China EV News
Zurück
Li AutoSinaVon 3 Min. Lesezeit

Li Auto L9 Livis: KI-Cockpit-Agent startet 2026 ab 58.900 €

Auf der Auto China 2025 präsentierte Li Auto seinen KI-Cockpit-Agenten Livis im neuen L9. Das End-to-End-System soll ab 2026 in Serie gehen und Huaweis HIMA-Ökosystem herausfordern. Der L9 startet in China bei umgerechnet rund 58.900 €.

Li Auto L9 Livis: KI-Cockpit-Agent startet 2026 ab 58.900 €

**Peking – Auf der Auto China 2025 (Peking Auto Show, eine der größten Automessen der Welt) zeigte Li Auto (理想) erstmals seinen KI-Cockpit-Agenten „Livis“ im neuen Flaggschiff L9. Der Software-Vorstoß überträgt die hauseigene End-to-End-Strategie vom autonomen Fahren auf die Nutzerinteraktion: Statt nur Kommandos auszuführen, soll das System eigenständig Handlungen vorschlagen und ausführen – ein „verkörperter“ Agent. Der L9 Livis startet in China ab 459.800 Yuan (ca. 58.900 €)*, die neue Cockpit-Plattform soll ab dem Modelljahr 2026 in allen neuen Li-Auto-Modellen verfügbar sein.

Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.

Zwei Architekturen: StreamingClaw vs. MoLA 2.0

Li Autos Livis setzt auf die StreamingClaw-Architektur – eine Echtzeit-Pipeline, die Sensor- und Audiodaten ohne Zwischenspeicherung verarbeitet. Der zentrale Agent übernimmt dabei nicht nur die Befehlsverteilung, sondern auch die Wahrnehmung und Entscheidung. Ziel ist ein einheitlicher „Körper-Geist“-Organismus.

HIMA (Harmony Intelligent Mobility Alliance, 鸿蒙智行), Huawei-Tochter im Automobilsektor, vertraut dagegen auf MoLA 2.0 – eine klassische „Großhirn-Kleinhirn“-Struktur mit Cloud-basiertem Kommandozentrum. Ein System-Agent in der Cloud zerlegt Aufgaben und delegiert sie an spezialisierte Unter-Agenten (Navigation, Klima, Medien). Das erleichtert die Einbindung von Drittanbietern und passt zu Huaweis Ökosystem-Denken.

Die Entscheidung für eine Architektur ist kein Zufall: Li Auto überträgt seine VLA-Strategie (Vision-Language-Action) aus dem autonomen Fahren direkt auf das Cockpit. Huaweis Fahrassistenzsystem (ADAS) nutzt dagegen World Models – Simulationen, die Millionen von Szenarien in der Cloud durchspielen, bevor die optimale Aktion ans Fahrzeug gesendet wird.

Zeitfenster der Entscheidung

Das Risiko ist ungleich verteilt. HIMA hat nach eigenen Angaben bereits über eine Milliarde vernetzte Geräte im Huawei-Universum. Selbst wenn der Auto-Agent anfangs verhalten aufgenommen wird, federt das Ökosystem den Misserfolg ab. Li Auto dagegen setzt AI als Kern der Markenidentität – der L9 Livis ist Teil einer Vision vom „autonom ladenden, selbstfahrenden Roboterfahrzeug“. Fällt die Akzeptanz gering aus, stehen die hohen Investitionen in die End-to-End-Entwicklung auf dem Spiel.

Li Auto kann jedoch einen zeitlichen Vorsprung nutzen. Die ersten Kunden sollen bereits 2026 die Livis-Funktionen erleben, bevor HIMA eine ähnlich tiefe Integration in alle Fahrzeuge bringen kann. Gelingt es dem Unternehmen, möglichst schnell eine starke Markenwahrnehmung für den „Gesamtfahrzeug-Agenten“ aufzubauen, könnte die Zeitlücke zur dauerhaften Differenzierung werden. Allerdings wird HIMA mit seinem breiten Partnernetzwerk (darunter AITO (问界), Luxeed, Stelato, Maextro) und der Skalierbarkeit seiner Plattform voraussichtlich rasch aufholen – dann droht Li Autos Vorsprung zu schmelzen.

Der Wettbewerb zwischen Li Auto und HIMA ist kein Zweikampf mehr, sondern ein Symbol für den generellen Trend aller chinesischen EV-Startups (新势力), die auf selbst entwickelte KI setzen. Der Kampf um das intelligente Cockpit hat gerade erst begonnen – und wird sich in den kommenden Modellzyklen entscheiden.


Li Auto ist bislang nicht offiziell in Deutschland vertreten. Modelle wie der L9 Livis werden ausschließlich in China verkauft. Ein Marktstart in Europa ist frühestens für 2027/28 im Gespräch, abhängig von regulatorischen Hürden und einem eigenen Vertriebsnetz. HIMA-Partner wie AITO und Luxeed sind dagegen bereits in Einzelfällen als Grey Import nach Deutschland gelangt.

Li Auto