Chery: Chinas Export-Marktführer plant Europa-Offensive
Während der chinesische Automarkt 2025 einen historischen Einbruch erlebt – Neuzulassungen im ersten Halbjahr rund 19 % unter Vorjahr, die Branchenmarge von 7,8 % (2017) auf etwa 3,4 % geschrumpft –, zeigt sich Chery (奇瑞) als Stabilitätsanker: Fast 50 % des Umsatzes stammen aus dem Ausland. Das Unternehmen betreibt Fertigungsstätten in mehreren Weltregionen und treibt die Lokalisierung voran.
Diese Strategie wurde auf einer geschlossenen Fachtagung der Business School der Peking-Universität (NSD) Mitte Juli in Peking diskutiert. Unter dem Titel „KI, Internationalisierung und die zweite Kurve des Unternehmens“ analysierten Experten die strukturellen Verschiebungen der Branche.
Export als zweites Standbein
Der ehemalige stellvertretende Direktor des staatlichen Informationszentrums Xu Changming betonte, dass der Export den Binnenmarkt kompensiert: Chinas Fahrzeugausfuhren kletterten von einer Million Einheiten (2020) auf rund sieben Millionen (2024) und legten in den ersten fünf Monaten 2025 um weitere 65 % zu. Erstmals überstiegen die Exporte von Elektroautos im Juni jene von Verbrennern.
China-Modelle hätten in Märkten wie Thailand, Chile, Australien, Südafrika und Russland binnen zwei bis drei Jahren Marktanteile von 60 % erreicht. „Das ist wettbewerbsgetrieben, nicht Dumping“, so Xu. Chery steht exemplarisch für diesen Wandel vom reinen Export zur echten Globalisierung mit lokaler Produktion.
L3-Autonomie als nächster Schritt
Ein weiterer Schlüsselsatz der Tagung: „Der wahre Drache ist vielleicht noch nicht am Tisch.“ Peng Yicheng, Chef von D1EV und Gründer der chinesischen Autonomous-Driving-Challenge, wies darauf hin, dass bis Juli 2026 die chinesische L3-Regulierung in Kraft tritt – dann geht die Haftung bei Übernahmeaufforderungen mit 10 Sekunden Vorlauf auf das System über. Die Top-3 der urbanen NOA-Anbieter (Huawei, Tesla, Drittanbieter) kommen zusammen auf unter 50 % Marktanteil. Chery selbst treibt eigene ADAS-Lösungen voran, ist aber kein reiner Erstausrüster – der Hersteller setzt auf Partnerschaften.
«Die Eintrittskarte für intelligentes Fahren wird in den nächsten drei Jahren dramatisch teurer», warnte Peng. «Die meisten Teilnehmer werden aus dem Markt ausscheiden, zurück bleiben Unternehmen mit echter Daten- und Modellkompetenz.»
Vom Preiskampf zur Wertschöpfung
Der Finanzautor Wen Yifei stellte ein Vier-Felder-Schema vor: Unternehmen, die sowohl KI als auch Internationalisierung nutzen, wachsen im Schnitt über 30 %, während die breite Industrie nur 2 % schafft. Chery gehört zu den Gewinnern. Die Kehrseite: Die neue Wachstumsdynamik erfasst nur knapp 20 % der Arbeitsplätze – 80 % kämpfen im Inland um schrumpfende Margen. Hier müsse die Verteilungsmechanik nachjustiert werden.
«Die Industrieupgrades sind Schritt für Schritt richtig, aber die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern öffnet sich rasant. Das erklärt die schwache Binnennachfrage.»
In der Diskussion wurde klar, dass traditionelle OEMs wie Chery vor einer „genetischen Revolution“ stehen, um im KI-Zeitalter mitzuhalten. Peng Yicheng warnte: «Stellt euch die Endszene nicht mit dem heutigen Tableau vor – der wahre Drache ist vielleicht noch nicht aufgestanden.»
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
In Deutschland
Chery plant mit der Marke Omoda eine Expansion nach Europa. Die Marke soll als erster Schritt in den deutschen und europäischen Markt dienen. Ein genauer Marktstart steht noch nicht fest.


