China EV News
Zurück
XiaomiOFweek NEVVon 4 Min. Lesezeit

Neue China-Norm: 40 % der E-Autos zu schwer – Xiaomi SU7 glänzt

Die chinesische Norm GB 36980.1–2025 begrenzt den Energieverbrauch von Elektroautos in Abhängigkeit vom Gewicht. Rund 40 % der Modelle fallen durch – der Xiaomi SU7 bleibt dank Leichtbau unter der Grenze. Marktstart in Europa ungewiss.

Neue China-Norm: 40 % der E-Autos zu schwer – Xiaomi SU7 glänzt

Der Kampf gegen das Gewicht chinesischer Elektroautos wird zum entscheidenden Faktor. Die neue nationale Norm GB 36980.1–2025, die seit Januar 2025 in Kraft ist, legt verbindliche Energieverbrauchsgrenzen fest, die direkt vom Fahrzeuggewicht abhängen. Ziel ist es, die Spirale aus immer größeren Batterien und immer schwereren Karosserien zu durchbrechen.

Die zentrale Formel: Energieverbrauch (kWh/100 km) = 0,00556 × (Leergewicht in kg – 1.780) + 13,92. Vereinfacht: Pro 100 kg Mehrgewicht steigt der erlaubte Normverbrauch nur um 0,556 kWh – eine Steigerung, die für ein schwereres Fahrzeug kaum ausreicht, um den tatsächlichen Mehrverbrauch zu kompensieren. Für große Elektro-SUVs (über 2,71 Tonnen) liegt die Grenze bei 19,1 kWh/100 km.

Die Norm hat Gesetzeskraft: Ab 2026 müssen neu eingeführte Modelle die Werte einhalten, ab 1. Januar 2028 gilt die Pflicht für alle Neuwagen. Ein Überschreiten führt zum Ausschluss aus der staatlichen Förderliste – Hersteller können dann keine Steuervergünstigungen mehr gewähren.

Wer profitiert, wer fällt durch?

Laut Branchenschätzungen fallen rund 40 % der aktuellen Modelle durch den Test. Besonders betroffen sind schwere Luxus-SUVs wie der Yangwang U8L (3.639 kg), der Li Auto L9 (2.882 kg) oder der AITO M9 (2.845 kg). Ihre Kombination aus großem Akku und massiver Karosserie führt zu CLTC-Verbräuchen (chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP) von teils über 19 kWh – damit überschreiten sie die Normgrenze bereits.

Der Xiaomi SU7 (Xiaomi SU7) zeigt den Gegenentwurf: Mit einem Leergewicht von 2.055 kg (je nach Version) und einem CLTC-Verbrauch von nur 11,7 bis 13,7 kWh ist er weit unter der 2-Tonnen-Grenze. Möglich machen das der extrem niedrige Luftwiderstandsbeiwert (0,195 cd), die CTB-Batterieintegration (Zellen in Struktur) und konsequenter Leichtbau – alles ohne teure Sondermaterialien.

Auch der NIO ET7 (2.390 kg, 16,2 kWh) erfüllt die Norm knapp, während der NIO ES9 (2.845 kg) die Grenze bereits überschreitet.

Drei Hebel zur Gewichtsreduktion

Um die Norm zu erfüllen, setzen Hersteller auf mehrere Strategien. Die wichtigsten Ansätze:

  • Materialoptimierung: Hochfester Stahl spart 20 % Gewicht gegenüber konventionellem Stahl. Aluminium ersetzt Stahl an vielen Stellen – pro Bauteil rund 40 % leichter. Magnesium (Dichte nur zwei Drittel von Aluminium) wird zunehmend für Gehäuse und Strukturbauteile eingesetzt.
  • Batteriepack-Integration: CTC (Cell-to-Chassis) oder CTP (Cell-to-Pack) eliminieren Modulgehäuse und sparen 10–15 % Gewicht. Bei einem 100-kWh-Akku entspricht das rund 60–90 kg Ersparnis.
  • Elektronik- und Systemoptimierung: 800-Volt-Architektur mit Siliziumcarbid-Wechselrichtern steigert die Effizienz um 8–12 %. 48-V-Bordnetze ersetzen 12-V-Systeme und sparen über 10 kg.

Kosteneinsparung: Branchenkreise gehen davon aus, dass jede eingesparten 100 kg die Batteriekosten um ca. 400–1.900 Euro senken* – je nach Akkugröße und Materialmix. Die Anfangsinvestition in Leichtbau amortisiert sich also durch günstigere Akkus.

Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.

Was die Norm für China und Europa bedeutet

Die chinesische Regierung fördert mit der Norm nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch die Verkehrssicherheit. Leichtere Fahrzeuge verkürzen Bremswege, schonen Reifen und verringern den Verschleiß. Zusätzlich zur generellen Steuerbefreiung für New Energy Vehicles (NEVs) in China winkt eine weitere Prämie: Ein Fahrzeug, das die Norm einhält, bleibt in der staatlichen Förderliste – bei einem 20.000-Euro-Auto bedeutet das eine Ersparnis von rund 2.500 Euro für den Käufer.

Für den deutschen Markt ist der Xiaomi SU7 derzeit nicht erhältlich. Xiaomi hat eine Europa-Expansion angekündigt, aber noch keinen konkreten Zeitplan genannt. Die Norm selbst könnte als Benchmark auch für europäische Regulierungen interessant werden – schließlich kämpft auch die EU mit dem Gewicht von E-Autos.

Ausblick: Wer die Norm 2028 nicht erfüllt, kann in China keine Neuwagen mehr verkaufen. Der Wettlauf um die schlanke E-Karosserie hat begonnen.

Technische Eckdaten (Xiaomi SU7)

Eigenschaft Wert
Leergewicht 1.985–2.205 kg
CLTC-Verbrauch 11,7–13,7 kWh/100 km (entspricht ca. 10,0–11,6 kWh WLTP-Schätzwert)
Antrieb Heck- oder Allradantrieb
Akku 73,6–101 kWh (LFP / NMC)
Reichweite (CLTC) bis zu 800 km (entspricht ca. 680 km WLTP-Schätzwert)
Besonderheiten CTB-Struktur, cw 0,195, 800-Volt-Architektur

Der Xiaomi SU7 ist in China seit März 2024 auf dem Markt. Ein Verkauf in Deutschland oder der EU ist bisher nicht bestätigt. Xiaomi hat jedoch eine globale Expansion angekündigt. Die neue chinesische Gewichtsnorm GB 36980.1–2025 gilt bislang nur für den chinesischen Markt, könnte aber als Vorbild für europäische Vorschriften dienen.

XiaomiBatterieReichweiteElektroautoSicherheit