RoboScience sammelt 128 Mio. € – humanoide Roboter für E-Auto-Fabriken
Chinesische E-Auto-Hersteller treiben die Automatisierung ihrer Fabriken massiv voran. Humanoide Roboter halten zunehmend Einzug an den Fließbändern – und die Zulieferbranche boomt. Im Mai 2026 zeigte sich das deutlich: 22 Finanzierungsrunden in der Robotik-Branche, darunter ein Milliarden-Deal für RoboScience.
Den größten Deal sicherte sich RoboScience in der Serie-A-Runde mit umgerechnet ca. 128 Mio. € (ca. 1 Mrd. Yuan). Das erst Ende 2024 gegründete Start-up entwickelt ein universelles „Embodied-Intelligence"-Großmodell namens VLOA und baut eigene Roboter für den industriellen Einsatz. Nach eigenen Angaben fließt das Geld direkt in die Weiterentwicklung der Roboter für den Einsatz in der Fertigung – besonders vielversprechend ist der Einsatz in den hochautomatisierten Werken chinesischer E-Auto-Marken. Hinweis: Die angegebenen Beträge beziehen sich auf den chinesischen Markt.
Investoren setzen auf die gesamte Lieferkette
Neben RoboScience erhielt auch Tianji Intelligence ca. 128 Mio. € (ca. 1 Mrd. Yuan) in den B- und B+-Runden. Weitere Unternehmen wie Luming Robot, Boyin Hechuang und Zhongke Fifth Age sammelten jeweils mehrere Hundert Millionen Yuan ein. Auffällig: Statt nur in komplette Roboter zu investieren, fließt das Geld zunehmend in spezialisierte Komponenten – etwa Präzisionsmontagesysteme (Boyin Hechuang), geschickte Roboterhände (Xinuo Future) oder Kraftsensoren (Landian Touch).
Diese Verlagerung spiegelt einen Trend wider, den man aus der Automobilindustrie kennt: Statt auf einzelne Hersteller zu setzen, wettet das Kapital auf die gesamte Lieferkette – ähnlich wie Huawei (华为) einst mit seiner Strategie als „intelligenter Zulieferer von Fahrzeugkomponenten" den E-Auto-Markt eroberte. In den Fabriken von BYD (比亚迪), NIO (蔚来) und anderen werden die Roboter bereits getestet, um repetitive Aufgaben zu übernehmen und die Produktion zu beschleunigen.
Von Prototypen zur Serie: Der Wettlauf um die Stückzahl
Während die Finanzierung im Mai etwas nachließ – 22 Runden gegenüber 35 im März und 31 im April –, zieht die Produktion an. Gleich drei Unternehmen haben die Schwelle von 10.000 produzierten Robotern überschritten: Zhiyuan Robot, Zhishen Technology und Yushu. Letzterer meldete, dass 70 % der Auslieferungen in den Bereich Forschung und Bildung gehen, aber der Anteil der Industrieanwendungen steigt rasant.
In den Werken der E-Auto-Hersteller werden humanoide Roboter zunehmend für Aufgaben wie die Montage von Batteriemodulen, die Qualitätskontrolle und die Logistik eingesetzt. Ein Beispiel: Die Produktionslinie des Joint-Ventures zwischen Dongfeng und einem Robotik-Startup schafft bereits einen Roboter alle 15 Minuten.
Milliarden-Markt in Sicht
Laut Morgan Stanley soll die weltweite Nachfrage nach humanoiden Robotern bis 2036 auf 24,4 Millionen Einheiten steigen – ein Großteil davon in der Automobilfertigung. Chinesische E-Auto-Hersteller wie BYD, NIO und Li Auto (理想) investieren bereits massiv in die Technologie, um ihre Produktion zu skalieren und Kosten zu senken.
Für deutsche E-Auto-Fans bedeutet das: Der Wettbewerb um die günstigste und effizienteste Produktion wird härter. Humanoide Roboter könnten bald auch in europäischen Werken Einzug halten – und die chinesischen Hersteller haben einen Vorsprung.
Quelle: basiert auf Informationen von Gasgoo (盖世汽车) und First Electric Network (第一电动网)
Der Bericht betrifft die chinesische Robotik-Branche im Kontext der E-Auto-Fertigung. Aktuell sind keine spezifischen Produkte oder Partner für den deutschen Markt angekündigt.


