43 Lautsprecher im AITO M9: Sound-Check bei 5 China-EVs
Der Wettbewerb chinesischer Autohersteller dreht sich nicht mehr nur um Preise, sondern auch um den Innenraum. Das Audiosystem rückt in den Fokus: Es ist für Kunden direkt spürbar, kostensensitiv und bietet reichlich Marketing-Potenzial. Mehrere Neueinführungen und Modellpflegen setzen hier neue Maßstäbe – mit Lautsprecherzahlen und Leistungswerten, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Unser Vergleich zeigt, wo echte Fortschritte stecken und wo die Zahlen eher blenden.
AITO M9 (问界): Von 25 auf 43 Lautsprecher
Die zweite Generation des AITO M9 setzt neue Maßstäbe. Technische Daten der Standardversion:
- 39 Lautsprecher in 9.5.4-Kanalkonfiguration
- 2.920 Watt Nennleistung
- Standard im gesamten Modell
Die Top-Version Ultimate Ling Shi geht noch weiter:
- 43 Lautsprecher, inklusive 4 zusätzlicher Deckenkanäle
- Ebenfalls 2.920 Watt
- 720-Grad-Raumklang durch Deckenlautsprecher-Matrix
Besonders beeindruckend: Die hinteren vier Plätze lassen sich in 16 unabhängige Klangzonen aufteilen. Vordere Insassen hören keine Gespräche der Rückbank – ideal für vertrauliche Geschäftstelefonate. Software-seitig integriert das System HarmonyOS 4.0 und HUAWEI Music mit räumlichen Audio-Inhalten. Der Standard-Lautsprecheranzahl (25) der ersten Generation ist Geschichte: Die neue Version orientiert sich am Luxus-Niveau der Maextro S800 aus dem HIMA-Verbund (Harmony Intelligent Mobility Alliance).
NIO ES8: Kontinuierliche Evolution – nicht nur Zahlenjagd
Der NIO ES8 ist eines der wenigen langlebigen Modelle unter den chinesischen EV-Startups. Die Entwicklung der Audio-Ausstattung:
- 2018 (1. Generation): 12 Lautsprecher
- 2024 (aktuell): 27 Lautsprecher
- Neu: Mitteliger Deckenlautsprecher für die zweite Reihe
- Unterstützung: Dolby Atmos, flüssige Softwareintegration
Anders als der ES9 verzichtet der ES8 auf reine Parameter-Steigerungen. Die Erweiterung erfolgt gezielt: Der Deckenlautsprecher verbessert die räumliche Wirkung, ohne dass die Zahl der Lautsprecher ausufert. NIO setzt hier auf kontrollierte Upgrades – ein Ansatz, der an die Herangehensweise traditioneller Premiumhersteller erinnert.
Zeekr 009: Wechsel von Yamaha zu Naim
Der Zeekr 009 (großer Van) hat nach positiven Erfahrungen mit Naim in den Modellen 9X und 8X auch sein Audiosystem gewechselt:
- Bisher: YAMAHA mit 30 Lautsprechern, 7.1.9-Kanalkonfiguration
- Neu: Naim (britische HiFi-Marke) mit ebenfalls 30+ Lautsprechern und verbesserter Kanalkonfiguration
- Besonderheit: Zentraler Lautsprecher hinter den Vordersitzen für die zweite Reihe, der die Klangtreue verbessert
- Preis: Naim ist nicht serienmäßig – Aufpreis ca. 7.700 € (ca. 60.000 Yuan)*. Zum Marktstart oft zeitlich begrenzt kostenlos.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Der Wechsel von YAMAHA zu Naim zeigt: Zeekr setzt auf eine etablierte Premium-Marke, um das Klangerlebnis aufzuwerten. Der Aufpreis von rund 7.700 € unterstreicht den Wert des Systems.
Li Auto L9 Livis: 26 Lautsprecher + Brille für den Fahrer
Der Li Auto L9 Livis hat gegenüber dem Vorgänger aufgerüstet:
- 26 Lautsprecher (vorher: 25)
- 2.080 Watt (vorher: 2.080 Watt, also gleich)
- 7.3.4-Kanalkonfiguration (vorher: 7.3.4, also gleich)
- Dolby Vision + Dolby Atmos („Doppel-Dolby“) auf allen Modellen der L-Serie, MEGA und i-Serie
- Besonderheit: Kopplung mit Li Auto-Brille für ein privates Klangfeld auf dem Fahrersitz – Musik hören ohne andere zu stören
- Front-/Heck-Zonen: Separate Klangbühne für vordere und hintere Passagiere
Das System bleibt ein Kernargument für das „mobile Kino“-Erlebnis, das Li Auto propagiert. Die Brille ermöglicht eine völlig neue, persönliche Audio-Erfahrung – ein Feature ohne direktes europäisches Pendant.
Tesla Model Y (2026): Weniger ist mehr – oder fehlt was?
Nach den China-EVs wirkt Tesla fast asketisch:
- 2026er Modell: ca. 18 Lautsprecher (Schätzung, da Tesla keine offiziellen Zahlen nennt)
- Keine 7.1.4-Deckenkanäle, daher kein Dolby Atmos im klassischen Sinne
- „White Label“: Das System stammt von MartinLogan (US-HiFi), wird aber nicht beworben
- Klangpolarisierung: Sehr geschätzt von Puristen, aber oft als karg empfunden
Tesla hält am Prinzip „weniger, aber feiner“ fest. Doch ohne räumliche Audiounterstützung wie Dolby Atmos bleibt die Klangbühne flach – ein Feature, das selbst günstige chinesische E-Autos heute bieten. Die Frage bleibt: Ist Teslas Verzicht eine Frage der Philosophie oder ein Zeichen von Kostendruck?
Fazit: Mehr Lautsprecher ≠ besserer Klang
Die Analyse zeigt: Lautsprecherzahlen allein sagen nichts über die Klangqualität. Entscheidend sind Abstimmung, Kanalverteilung und Software. Wichtigste Trends:
- Mehr Deckenlautsprecher für räumliche Effekte (720-Grad-Sound)
- Individuelle Klangzonen für Fahrer und Beifahrer (Privatsphäre, separate Unterhaltung)
- Markenkooperationen statt Eigenentwicklung (Naim, MartinLogan)
- Preis: Teils hohe Aufpreise für Premium-Systeme (Zeekr 009: 7.700 €)
Traditionelle Premiummarken (Mercedes, BMW, Audi) staffeln ihre Audiosysteme nach Ausstattungslinien. China-EVs setzen dagegen oft auf Serienausstattung – ein Vorteil für Kunden. Dennoch gilt: Nicht jeder „Zahlen-Rekord“ ist ein echter Klangvorteil. Wer sich für ein Fahrzeug interessiert, sollte Probehören – nicht nur Daten vergleichen.
Keines der genannten Modelle (AITO M9, NIO ES8, Zeekr 009, Li Auto L9, Tesla Model Y 2026) ist aktuell offiziell in Deutschland erhältlich. AITO und Li Auto planen keinen Europa-Start. NIO verkauft in Europa die Modelle EL6 und ET7, aber der ES8 ist nicht gelistet. Zeekr bietet in Europa den 001 und den X an, der 009 (Van) ist nicht bestätigt. Der Trend zu hochwertigen Audiosystemen mit 20+ Lautsprechern ist jedoch auch in Europa-Modellen wie dem BYD Seal (12 Lautsprecher, Dynaudio) oder dem NIO EL6 (23 Lautsprecher) zu beobachten. Der Artikel dient als Technologie-Ausblick auf kommende Standards.


