Li Autos KI-Offensive: Vier Startups trotzen dem Preiskrieg
Die chinesische E-Auto-Branche steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahren. Im Mai 2025 fiel der Pkw-Absatz um 22,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Plattform D1EV.com berichtet. Die vier führenden Startups – NIO (蔚来), XPeng (小鹏), Li Auto (理想) und Leapmotor (零跑) – reagieren mit grundlegend unterschiedlichen Strategien. Ihnen gemeinsam ist der Befund: Reines Hardware-Stapeln und Preiskämpfe führen in eine Sackgasse. Gefragt sind neue Geschäftsmodelle jenseits des reinen Autoverkaufs.
Vier Wege aus der Krise
Li Auto (理想) verfolgt den Weg der Konzentration. Auf dem „Livis Day" Mitte Mai 2025 präsentierte der Hersteller seine Vision des Autos als „intelligentes mobiles Endgerät". Künstliche Intelligenz wird tief in die Fahrzeugarchitektur integriert. Der Fokus bleibt klar auf die gehobene Familie gerichtet – mit einem stabilen Produktzyklus und einer einheitlichen Software-Lösung. Das sichert stabile Margen, begrenzt aber das Wachstumspotenzial. Mit dem Einstieg vieler Wettbewerber ins Segment der Range-Extender-Elektrofahrzeuge (EREV) schmilzt das Alleinstellungsmerkmal.
XPeng (小鹏) wählt die Expansion. CEO He Xiaopeng kündigte in einem internen Schreiben an, zusätzlich zum Autogeschäft die Leitung der Robotik-Sparte zu übernehmen. Das Unternehmen transformiert sich vom „Smart-EV-Hersteller" zum „Physical-AI-Unternehmen". Ziel: Die Abhängigkeit vom volatilen Automarkt reduzieren. Nachteil: Hohe Investitionen in mehrere Technologiepfade gleichzeitig.
NIO (蔚来) baut auf sein Ökosystem: Tauschstationen, NIO-Häuser, exklusive Service-Angebote. Das Geschäftsmodell ähnelt einem Abo-Modell. Die hohen Fixkosten für Infrastruktur und Service sollen über die Zweitmarken Onvo und Firefly auf mehr Volumen verteilt werden.
Leapmotor (零跑) setzt auf industrielle Effizienz. Das Unternehmen fertigt bereits 65 Prozent der Komponenten in Eigenregie, bis 2026 sollen es 80 Prozent sein. Bei Antriebsstrang und Batterie liegt die Eigenfertigungsquote bei 92 Prozent. Die Plattform-übergreifende Teilegleichheit beträgt 88 Prozent. Das erlaubt aggressive Preise bei stabilen Margen – erkauft durch geringe Markenwerte.
Was deutsche Autobauer lernen können
Die vier Strategien zeigen: Es gibt keinen Königsweg. Entscheidend ist die Konsequenz, mit der Unternehmen ihr jeweiliges Modell verfolgen. Deutsche Hersteller wie VW, BMW oder Mercedes stehen vor der gleichen Herausforderung: Wie entkommt man der Preisfalle? Die chinesischen Antworten – KI-Integration (Li Auto), Technologie-Expansion (XPeng), Servicemarke (NIO) oder Fertigungseffizienz (Leapmotor) – liefern Blaupausen, die weit über China hinaus relevant sind.
Li Auto hat einen Europa-Einstieg angekündigt, ist aber bislang nicht in Deutschland erhältlich. Die beschriebenen Technologiestrategien sind jedoch richtungsweisend für den globalen Wettbewerb. Quelle: D1EV.com / Automobilwoche (adaptiert).


