7 oder den Frontier Pro.
  • Hochwertige Elektromodelle für Europa und Nordamerika. Modelle wie der Cupra Tavascan, der BMW iX3 oder der Lincoln Nautilus treten direkt gegen heimische Premiummarken an.

Die chinesische Produktion dient den Joint Ventures als Hebel, um schnell und kosteneffizient global konkurrenzfähige Fahrzeuge anzubieten.

Was das für deutsche Autofahrer bedeutet

Die Exportstrategie der Joint Ventures führt dazu, dass immer mehr „Made in China"-Modelle nach Europa kommen – oft zu Preisen, die unter denen europäischer Fertigung liegen. Gleichzeitig steckt in diesen Fahrzeugen eine hohe lokale Wertschöpfung bei Batterie und Elektronik. Der Wettbewerb zwischen chinesischen Eigenmarken und Joint-Venture-Modellen wird sich in den kommenden Jahren auch auf dem deutschen Markt verschärfen.

Der Wettbewerb bleibt trotzdem intensiv

Die Joint Ventures greifen auf die gleichen Zulieferer zurück wie chinesische Hersteller: gleiche Batterien, gleiche Chips, gleiche Assistenzsysteme. Der Vorsprung chinesischer Marken in der Hardware schmilzt. Das eigentliche Rennen findet künftig bei Software, Fahrerassistenz, Markenvertrauen und globalem Service statt.

Analysten sehen darin eine Chance: Die Koexistenz von Joint Ventures und chinesischen Marken treibt den globalen Wandel zur Elektromobilität voran. Der chinesische Markt wird zum Epizentrum dieser Transformation.


Joint-Venture-Modelle wie der Cupra Tavascan oder Kia Elektroautos könnten in den nächsten Jahren auch verstärkt in Deutschland angeboten werden – teils parallel zu Modellen chinesischer Eigenmarken.

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