BYD setzt auf Natrium: Energiespeicher statt E-Auto-Power
Während CATL (宁德时代) mit seiner „Tianheng"-Natrium-Batterie auf der Bühne in München triumphiert, geht BYD (比亚迪) einen anderen Weg: Der Konzern setzt bei Natrium-Ionen-Akkus zunächst ausschließlich auf großvolumige Energiespeicher (ESS). Technisch bedingt: BYD wählte die Poly anionen-Chemie, die bis zu 10.000 Zyklen hält, aber eine geringere Energiedichte als das Oxid von CATL bietet – rund 175 Wh/kg gegenüber 180–200 Wh/kg von LFP.
Warum der Markt noch zögert
Die Produktion von Natrium-Batterien ist alles andere als trivial. Größte Hürde: die negative Elektrode aus Hartkohlenstoff, die während des Zyklus Gase bildet und zu Aufblähungen führen kann. Zudem erfordert die extreme Feuchtigkeitskontrolle völlig neue Fertigungslinien – ein Umbau bestehender Lithium-Linien reicht nicht. „80 Prozent der Maschinen sind gleich, aber die Prozessbeherrschung ist eine völlig andere", erklären Experten.
BYDs strategische Wette
BYD hat nach eigenen Angaben bereits über 10 Milliarden Yuan (ca. 1,28 Mrd. €) in Natrium-Technologie investiert. Der Rückstand auf CATL wird auf ein bis zwei Quartale geschätzt. Doch im Gegensatz zu CATL, das bereits einen Serien-Elektro-SUV mit Natrium-Batterie auf den Markt gebracht hat, zeigt sich BYD zurückhaltend. „Natrium ist kein Ersatz für Lithium, sondern eine ergänzende Lösung – vor allem dort, wo niedrige Kosten, Sicherheit und Kältebeständigkeit entscheidend sind", so BYD-intern.
Der Grund: Energiedichte. 175 Wh/kg reichen für Stadtwagen mit kurzer Reichweite oder Nutzfahrzeuge, aber nicht für die aktuelle Modellpalette von BYD (Dolphin, Seal, Atto 3). Deshalb konzentriert sich BYD auf den stationären Speichermarkt – dort zählen Zyklenfestigkeit und Anschaffungspreis mehr als Gewicht.
Ein strategisches Gegengewicht
Hinter dem Natrium-Kalkül steckt auch ein Signal an Rohstoffländer: Chinas Abhängigkeit von importiertem Lithiumcarbonat ist auf 60 % gestiegen. Mit Natrium als zweitem Standbein halten BYD und CATL die Preise für Lithium niedrig und sichern sich gegen geopolitische Risiken ab. „Natrium wird nie die Hauptrolle spielen, aber es ist eine Trumpfkarte für die Lieferkette", analysiert ein Branchenkenner.
Allerdings: Bislang ist kein einziger europäischer Autobauer als Kunde für Natrium-Batterien bekannt. Die Technologie steckt noch in der Nische – anders als in China, wo CATL bereits einen 60-GWh-Auftrag über drei Jahre für stationäre Natrium-Speicher eingefahren hat.
In Deutschland
BYD ist bereits auf dem deutschen Markt vertreten. Aktuelle Modelle in Deutschland: Atto 2, Atto 3, Dolphin, Seal, Sealion 7, Han.
BYD ist seit 2022 auf dem deutschen Markt aktiv und baut sein Händlernetz kontinuierlich aus. Ob und wann Natrium-Batterien in für Deutschland geplanten Modellen (z. B. Dolphin oder Atto 2) zum Einsatz kommen, ist noch offen.

