KI-Boom treibt Speicherchip-Preise: Autos werden teurer
Die Preise für automobiltaugliche Speicherchips sind explosionsartig gestiegen – laut Medienberichten um rund 180 % in nur drei Monaten. Grund ist die massiv gestiegene Nachfrage nach KI-Speichern wie HBM (High Bandwidth Memory) und DDR5-Server-RAM. Die drei großen Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron lenken 70 bis 80 % ihrer Fertigungskapazitäten in diese margenstarken Produkte. Der Automobilsektor, der nur etwa 3 % des weltweiten DRAM-Marktes ausmacht, steht am Ende der Versorgungskette und bekommt den Engpass besonders zu spüren.
Kostenexplosion pro Fahrzeug
Die Auswirkungen sind konkret: Die Speicherkosten für ein Mittelklasse-Auto mit Fahrassistenz und modernem Infotainment stiegen von 40–90 US-Dollar auf 90–220 US-Dollar (ca. 83–190 €). Bei High-End-Modellen mit hochautomatisierten Systemen können sogar über 500 US-Dollar (ca. 430 €) zusammenkommen. Gleichzeitig steigt der Speicherbedarf rasant: Standard sind inzwischen 16–32 GB RAM, Spitzenmodelle erreichen 64–128 GB. Prognosen für L4-Autonomie gehen von über 300 GB Speicher pro Fahrzeug aus.
Hinzu kommen steigende Rohstoffkosten. Ein Unternehmenssprecher rechnete auf einer Automobilkonferenz vor: Lithiumcarbonat stieg von 80.000 Yuan (ca. 10.240 €) auf 180.000 Yuan (ca. 23.040 €) pro Tonne, Lithiumeisenphosphat (LFP) von ca. 10.000 Yuan (ca. 1.280 €) auf über 25.000 Yuan (ca. 3.200 €) pro Pack. Im Schnitt verteuere sich ein Fahrzeug um 15.000 bis 20.000 Yuan – also ca. 1.920 bis 2.560 €. Dies deckt nur die Materialkosten, ohne Logistik- und Anpassungsaufwand.
XPeng-CEO: „Preisfindung ist sehr schwierig geworden"
XPeng (小鹏)-Chef He Xiaopeng äußerte sich bei der Präsentation des GX-Modells offen: „Es ist wirklich schmerzhaft, Autos zu bauen. Wo immer etwas teurer wird, betrifft es uns. Das Geld, das wir durch technische Innovationen einsparen, geben wir größtenteils an unsere Partner für Speicher und Lithium weiter." Dies unterstreicht die Zwickmühle der Hersteller: Sie müssen Preise halten, aber die Kosten steigen unaufhaltsam.
Laut einer Analyse der Deutschen Bank steigen die Listenpreise für normale Fahrzeuge um 150 bis 300 US-Dollar (ca. 130–260 €), für hochautonome Modelle um 400 bis 600 US-Dollar (ca. 345–520 €).
Wie reagieren die Hersteller?
Viele setzen auf langfristige Lieferverträge (LTA) mit festen Preisen und Strafklauseln bei Lieferausfällen. Einem Brancheninsider zufolge kaufen einige Hersteller Zehntausende Chips auf einmal, um Vertragssicherheit zu erzwingen. Doch diese Absicherung läuft aus – irgendwann muss neu verhandelt werden.
Technisch versuchen Konstrukteure, den Speicherverbrauch zu senken. Ein Entwicklungsexperte erklärt: „Wir optimieren KI-Modelle so, dass sie mit 32 GB auskommen, statt 64 GB zu brauchen." Auch die Integration von Cockpit- und Fahrassistenzsystemen auf einem einzigen SoC (System-on-Chip) hilft, indem Speicher geteilt und Redundanzen vermieden werden.
Ein weiterer Ausweg ist der Einstieg in chinesische Alternativen. Hersteller wie ChangXin Memory Technologies (长鑫存储) machen Fortschritte bei der Fertigung von LPDDR5-Speicher, können den Bedarf aber noch nicht vollständig decken.
Ausblick: Mindestens 12–18 Monate Anspannung
Qualcomm-Manager Nakul Duggal rechnet mit einer Stabilisierung in 12 bis 18 Monaten. Neue Fertigungskapazitäten werden jedoch frühestens Ende 2027/Anfang 2028 in den Markt kommen. Bis dahin müssen die Autobauer die Kosten stemmen. Die Krise wirkt dabei wie ein Katalysator: Sie zwingt die Branche, Speicher effizienter zu nutzen und die Architektur ihrer Fahrzeuge grundlegend zu überdenken. Wer diese Phase übersteht, könnte gestärkt daraus hervorgehen.
Hinweis: Preise beziehen sich auf internationale Märkte (US-Dollar/Yuan) und wurden zum Kurs 1 Yuan = 0,128 € umgerechnet.
In Deutschland
Die Speicherkrise betrifft alle Hersteller, die in Europa aktiv sind – auch XPeng. XPeng ist in Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden erhältlich, ein Marktstart in Deutschland ist angekündigt. Die Preiserhöhungen dürften sich auch auf die europäischen Listenpreise auswirken.


