Seres bringt KI-Marke AIVA: ab 25.600 € in China
Seres (赛力斯), bislang vor allem als Produktionspartner von AITO (问界) bekannt, wagt den nächsten Schritt: Mit AIVA bringt der chinesische Hersteller eine neue Marke an den Start, die Künstliche Intelligenz (KI) ins Zentrum des Fahrerlebnisses stellt. Der Name steht für „Artificial Intelligence Voyage Ahead“ – KI-gesteuertes Reisen. Die ersten Modelle sollen ab ca. 25.600 € (ca. 200.000 Yuan)* auf den chinesischen Markt kommen.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Von AITO zu AIVA – Seres’ neuer Kurs
Seres hat sich in den letzten Jahren eng an Huawei gebunden: Die Marke AITO (问界) – ein Joint Venture zwischen beiden – verkaufte 2025 über 460.000 Fahrzeuge, profitierte aber auch von Huaweis Technologie und Vertrieb. Die Abhängigkeit war teuer: Seres zahlte Huawei allein im ersten Halbjahr 2025 rund 2 Milliarden Yuan (ca. 256 Mio. €) an Entwicklungskosten. Mit AIVA will Seres nun zeigen, dass es auch ohne Huawei kann – zumindest in einem eigenen, parallel laufenden Zweig.
AIVA setzt auf die Zusammenarbeit mit Volcano Engine (von ByteDance), das die KI-Modelle und Dateninfrastruktur liefert. Die Philosophie: „KI ist nicht nur ein Feature, sondern die Grundlage des Fahrzeugs“ – so Geschäftsführer Ye Fangbo (叶芳波) bei der Präsentation. Das System soll Gewohnheiten lernen: Es passt Klima und Fahrprofil an (z. B. 22 °C im Sommer vs. Winter), optimiert Navigationsrouten und warnt vor Staus, noch bevor sie entstehen.
Zwei Fahrzeuge angekündigt
Zunächst zeigte AIVA zwei Modelle:
- AIVA Origin Concept – eine Designstudie mit fließenden Linien und einer neuartigen Karosseriestruktur, die auf das KI-interne Layout abgestimmt ist.
- AIVA ME7 – das Serienmodell, das als Crossover zwischen SUV und Coupé positioniert wird. Die Auslieferung ist für die zweite Jahreshälfte 2026 in China geplant.
Beide Fahrzeuge bauen auf einer eigens entwickelten 800-Volt-Architektur auf. Details zu Reichweite oder Motorleistung nannte Seres noch nicht. Der Preis von ca. 25.600 € platziert den ME7 im Kernsegment des chinesischen Mittelklasse-EV-Marktes – dort, wo auch der BYD Song L oder der XPeng G6 kämpfen.
Das KI-Versprechen: Lernen statt starren Befehlen
AIVA betont, dass der KI-Assistent nicht nur Sprachbefehle ausführt, sondern das Fahrzeug und seine Umgebung kontinuierlich analysiert. Beispiel: Der Fahrer stellt die Klimaanlage immer auf 22 °C – AIVA erkennt, ob der Fahrer im Sommer ein T-Shirt trägt und passt die Temperatur gefühlt an. Oder: Auf der Autobahn wechselt das System automatisch in den Energiesparmodus, wenn es den Fahrstil als entspannt einstuft.
Das System ist darauf ausgelegt, ohne feste Profile zu arbeiten – es lernt mit jeder Fahrt dazu. Ye Fangbo: „AIVA denkt nicht in fixen Modi, sondern in fließenden, variablen Fahrplänen. Das ist der Unterschied: keine ‚intelligente‘ Schale, sondern ein von Grund auf KI-natives Fahrzeug.“
Seres’ großer Spagat
AIVA ist nicht der einzige Schritt von Seres, sich von Huawei zu lösen. Parallel läuft AITO weiter – die Marke bleibt mit Huawei liiert. Doch die Einigung mit Volcano Engine gibt Seres eine zweite, unabhängige KI-Plattform. Analysten sehen darin eine Absicherung: Sollte Huawei die Zusammenarbeit infrage stellen oder andere Partner bevorzugen, hat Seres mit AIVA ein eigenes Standbein.
In China ist der Markt für 20.000‑25.000-Euro-EVs extrem umkämpft. Neben BYD und XPeng drängen auch traditionelle Hersteller wie Geely oder Changan mit KI-gestützten Modellen in dieses Segment. AIVA muss sich also nicht nur technisch, sondern auch mit Markenwahrnehmung und Vertriebskanälen behaupten.
In Deutschland
Zu diesem Hersteller liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen europäischen Markteintritt vor. Die Marke AIVA ist derzeit auf dem chinesischen Markt erhältlich.

