NIO erhöht Preise: Bis zu 1.280 € mehr für ES6 und ET5
Die chinesische Automobilbranche erlebt eine paradoxe Entwicklung: Während Verbrenner massiv an Wert verlieren, ziehen die Preise für Elektroautos kräftig an. NIO (蔚来) hat für seine Modelle ES6 und ET5 im April eine Preiserhöhung von 5.000 bis 10.000 Yuan (ca. 640–1.280 €)* durchgesetzt. Auch andere Hersteller wie Xiaomi (SU7) zogen nach – insgesamt über 15 New-Energy-Marken haben ihre Preise im April und Mai angehoben.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Warum der Preisschub?
Der Grund liegt in der Kostenexploration bei Rohstoffen und Speicherchips. Laut dem Analysehaus CITIC Securities verteuern Speicherbauteile ein Fahrzeug um 200 bis 3.000 Yuan (ca. 26–384 €). Lithiumcarbonat schlägt mit rund 3.000 Yuan (ca. 384 €) pro Auto zu Buche, Kupfer und Aluminium mit weiteren 2.000 Yuan (ca. 256 €). Summe allein dieser drei Posten: rund 6.000 Yuan (ca. 768 €) – bei einer durchschnittlichen Gewinnmarge von nur 3,2 Prozent (640 € pro 20.000-Euro-Auto) wird deutlich, warum Hersteller nicht anders können.
Die Rohstoffpreise dürften bis 2028 hoch bleiben: Lithium wird laut UBS bis 2027 bei umgerechnet ca. 20.000 Yuan pro Tonne verharren, Kupfer steigt laut Bankenprognosen weiter, Aluminium könnte laut Bank of America bis Mitte 2027 auf 4.000 US-Dollar pro Tonne klettern. Frühestens 2028 ist mit einer leichten Entspannung zu rechnen.
Verbrenner im Gegenzug mit Rekordrabatten
Während die E-Auto-Preise steigen, erleben Verbrenner einen historischen Preisverfall. Der BMW 3er ist in China ab etwa 200.000 Yuan (ca. 25.600 €) zu haben, der Audi A6L in hoher Ausstattung kostet unter 400.000 Yuan (ca. 51.200 €). Besonders krass: Der VW Sagitar (Jetta) wird zum Festpreis von 79.800 Yuan (ca. 10.200 €) angeboten, der Range Rover Evoque fiel vom Listenpreis 430.000 Yuan auf 240.000 Yuan (ca. 30.720 €) – ein Abschlag von 44 Prozent.
Der Hintergrund: Die Elektroauto-Penetrationsrate in China ist im April auf 61,5 Prozent gestiegen – ein Rekord. Gleichzeitig brachen die Verbrenner-Verkäufe um 37 Prozent ein. Die Hersteller müssen mit drastischen Aktionen gegensteuern.
Sollte man jetzt kaufen?
Wer einen Verbrenner sucht, sollte zuschlagen. Die aktuellen Rabatte sind die besten seit Jahren. Und da die Rohstoffkosten für Kupfer und Aluminium weiter steigen, könnte die Preissenkungswelle bald enden – vor allem, wenn sich die geopolitische Lage im Nahen Osten entspannt und der Ölpreis fällt.
Wer ein E-Auto will, muss sich auf stabile oder leicht steigende Preise bis 2028 einstellen. Wichtiger als der Preis ist aber die Markenwahl: In China hat der Marktkonsolidierungsprozess bereits Fahrt aufgenommen – schwache Hersteller könnten vom Markt verschwinden. NIO (蔚来) gehört mit seinem starken Produktportfolio, dem Batterietauschsystem und der Präsenz in Europa zu den aussichtsreicheren Anbietern.
In Deutschland
NIO ist bereits auf dem deutschen Markt vertreten. Aktuelle Modelle in Deutschland: ET5, ET7, EL6, EL7, EL8.
NIO ist seit 2021 in Europa aktiv und betreibt NIO Houses in München und anderen deutschen Städten.
Aktuelle Preisänderungen in China haben keine direkte Auswirkung auf die deutschen Preise – langfristig könnten jedoch steigende Rohstoffkosten auch hier zu Anpassungen führen.

