Li Auto L9 Li: 1.100 km Reichweite mit eigenem KI-Agenten
Auf der Auto China 2025 in Peking (April 2025) hat Li Auto (理想) den überarbeiteten L9 Li vorgestellt – ein Range-Extender-Elektrofahrzeug (EREV), das erstmals einen vollintegrierten KI-Agenten auf Basis der StreamingClaw-Architektur mitbringt. Der Namenszusatz „Li“ steht dabei explizit für den digitalen Assistenten, der das gesamte Fahrzeug als physische Einheit wahrnehmen und steuern soll. Damit tritt Li Auto gegen Huawei und dessen HarmonyOS-Ökosystem an, das auf der gleichen Messe mit MoLA 2.0 eine andere Agent-Philosophie präsentierte.
Daten zum Li Auto L9 Li
- Antrieb: Range Extender (EREV) – 1,5-Liter-Turbobenziner + zwei Elektromotoren
- Systemleistung: 330 kW (449 PS), 0–100 km/h in 5,3 Sekunden
- Batterie: 42,6 kWh (nutzbar), NMC
- Reine Elektro-Reichweite: 215 km (CLTC) — entspricht ca. 183 km (WLTP-Schätzwert)
- Gesamtreichweite: 1.100 km (CLTC) — entspricht ca. 935 km (WLTP-Schätzwert)*
- Ladeleistung: bis zu 60 kW (DC), 11 kW (AC)
- Preis in China: 42,98 万元 (ca. 55.000 €) bis 45,98 万元 (ca. 59.000 €)
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen. CLTC (chinesischer Verbrauchszyklus) ist typischerweise 10–15 % optimistischer als WLTP; die WLTP-Schätzwerte sind entsprechend reduziert.
Zwei Architekturen, zwei Welten
Li Auto setzt mit StreamingClaw auf eine End-to-End-Architektur: Der Haupt-Agent verarbeitet Sensorströme (Video, Audio) in Echtzeit und beteiligt sich aktiv an Wahrnehmung und Entscheidung. Ziel ist ein „verkörperter Agent“, der das gesamte Fahrzeug als Einheit steuert. Huawei hingegen verfolgt mit MoLA 2.0 eine klassische „Gehirn+Kleinhirn“-Struktur: Ein cloudbasiertes System zerlegt komplexe Aufgaben und delegiert sie an spezialisierte Sub-Agenten. Der Unterschied spiegelt sich auch in den Fahrassistenzsystemen wider: Li Auto setzt auf End-to-End und VLA (Vision-Language-Action), Huawei auf Weltmodelle und Simulation.
Zeitfenster für Li Auto
Während Huawei mit über 10 Milliarden HarmonyOS-Geräten ein breites Ökosystem abdeckt, konzentriert Li Auto seine Wette auf den KI-Agenten als Kernmarke. Sollte sich der Agent als „Killer-Feature“ erweisen, könnte Li Auto eine Nische besetzen. Das Zeitfenster ist jedoch knapp: Bis 2026 will Li Auto ein einheitliches Großmodell für eine universelle physische KI entwickeln. Gelingt das, könnte der L9 Li den Grundstein für eine neue Ära legen. Andernfalls droht die Differenzierung durch Huaweis Ökosystem-Vorteile aufgesogen zu werden.
Der Li Auto L9 Li wird derzeit nur auf dem chinesischen Markt angeboten. Ein Marktstart in Deutschland ist nicht bestätigt. Li Auto hat jedoch angekündigt, einen möglichen Eintritt in den europäischen Markt zu prüfen – frühestens ab 2027.

