XPeng X9: Luftfederung fällt aus – Kompressor-Überhitzung?
Erneute Ausfälle trotz Facelift
Im Juli 2025 melden mehrere Besitzer des XPeng (小鹏) X9 einen plötzlichen Karosserieeinbruch – das Fahrzeug bleibt liegen. Betroffen sind sowohl die rein elektrische (BEV) als auch die neuere Range-Extender-Version (EREV). Der Kundendienst von XPeng führt die Störung auf eine „Überhitzung des Luftfederventilators“ zurück und empfiehlt: „Anhalten und abkühlen lassen“. Die Meldung im Cockpit lautet „Luftfederkompressor zu heiß, Anpassung nicht möglich“. Laut Berichten chinesischer Automobilportale und Nutzerbeschwerden auf der Plattform „Chezhiwang“ (车质网, eine chinesische Verbraucherbeschwerde-Plattform ähnlich der deutschen Pannenstatistik) ist dies kein Einzelfall.
Doch das Problem ist komplexer. Bei einem Fahrzeug mit nur 1.552 Kilometern Laufleistung traten gleich zwei Defekte auf – nach einer Reparatur erneut bei 2.500 Kilometern. Die Werkstattdiagnose ergab einen Kurzschluss im Inverter des Elektromotors sowie eine durchgebrannte Sicherung. Dies deutet auf ein elektrisches Sicherheitsrisiko in der Hochvolt-Architektur hin, nicht nur auf eine Überlastung des Kompressors.
Elektrik-Schäden: Mehr als nur ein Kompressor
Bereits im Juli 2024 häuften sich Berichte über Luftfederprobleme beim X9. XPeng brachte daraufhin Ende 2024 ein Facelift und die EREV-Version auf den Markt. Doch die identischen Störungen im Juli 2025 legen einen grundlegenden Konstruktionsfehler nahe. Der Preis des X9 liegt in China zwischen ca. 44.800 € (ca. 350.000 Yuan) und ca. 51.200 € (ca. 400.000 Yuan) – für diese Preisklasse erwarten Kunden höchste Zuverlässigkeit.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Die offizielle Erklärung von XPeng – der Kompressor schütze sich thermisch – kann den beobachteten „Karosserieeinbruch“ nicht erklären. Ein reiner Überhitzungsschutz würde das Fahrzeug nicht absacken lassen, sondern lediglich die Höhenverstellung sperren. Der Druckverlust im System deutet auf einen mechanischen Defekt oder ein Leck hin. Noch schwerwiegender sind die gefundenen Inverter-Kurzschlüsse und durchgebrannten Sicherungen: Hier besteht potenzielle Brandgefahr im laufenden Betrieb.
Marktposition: Mittelfeld mit dünner Toleranz
Laut öffentlichen Verkaufszahlen verkaufte XPeng vom X9 im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 13.324 Einheiten. Damit liegt das MPV in China im Segment der großen Elektro-MPVs im Mittelfeld – hinter Konkurrenten wie Denza D9, Wey High Mountain oder Voyah Dreamer. Die Käufergruppe (hochwertige Geschäftskunden oder Familien) legt extremen Wert auf Zuverlässigkeit. Wiederholte Ausfälle können das Markenimage nachhaltig schädigen.
Besonders problematisch: In Einzelfällen verweigerten Werkstätten die schriftliche Bestätigung von Diagnoseergebnissen, um Ansprüche nach dem chinesischen Gewährleistungsgesetz („Three Guarantees“) zu umgehen. XPeng selbst hat sich bislang nicht offiziell zu den Vorfällen geäußert – eine Taktik, die das Vertrauen der Kunden weiter untergräbt.
XPeng ist in Deutschland mit Modellen wie dem G9 und P7 vertreten, der X9 wird hierzulande nicht offiziell angeboten. Eine Europa-Einführung des X9 ist bislang nicht bestätigt.


