Leapmotor LEAP 5.0: 48-Volt-Bordnetz und 206-kW-Hybrid
Am 16. September 2026 hat Leapmotor (零跑) auf seinem Techniktag in China unter dem Motto „Zuversicht" die neue LEAP-5.0-Architektur sowie drei Kerntechnologien vorgestellt. Die Marke lieferte im August 2026 weltweit 103.129 Fahrzeuge aus und liegt damit nach eigenen Angaben auf Platz drei der chinesischen und Platz vier der globalen Elektroauto-Marken. Ein klassischer Modell-Marktstart mit Preis blieb aus — dafür gab es einen Ausblick auf die zweite Marke, die 2027 debütieren soll.
LEAP 5.0: eine Architektur, zwei Ebenen
Leapmotor unterteilt LEAP 5.0 in eine physische und eine elektronische Ebene. Die physische „5.0 New Mobility Space" soll über 100 % „Raumausbeute" erreichen — gedacht als flexibel kombinierbarer Innenraum statt festem Grundriss.
- Längs: integrierte Klimaanlage und Heckantriebs-Layout; 18 % weniger Bauteile, 34 % weniger Längsraumbedarf, 30 % weniger Leitungen, 3 dB leiser. Innenraumlänge rund 4.400 mm — etwa 700 mm mehr als die Klasse.
- Quer: stehende Dämpfer und Alu-Druckguss-Federbeine; Frontbreite rund 1.100 mm, 37,5 % mehr Beinfreiheit vorn.
- Hoch: ebener Niedrigboden (minus 70 mm) und integriertes Stehdach (plus 800 mm); 63,7 % mehr Innenhöhe — ein aufrecht stehender „Loft"-Raum.
- Thermomanagement: 14-Wege-Ventil, Bauteile von 69 auf 21 reduziert, 18 kW Heizleistung im Winter (laut Hersteller 20 % vor der Konkurrenz).
Die elektronische Ebene, die zentrale Domänensteuerung „Four-Leaf-Clover 5.0", setzt auf ein vollständiges 48-Volt-Bordnetz und senkt das Gewicht der Verkabelung um 50 %. Ein durchgängiges, asymmetrisches Ethernet überträgt Video- und Steuerdaten über eine einzige Leitung (10 Gbit abwärts, 100 Mbit aufwärts). Ein sogenanntes AgentOS verteilt Aufgaben zwischen Fahrzeug und Cloud — Kernfunktionen bleiben für niedrige Latenz und Datenschutz an Bord.
Weltmodell-Assistenz LWM
Leapmotor nennt sein neues Fahrassistenzsystem „LWM" (Leapmotor World Model). Es verzichtet nach Herstellerangaben bewusst auf eine BEV-Wahrnehmung und auf klassische Regelcode-Logik; der Lidar dient nur als Sicherheitsredundanz. Ein Cloud-Basis-Weltmodell wird mit großen Datenmengen trainiert, ein Echtzeit-Weltmodell an Bord nutzt Navigations- und Fahrzeugdaten für Entscheidungen.
- Deploybar auf 200, 640 und 1.280 TOPS Rechenleistung
- Regeln nur noch als Rückfalllösung (z. B. Ampeln) — rund 90 % weniger Code
- Cloud-Modell ermöglicht Lernen über ganze Flotten
- Bis Ende August über 300.000 Fahrzeuge mit Lidar und High-End-ADAS-Chip ausgeliefert
- Kostenloses Upgrade auf Weltmodell-ADAS für 350.000 Lidar-Fahrzeuge, für alle Lidar-Kunden lebenslang kostenlos
MM-i: Einstieg in den Plug-in-Hybrid
Mit dem MM-i-Multimode-Hybridantrieb steigt Leapmotor in das Plug-in-Hybrid-Segment (PHEV) ein. Durch die Dauer-Nutzung des Generators, eine koaxiale Doppelkupplung und intelligente Doppelmotoren-Steuerung ist der Antrieb laut Hersteller 40 % leichter, 28 % kräftiger und 25 % kompakter als vergleichbare Plug-in-Hybride.
- Spitzenleistung 206 kW (28 % über der Klasse)
- Gewicht nur 106 kg; Leistungsdichte 1,94 kW/kg
- Vier Fahrmodi (elektrisch, Serie, Parallel, Direktantrieb), neun Betriebsarten
- Schaltzeit von 400 ms auf 150 ms verkürzt
- Antriebseffizienz 91,5 %, Generatoreffizienz 94,4 %
- Passend von A0- bis D-Klasse
Damit ist Leapmotor nun in allen Antriebsarten aufgestellt: rein elektrisch (BEV), Range-Extender (EREV) und Plug-in-Hybrid (PHEV).
CTC 3.0: Batterie ohne 12-Volt-Block
Die CTC-3.0-Batterie (Cell-to-Chassis) integriert erstmals die klassische 12-Volt-Batterie ins große Antriebspaket und ersetzt den jahrzehntealten separaten Niedervolt-Akku. Leapmotor verspricht standardisierte Zellen, höhere Qualität und eine siebenfach höhere Niedervolt-Kapazität — bei lebenslanger Wartungsfreiheit.
- Einsparung bei Wartung und Unterhalt: über ca. 300 € (ca. 2.000 Yuan)*
- Lebenslange Batteriegarantie für Erstbesitzer
- CTC-Patente werden quelloffen der gesamten Branche bereitgestellt
- Bisher über 1 Million Fahrzeuge mit CTC-Technologie ausgeliefert
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Zahlen, Fabriken, Partner
Leapmotor betont seine Fertigungstiefe: 18 Komponentenwerke, 65 % der Fahrzeugkosten in eigener Hand und eine Plattform-Gleichteile-Rate von 90 %. Rund 9.500 Ingenieure arbeiten an der Technik. Der Konzern weist seit drei Halbjahren in Folge einen Gewinn aus; im ersten Halbjahr 2026 lag der Nettogewinn bei ca. 26,9 Mio. € (ca. 210 Mio. Yuan).
- August 2026: 103.129 Auslieferungen weltweit
- Kumuliert knapp 1,8 Millionen Fahrzeuge; 10 Baureihen von A0 bis D
- Über 50 Milliarden Kilometer Nutzer-Laufleistung
- Batterien von 28,4 bis 115 kWh; Kapazität 1,5 Millionen Pakete pro Jahr
- E-Antriebe: 841 Patente, 2 Millionen Einheiten pro Jahr; Steuergeräte 1,5 Millionen pro Jahr
- Technologie wird an Partner wie FAW und Stellantis geliefert
Zweite Marke und Roboter
Auf dem Techniktag bestätigte Leapmotor, dass die zweite Marke des Unternehmens 2027 mit einem neuen Produkt debütieren wird. Zudem zeigte der Hersteller Fortschritte bei humanoiden Robotern, ohne ein Serienmodell zu präsentieren. Gründer Zhu Jiangming sagte, ein Roboter, den man nur spazieren führen könne, sei keine Leistung — „ein Roboter, der Geld verdient", dagegen schon. Man suche ein Anwendungsszenario mit echter Skalierung und kommerziellem Wert.
In Deutschland
Leapmotor ist in den Niederlanden, Frankreich, Belgien und weiteren europäischen Ländern erhältlich, jedoch noch nicht offiziell in Deutschland. Das Joint Venture Leapmotor International (mit Stellantis) vertreibt seit Ende 2024 Fahrzeuge in Europa, darunter den T03 und den C10. Ein offizieller Marktstart in Deutschland ist bislang nicht bestätigt.

