Volvo XC70 PHEV startet in China ab 34.500 €
Volvo hat den neuen XC70 als Plug-in-Hybrid (PHEV) in China vorgestellt. Es ist das erste Serienmodell auf der neuen SMA-Super-Hybrid-Architektur (SMA steht für Super Hybrid Architecture, eine Plattform mit großem Akku und drei E-Motoren). Der getestete Wagen ist die Ausstattungsvariante Extended Range mit Allradantrieb, die sich zwischen XC60 und XC90 in der Volvo-Modellpalette einordnet. Die Preise starten bei 269.900 Yuan (ca. 34.500 €) für die Basisversion und reichen bis 349.900 Yuan (ca. 44.800 €) für das Topmodell. Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Exterieur und Abmessungen
Der XC70 ist 4.815 mm lang, 1.890 mm breit und 1.650 mm hoch bei einem Radstand von 2.895 mm – damit liegt er am oberen Ende der chinesischen Mittelklasse-SUVs. Die Front zeigt einen geschlossenen Kühlergrill mit aktiven Luftklappen zur Optimierung von Kühlung und Aerodynamik. Die „Thors Hammer“-Scheinwerfer arbeiten jetzt mit adaptiver Matrix-LED-Technologie. Auffällig: Es gibt keinen Dach-Lidar (Laser-Radar zur Umgebungserfassung), Volvo setzt stattdessen auf Kameras und Radarsensoren – eine kosteneffizientere Lösungsstrategie. Die Radgrößen reichen von 19 bis 21 Zoll. Am Heck prägen vertikale Rückleuchten in „Wikinger-Axt“-Form das Design, womit Volvo global einheitlich bleibt und keine China-spezifischen Akzente setzt.
Interieur und Komfort
Im Innenraum dominiert ein 15,4 Zoll großer Zentral-Touchscreen, kombiniert mit einem 12,3 Zoll großen Digitalcockpit und einem 92 Zoll großen Augmented-Reality-Head-up-Display. Das Infotainment-System unterstützt Vier-Zonen-Spracherkennung und KI-gestützte Routenplanung. Wireless Apple CarPlay ist serienmäßig, die Audio-Anlage kommt von Harman Kardon mit 23 Lautsprechern. Ein besonderes Details ist die versenkbare Mittelkonsole: Sie wechselt zwischen offener Ablage und geschlossener Konfiguration mit Getränkehaltern und maximiert so die Flexibilität. Die Verarbeitung wirkt hochwertig, allerdings könnten Stoffbezüge an häufig berührten Stellen schneller verschleißen als Kunstleder-Alternativen der Konkurrenz. Der Kofferraum ist rund 1,4 Meter breit und ermöglicht Querverladung großer Gegenstände. Eine physische Gepäckabdeckung ist vorhanden – das entspricht den globalen Anforderungen.
Antrieb und Fahrerlebnis
Der XC70 verwendet einen 1,5-Liter-Turbobenziner, der speziell für Hybride ausgelegt ist, kombiniert mit drei E-Motoren (P1+P2+P4). Die Systemleistung liegt je nach Konfiguration zwischen 234 kW und 340 kW; die getestete Version beschleunigt in rund 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Zur Wahl stehen zwei Batteriegrößen:
- 21,2 kWh (netto) mit 116 km Reichweite (CLTC – chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10 bis 15 Prozent höher als WLTP; entspricht ca. 100 km WLTP-Schätzwert)
- 39,6 kWh (netto) mit 212 km Reichweite (CLTC, entspricht ca. 180 km WLTP-Schätzwert)
Das Schnellladen von 0 auf 80 Prozent dauert rund 23 Minuten. Im Fahrbetrieb priorisiert der Antriebsstrang eine nahtlose Drehmomententfaltung: Im rein elektrischen Modus reagiert er direkt, beim Übergang in den Hybridmodus gibt es keine spürbaren Unterbrechungen. Das Fahrwerk ist europäisch abgestimmt – es filtert Straßenunebenheiten moderat, bewahrt aber die Rückmeldung und kontrolliert die Aufbaubewegung. Die Kurvenstabilität ist hoch, das Wanken hält sich angesichts des Fahrzeuggewichts (rund 2,2 Tonnen) in Grenzen. Die Lenkung ist linear und vorhersehbar. Zwei Auffälligkeiten: Das Rekuperationssystem zeigt bei niedrigen Geschwindigkeiten einen nichtlinearen Übergang zur mechanischen Bremse, was eine sanfte Verzögerung erschwert. Und ab etwa 100 km/h ist Windgeräusch im Bereich der A-Säule hörbar – eine nicht vollständig abgedichtete Luftströmung. Der Hybridantrieb bietet mehrere Modi (rein elektrisch, seriell, Direktantrieb), die ohne Zutun des Fahrers umschalten. Zudem gibt es eine externe Stromabgabe von bis zu 6 kW, sodass der Wagen als mobiles Kraftwerk dienen kann.
Konkurrenzumfeld und Fazit
Mit Preisen von 269.900 bis 349.900 Yuan (ca. 34.500 bis 44.800 €) tritt der Volvo XC70 gegen Modelle wie Li Auto L7, AITO M7 oder BYD Tang DM-i an – also gegen starke chinesische Konkurrenz aus den Reihen der EV-Startups und etablierten Hersteller. Er bietet einen größeren Akku als die meisten Plug-in-Hybride und eine global standardisierte Sicherheitsphilosophie. Allerdings erreicht er nicht die Integration von Assistenzsystem-Hardware und Software-Ökosysteme führender chinesischer Wettbewerber. Ein relevanter Hinweis: In China wurden fast 15.000 XC70 wegen eines Halbwellendefekts in Fahrzeugen der ersten Serie zurückgerufen – das zeigt, dass die Plattform zwar neue Technik einführt, die Fertigungskonsistenz aber noch beobachtet werden muss.
Der Volvo XC70 soll nach dem China-Marktstart in mehr als 70 globale Märkte exportiert werden. Ein Verkauf in Europa ist bestätigt. Volvo plant, das Modell auch hierzulande anzubieten – ein konkreter Marktstart für Deutschland steht allerdings noch nicht fest.

