XPeng GX: Lidar ade – doch Pure Vision wird teurer
Der neue XPeng GX (小鹏 GX) kommt ohne Lidar. Auf der Markteinführung erklärte CEO He Xiaopeng: „Im Auto brauchen wir keine Laser-Radare mehr.“ Ein Satz, der die Branche spaltet. Was wie eine simple Kostenersparnis aussieht, entpuppt sich als strategischer Richtungswechsel – mit weitreichenden Folgen für die gesamte Zulieferkette und kleinere Wettbewerber.
Die versteckte Kostenfalle der Pure-Vision-Strategie
Bisher galt: Ein Lidar-Sensor samt Steuerelektronik kostet zwischen 3.000 und 5.000 Yuan (ca. 380–640 €). Bei einem Fahrzeugpreis von 150.000 bis 200.000 Yuan (ca. 19.200–25.600 €) und einer angestrebten Bruttomarge von 15 % macht der Lidar rund 4 % der gesamten Materialkosten (BOM) aus. Durch den Verzicht spart XPeng etwa 1.500 Yuan (ca. 190 €) pro Fahrzeug.
Doch die Rechnung geht nur auf, wenn die Cloud-Infrastruktur schon steht. Ohne Lidar-Daten als „Bodenwahrheit" benötigt das Pure-Vision-System riesige Mengen an Trainingsdaten aus extremen Fahrsituationen (Corner Cases). Der Aufbau eines VLA-Modells (Vision-Language-Action) verschlingt immense Summen für Rechenleistung, Serverparks und Algorithmus-Ingenieure. Laut Xianming Liu, einem XPeng-Manager, setzt das Unternehmen auf „große Rechenleistung, große Modelle, hochdichte Sensorik". Übersetzt: Die Hardware-Einsparung wird durch Cloud-Kosten mehr als aufgefressen.
Vom Autobauer zum Cloud-Kunden
Elon Musks Tesla hat es vorgemacht: Der reine Kamera-Ansatz (FSD) erforderte Milliardeninvestitionen in Supercomputer. Für XPeng bedeutet das: Statt mit traditionellen Zulieferern Preise zu drücken, zahlt das Unternehmen nun Miete an Nvidia, Alibaba Cloud oder Tencent Cloud. Die Kosten für Rechenleistung sind nicht verhandelbar – und steigen mit dem KI-Boom sogar.
„Den Lidar zu streichen ist kein Gewinn für den Cashflow, sondern der Start eines Wettlaufs um Cloud-Rechenleistung", kommentiert ein Branchenanalyst. Wer nicht 100.000+ Fahrzeuge pro Jahr verkauft und keine Milliarden in Rechenzentren investieren kann, hat bei Pure Vision von Anfang an verloren.
Weniger Hardware, weniger Freiheit – die Marktbereinigung beginnt
He Xiaopengs klare Ansage, dass Laser-Radare nur noch in anderen Industrien, nicht aber im Auto nötig seien, richtet sich direkt an die Lidar-Hersteller. Die einst gefeierten Unicorns aus der Hardware-Ära verlieren schlagartig an Bedeutung. Die Wertschöpfung wandert von den Fabriken in Chinas Süden zu den Cloud-Riesen im Silicon Valley.
Am Ende wird die reine Kamera-Strategie die Hürden für Neueinsteiger dramatisch erhöhen. Experten erwarten, dass nur zwei bis drei Hersteller mit komplett eigenen „End-to-End"-KI-Systemen überleben. Der Rest müsste entweder als reine Auftragsfertiger arbeiten oder hohe Lizenzgebühren an die großen Plattformen zahlen – ähnlich wie im Smartphone-Markt.
Fazit: Der XPeng GX zeigt, dass weniger Hardware nicht automatisch günstigeres Fahren bedeutet. Die wahren Kosten liegen in der Cloud – und nur wer sie stemmen kann, wird langfristig bestehen.
In Deutschland
XPeng ist in Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden erhältlich, jedoch noch nicht offiziell in Deutschland. Der Markteintritt ist angekündigt, ein konkreter Termin für den GX steht noch aus.

