BYD: Haftung für City-NOA – 4-nm-Chip mit 2100 TOPS
BYD (比亚迪) hat auf einer Strategieveranstaltung in Shenzhen angekündigt, als erster Automobilhersteller die Haftung für Unfälle zu übernehmen, die bei bestimmungsgemäßer Nutzung des City-NOA-Systems (städtischer Navigationsassistent) entstehen. Die einjährige Garantie gilt ab dem 28. Mai 2025 und soll das größte Hemmnis für die Verbreitung von Fahrassistenzsystemen beseitigen: die diffuse Angst vor Haftungsfragen.
Sicherheitsgarantie für den Stadtpilot
Bislang tragen Hersteller für Fehlfunktionen ihrer Assistenzsysteme nur eine begrenzte Verantwortung. BYD hingegen verspricht, bei Unfällen während der aktiven City-NOA-Nutzung direkt zu regulieren – ein Branchennovum. Das Unternehmen verweist auf eigene Daten: Nach einer ähnlichen Garantie für das autonome Einparken („Intelligent Parking Assist“) stieg die Nutzungsrate von 21 auf 93 Prozent, die Unfallrate sank auf nahezu Null.
Hinter der Haftungszusage steht das selbst entwickelte System DiPilot (天神之眼), an dem mehrere tausend Ingenieure fast drei Jahre gearbeitet haben. BYDs Vorteil: Die hohen Stückzahlen – jährlich werden Millionen Fahrzeuge ausgeliefert – liefern riesige Datenmengen für das Training der Algorithmen und die Absicherung von Grenzfällen (Corner Cases).
Eigener Chip Xuanji A3
Die technische Basis für die ambitionierte Garantie ist die komplette vertikale Integration. BYD hat den Fahrassistenzchip Xuanji A3 (璇玑A3) vorgestellt – den ersten in China entwickelten 4-nm-Chip für den Automobilbereich.
Technische Daten des Xuanji A3:
- Fertigung: 4 nm
- Sicherheitsstufe: ASIL-D (funktionale Sicherheit)
- Rechenleistung: 2100 TOPS (drei Chips pro Fahrzeug)
- Investition: über 12,8 Milliarden € (ca. 100 Milliarden Yuan)
- Ingenieure: über 7.000 Chip-Spezialisten
Der Chip erreicht die funktionale Sicherheitsstufe ASIL-D und kann L3-/L4-Autonomes Fahren unterstützen. Drei Chips pro Fahrzeug liefern eine Gesamtrechenleistung von über 2100 TOPS. BYD verfügt damit über die gesamte Wertschöpfungskette von Chipdesign, Architektur, Layout, Waferfertigung, Packaging und Test – eine Alleinstellung unter den Autoherstellern.
Das Unternehmen baut seit 2002 eigene Chips (damals die IC-Designabteilung, heute BYD Semiconductor) und beschäftigt über 7000 Chip-Ingenieure. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf über 12,8 Milliarden € (ca. 100 Milliarden Yuan). Mit dem Xuanji A3 schließt BYD die letzte Lücke in seiner intelligenten Technologiekette und positioniert sich als voll integrierter Anbieter von Chip bis Algorithmus.
BYD ist mit mehreren Modellen in Deutschland erhältlich (z. B. Atto 3, Seal, Dolphin). Der City-NOA-Dienst und der Chip Xuanji A3 werden voraussichtlich auch in europäischen Fahrzeugen verfügbar sein. BYD hat die Produktion für den europäischen Markt in Ungarn aufgenommen.


