China EV News
Zurück
Li AutoSinaVon 3 Min. Lesezeit

KI-Cockpit: So will Li Auto HIMA mit neuer Architektur schlagen

Auf der Peking Auto Show liefern sich Li Auto und HIMA einen Wettstreit um den besten KI-Agenten im Auto. Li Auto setzt auf eine End-to-End-Architektur, HIMA auf ein Cloud-Brain – mit unterschiedlichen Strategien für Europas Markt.

KI-Cockpit: So will Li Auto HIMA mit neuer Architektur schlagen

Die Peking Auto Show (eine der größten Automessen der Welt) stand ganz im Zeichen der künstlichen Intelligenz – doch der Fokus wanderte vom autonomen Fahren (ADAS) hin zum intelligenten Cockpit. Nicht mehr Bildschirmgrößen oder Unterhaltungsangebote sind das Alleinstellungsmerkmal, sondern die Frage, wer dem Fahrzeug einen echten KI-Agenten einhaucht: ein System, das Umgebung erfasst, Entscheidungen trifft und proaktiv handelt.

Hinter dem Hype stehen zwei tiefgreifend unterschiedliche technische Philosophien: Li Auto (理想) und HIMA (Harmony Intelligent Mobility Alliance, 鸿蒙智行) verfolgen komplett eigene Wege, ihr Cockpit zur Kommandozentrale zu machen.

Technik-Vergleich: Cloud-Brain vs. StreamingClaw

HIMA setzt auf die MoLA 2.0-Architektur. Das cloudbasierte „Gehirn" fungiert als Kommandozentrale, zerlegt komplexe Aufgaben und delegiert sie an spezialisierte Module – etwa Navigation oder Fahrzeugsteuerung. Dieses Schichtenmodell macht das Cockpit zu einer offenen Service-Plattform, die auch Drittanbieter integrieren kann.

Li Auto verfolgt mit seiner StreamingClaw-Architektur einen End-to-End-Ansatz: Ein durchgehender Kreislauf aus Echtzeit-Sensorik, Entscheidung und Ausführung. Der Haupt-Agent ist nicht nur Aufgabenverteiler, sondern greift aktiv in die Wahrnehmung ein – das Fahrzeug wird zu einer physisch handelnden Einheit. Bei dieser Architektur müssen Videodaten, Audiosignale und Sensordaten in Echtzeit verarbeitet werden, da Informationen sonst verloren gehen. Li Auto hat dafür ein Multi-Agenten-System mit „Self-Scheduling" entwickelt.

Während HIMA also einen effizienten Task-Scheduler baut, will Li Auto das gesamte Auto zu einem intelligenten Ganzen schmieden. Das zeigt sich auch in der Hardware: Der Li Auto L9 nutzt zwei qualitativ hochwertige Cockpit-Chips (Qualcomm Snapdragon 8295, insgesamt über 60 TOPS Rechenleistung) und eine hauseigene 3D-Benutzeroberfläche, die Sprache und Gestik kombiniert. HIMA hingegen setzt auf den Kirin 990A und ein cloudbasiertes Sprachmodell.

Strategie: Zeitdruck und Ökosystem

Beide Unternehmen folgen ihren etablierten Entwicklungsmustern: HIMA überträgt seine aus dem autonomen Fahren bekannte Weltmodell-Simulation („Generieren-Suchen-Vorhersage") auf das Cockpit. Li Auto hingegen überführt die End-to-End- sowie VLA-Ansätze (Vision-Language-Action) aus der Fahrassistenz direkt in sein KI-System Livis. CEO Li Xiang prägte dafür das Bild eines „Roboters auf Rädern, der sich selbst lädt und wäscht" – der L9 mit Livis ist der erste Schritt dazu.

Doch die Risiken sind ungleich verteilt: HIMA steht mit über zehn Milliarden vernetzten Geräten auf einer breiten Basis. Selbst wenn der Auto-Agent nicht sofort einschlägt, absorbiert das Ökosystem die Kosten. Li Auto dagegen hat alles auf eine Karte gesetzt: Der KI-Agent soll zur Marken-DNA werden. Gelingt der Durchbruch nicht vor dem Zeitpunkt, an dem HIMA eine ähnliche Tiefe erreicht, droht die Differenzierung zu verschwinden.

Der Wettlauf ist eine Wette auf die Zeit. Li Auto muss schnell eine überlegene, physisch greifbare Agent-Erfahrung bieten, bevor HIMAs Ökosystem diesen Vorsprung einebnet. Denn eines sei klar, so Analysten: „Im direkten Vergleich kann Li Auto HIMA nicht schlagen – aber es kann in den Bereichen, in denen physische Interaktion zählt, einen deutlichen Vorsprung aufbauen."

Das Rennen um den intelligenten Assistenten im Auto hat gerade erst begonnen. Die Peking Auto Show lieferte den Auftakt – und die Richtung, in die sich die Premium-Cockpits entwickeln, ist nun absehbar.


Weder Li Auto (理想) noch HIMA (鸿蒙智行) bieten ihre KI-Cockpit-Lösungen derzeit offiziell in Europa an. Ein Marktstart des Li Auto L9 in Deutschland wird frühestens für 2026 erwartet, und auch die HIMA-Modelle (z. B. AITO) sind hier noch nicht verfügbar. Die gezeigte Technik gibt aber einen Vorgeschmack auf die nächste Generation chinesischer Premium-Elektroautos.

Li AutoElektroauto