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Li AutoSinaVon 3 Min. Lesezeit

Li Auto vs. HIMA: Zwei KI-Philosophien fürs Auto-Cockpit

Li Auto und HIMA liefern sich auf der Peking Auto Show einen Wettkampf um die smarte Innenraum-KI. Während HIMA auf einen cloudbasierten Befehlsverteiler setzt, verfolgt Li Auto mit dem Li L9 Livis den „physischen Gesamt-Assistenten“ – ein strategischer Richtungsstreit.

Li Auto vs. HIMA: Zwei KI-Philosophien fürs Auto-Cockpit

Li Auto vs. HIMA: Zwei KI-Philosophien fürs Auto-Cockpit

Die Peking Auto Show stand ganz im Zeichen von Künstlicher Intelligenz. Doch der Fokus verschiebt sich: Vom autonomen Fahren hin zum intelligenten Cockpit. Nicht länger Bildschirmgröße oder Entertainment sind entscheidend, sondern die Frage, wer das Auto zu einem „Agenten“ macht – einem System, das wahrnimmt, entscheidet und eigenständig handelt.

Auf den ersten Blick treffen hier die chinesischen EV-Startups (NIO, XPeng, Li Auto u. a.) erneut auf den Tech-Giganten HIMA (Harmony Intelligent Mobility Alliance). Li Auto (理想) setzt besonders hoch auf KI: Der neue Flaggschiff-Li L9 trägt den Zusatz „Livis“ – den Agenten direkt im Namen. HIMA dagegen bringt seine gesamte Ökosystem-Stärke ein.

Zwei Architekturen: „Kommandoturm“ versus „Alleskönner“

HIMAs neue MoLA 2.0-Architektur folgt dem klassischen „Gehirn + Kleinhirn“-Konzept. Ein Cloud-Gehirn (systemweiter Agent) fungiert als Kommandoturm, der Aufgaben versteht, zerlegt und an spezialisierte Bereichs-Agenten delegiert – Navigation, Fahrzeugsteuerung etc. Diese klare Trennung macht das HIMA-Cockpit zu einer Verteilerplattform für Dienste, die Drittanbieter leicht integrieren können.

Li Autos StreamingClaw-Architektur dagegen geht den schwereren Weg eines „Ende-zu-Ende“-Kreislaufs: Sensorströme wie Video und Audio fließen in Echtzeit herein, müssen sofort verarbeitet werden. Zur Bewältigung setzt Li Auto auf einen „selbstplanenden“ Multi-Agenten. Der Haupt-Agent ist dabei nicht nur ein Router, sondern beteiligt sich aktiv an Wahrnehmung und Entscheidung – das Cockpit wird zum „verkörperten Wesen“.

Pfadabhängigkeit: Entwicklungs-DNA aus dem Autonomen Fahren

Interessant ist, dass sich die Architekturunterschiede im Cockpit mit denen im autonomen Fahren decken. Li Auto verfolgt bei seinen Fahrassistenzsystemen (ADAS) den end-to-end-Ansatz mit einer VLA (Vision-Language-Action)-Modellstruktur – räumliche Wahrnehmung, Sprache und Handlungsentscheidung in einem Rahmen. Bis 2026 soll daraus ein universeller KI-Agent für die physische Welt entstehen. HIMA nutzt dagegen eine „Weltmodell“-Strategie: Die KI simuliert Szenarien virtuell, ermittelt die optimale Aktion und gibt sie an die Hardware weiter – eine Sicherheitsarchitektur durch Simulation.

Beide Lager stecken tief in ihren selbst geschaffenen Denkmustern und sunk costs. Ein Richtungswechsel wäre extrem teuer. Der Wettkampf wird zur unumkehrbaren Wette.

Zeitfenster und Ökosystem-Lock-In

HIMA hat ein riesiges Polster: Über eine Milliarde Geräte im Harmony-Ökosystem. Selbst wenn der KI-Agent im Auto nicht sofort durchschlägt, federt die breite Basis das Risiko ab. Außerdem läuft das HIMA-Cockpit bereits in Dutzenden Modellen.

Li Auto dagegen setzt alles auf eine Karte: KI als Kernmarke. Sollte der Agent als „unnötiger Gimmick“ empfunden werden, drohen massive Fehlinvestitionen. Firmenchef Li Xiang beschwört die Vision eines „Auto-Roboters“, der selbstständig lädt und wäscht – den Musterschüler L9 Livis darf es nicht verbocken.

Doch Li Auto hat eine Chance: Sie wollen die Tiefe physischer Intelligenz entwickeln, bevor HIMA von der Breite zur Tiefe vorstößt. Nutzer sollen zuerst den Wert eines „ganzheitlichen Fahrzeug-Agenten“ erfahren – und diesen als unverwechselbar wahrnehmen. Gewinnt HIMA jedoch schneller die gleiche Tiefe, nivelliert die Skalierung den Vorsprung.

Es ist kein Zweikampf, sondern ein Rennen aller KI-bauenden Newcomer gegen die Zeit. Der Kampf um den intelligenten Innenraum beginnt gerade erst.


In Deutschland nicht erhältlich

Li Auto hat bislang keine offiziellen Pläne für eine Expansion nach Europa bekannt gegeben. Das Unternehmen konzentriert sich auf den chinesischen Markt.

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