Speicher-Chips 180 % teurer: XPeng-CEO warnt vor Dauer-Krise
Speicher-Chips 180 % teurer: XPeng-CEO warnt vor Dauer-Krise
Die globale Halbleiterindustrie erlebt eine Verknappung bei Speicherchips – mit massiven Folgen für die Autoindustrie. Wie chinesische Medien unter Berufung auf die Wirtschaftssendung CCTV Finance berichten, sind die Preise für Automotive-DRAM in den vergangenen drei Monaten um durchschnittlich 180 % gestiegen. Grund ist die explosionsartige Nachfrage nach KI-Servern, die fast das gesamte Wachstum der globalen Speicherproduktion absorbiert.
KI hungert, Autos hungern mit
Die drei großen Speicherhersteller – Samsung, SK Hynix und Micron – kontrollieren über 90 % des DRAM-Marktes. Sie verlagern 70 bis 80 % ihrer fortschrittlichen Fertigungskapazitäten auf HBM (High Bandwidth Memory) und High-End-Server-DDR5, weil KI-Kunden langfristige Abnahmeverträge mit hohen Margen bieten. Das verdrängt die Autoindustrie, die nur rund 3 % des globalen DRAM-Marktes ausmacht und damit ganz am Ende der Zuteilungskette steht.
Laut TrendForce sind die Speicherkosten pro Fahrzeug bei Mittelklasse- und höher ausgestatteten Modellen von 40 bis 90 Dollar auf 90 bis 220 Dollar gestiegen, bei Fahrzeugen mit hochentwickelten Assistenzsystemen sogar auf über 500 Dollar.
Derzeit dominiert in der Autoindustrie der Typ LP4/4X (LPDDR4/LPDDR4X) – eine ältere, niedrigmargige Technologie, die von den Herstellern nicht priorisiert wird. Branchenexperten erwarten, dass LP4/4X ab 2026 nur noch teuer, ab 2027 dann kaum noch verfügbar und um 2028 eingestellt wird.
XPeng-CEO: „Die Autoindustrie leidet“
XPeng-CEO He Xiaopeng sagte auf einer Pressekonferenz nach der GX-Vorstellung: „Die Preisgestaltung war sehr schwierig. Das Autogeschäft ist wirklich schmerzhaft – jeder Preisanstieg trifft uns.“ Er erklärte, dass die durch technische Innovationen erzielten Kosteneinsparungen „zum größten Teil an die Partner für Speicher und Lithium zurückgegeben werden mussten“.
Ein chinesischer Automobilmanager rechnete auf einem Branchenforum vor: Speicherchips von 20 Yuan auf 100 Yuan, Lithiumcarbonat von 80.000 Yuan pro Tonne auf 180.000 Yuan – das mache pro Fahrzeug 15.000 bis 20.000 Yuan (ca. 1.900 bis 2.600 €) Mehrkosten. Deutsche Bank schätzt, dass die Speicherkrise die Preise von Normalautos um 150 bis 300 Dollar, bei autonomen Fahrzeugen um 400 bis 600 Dollar treiben wird.
Drei Strategien der Hersteller
- Langfristverträge: Viele Hersteller sichern sich über mehrjährige Abnahmevereinbarungen fixe Preise – allerdings nur für eine begrenzte Zeit.
- Technik-Optimierung: Software- und Chip-Architekten arbeiten daran, KI-Modelle auf 32 GB statt 64 GB RAM lauffähig zu machen. Auch die Integration von Cockpit und Fahrassistenz auf einem einzigen SoC (System-on-Chip) senkt den Speicherbedarf deutlich.
- Alternative Quellen: Chinesische Hersteller wie Changxin Memory Technologies (长鑫存储) und GigaDevice bringen eigene Automotive-DRAMs in Stellung, die aber kurzfristig die Lücke nicht vollständig schließen können.
Bis zu 18 Monate Belastung
„Die Speicherpreise werden für die gesamte Branche mindestens 12 bis 18 Monate eine große Herausforderung bleiben“, prognostiziert Nakul Duggal, Executive Vice President bei Qualcomm. Neue Fertigungskapazitäten werden frühestens Ende 2027 / 2028 in nennenswertem Umfang verfügbar sein. Bis dahin müssen die Autobauer die Preise stemmen oder kompensieren.
In Deutschland
Die Speicherkrise betrifft alle globalen Hersteller – auch XPeng, das in mehreren nordeuropäischen Ländern vertreten ist und den Markteintritt in Deutschland angekündigt hat. Die beschriebenen Kostentreiber wirken sich auf die Preiskalkulation aller in Europa angebotenen Modelle aus.


