XPeng X9: Totalschaden, aber kein Airbag zündet
Ein XPeng X9 (小鹏) in China ist nach einem Unfall wirtschaftlicher Totalschaden — ohne dass auch nur ein Airbag ausgelöst wurde. Der Crash ereignete sich am 15. Oktober, der Halter hatte den siebensitzigen Elektro-Van nach eigenen Angaben zwei Jahre zuvor für knapp 500.000 Yuan (ca. 64.000 €) gekauft. Verletzt wurde niemand, die Versicherung stufte das Fahrzeug als nicht reparierbar ein.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Der genannte Kaufpreis liegt über dem offiziellen Listenpreis der Baureihe (siehe unten); der Halter spricht von einem Preis inklusive Ausstattung. Nach seiner Schilderung touchierte der X9 am 15. Oktober einen Bordstein, verlor die Kontrolle, prallte gegen einen Straßenbaum und einen Strommast und überschlug sich. Die Front wurde schwer eingedrückt.
Airbags blieben stumm
Für den Halter ist der eigentliche Ärger, dass die Airbags selbst bei einem solchen Schaden nicht zündeten. Er hat ein unabhängiges Gutachten verlangt. XPeng hat auf Anfrage der Wirtschaftsagentur Jiemian Stellung genommen: Telemetrie- und Videodaten zeigten, dass der Wagen im manuellen Fahrmodus unterwegs war und der Fahrer vor dem Aufprall weiter Gas gab und scharf lenkte. Nach Auswertung des Herstellers wurde die Auslöseschwelle der Airbag-Sensorik nicht erreicht. Man wolle das Drittgutachten unterstützen.
Für deutsche Leser ist das der heikle Punkt: Airbag-Steuergeräte arbeiten mit Beschleunigungs- und Verzögerungsprofilen, nicht mit dem Schadensbild. Ein optisch schwer zerstörtes Auto kann rechnerisch einen Auslösefall verfehlen — etwa bei mehreren aufeinanderfolgenden, seitlich gerichteten Stößen. Ob das hier zutrifft, kann nur ein Gutachten klären. Ein Euro-NCAP-Ergebnis für den X9 liegt nicht vor.
Das ist der X9
Der X9 ist XPengs erster Van und das bislang teuerste Serienmodell der Marke. Er startete am 1. Januar 2024 als rein elektrischer Siebensitzer (BEV) in vier Ausführungen:
- Preis damals: ca. 46.100 bis 53.700 € (ca. 359.800 bis 419.800 Yuan)
- Im November 2024 folgte der X9 EREV (Range-Extender-Elektrofahrzeug, Elektromotor mit Verbrenner als Generator) in den Versionen Max und Ultra für ca. 39.700 € (ca. 309.800 Yuan) bzw. ca. 42.200 € (ca. 329.800 Yuan)
Rückruf und Qualitätsprobleme
Der X9 hat in diesem Jahr auch andere Qualitätsprobleme gemacht. Im Juni meldete XPeng weltweit mehr als 60.000 ausgelieferte X9. Etwa zeitgleich berichteten Besitzer von plötzlichen Ausfällen der Luftfederung bei Hitze — einseitig oder mit absinkendem ganzen Aufbau. XPeng entschuldigte sich und startete einen Rückruf. Am 15. Juli verlängerte XPeng die Garantie auf das vordere Luftfedersystem für betroffene X9 auf 8 Jahre oder 160.000 km, unabhängig vom Halterwechsel.
Am 24. Juli veröffentlichte die chinesische Marktaufsicht SAMR einen Rückruf von XPeng für 33.473 X9, produziert zwischen 8. August 2023 und 11. August 2025. Grund: Fertigungstoleranzen können bei Hitze und Feuchtigkeit zu langsamem Druckverlust führen, Warnleuchten auslösen und in Extremfällen das Fahrverhalten beeinträchtigen. XPeng tauscht die vorderen Luftfederbeine kostenlos. Von Januar bis September 2025 wurden in China 15.805 XPeng X9 verkauft — für einen Van dieser Preisklasse ein solides, aber kein herausragendes Ergebnis.
In Deutschland
XPeng ist in Deutschland mit den Modellen G6 und G9 vertreten, der X9 wird hierzulande bislang nicht angeboten. Ein Europa-Start des Van ist nicht bestätigt, eine EU-Typgenehmigung liegt nicht vor. Ein Euro-NCAP-Ergebnis für den X9 gibt es ebenfalls nicht. Ob und wann der Siebensitzer nach Deutschland kommt, ist offen.

