BYD & Huawei: L2-Unfall-Garantie ab ca. 1.500 €
Ende Mai kündigte BYD-Chef Wang Chuanfu auf einer Strategiekonferenz an: Kunden, die das „Gott-Auge“-System (天神之眼) der Stufen A oder B nutzen, erhalten bei einem Unfall während der bestimmungsgemäßen Nutzung des Stadtpiloten (City Navigation Pilot) den vollen wirtschaftlichen Schaden ersetzt – ohne Obergrenze und ohne Abwicklung über die eigene Kfz-Versicherung. Für Fahrzeuge mit der günstigeren Stufe C müssen Kunden ein Upgrade für ca. 1.500 € (ca. 12.000 Yuan)* erwerben, um ebenfalls in den Genuss der Garantie zu kommen.
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Wenige Wochen später zog Huawei mit seiner Tochter Yinwang nach: Seit dem 22. Juni gilt die Garantie für den gesamten Anwendungsbereich des ADS-Pakets (Stadtpilot, Autobahnassistent, Parkassistent). Die Laufzeit beträgt ein bis drei Jahre, abhängig vom Kaufzeitpunkt. Gleichzeitig erhöhte Huawei den Preis für das ADS Max-Paket auf ca. 4.600 € (ca. 36.000 Yuan) – begründet mit gestiegenen Hardwarekosten, insbesondere bei Hochleistungschips.
Warum die Garantie?
Hintergrund ist eine deutliche Zunahme von Unfällen mit Assistenzsystemen: Allein im ersten Halbjahr 2025 zählte die Polizei 137 solcher Vorfälle – ein Plus von 43 Prozent zum Vorjahr. Die rechtliche Lage ist trotzdem klar: Bei L2-Systemen bleibt der Fahrer stets verantwortlich. Ein aktuelles Urteil des Obersten Volksgerichtshofs bestätigte, dass der Fahrer auch bei aktiviertem Assistenten die Kontrolle behalten muss – selbst bei Ausweichmanövern oder Systemfehlern. Die Strafbarkeit wegen Gefährdung des Straßenverkehrs bleibt bestehen.
Kritiker werfen den Herstellern vor, durch Werbung den Eindruck höherer Autonomie zu erwecken, während die Garantie nur die zivilrechtliche Haftung abdeckt. Die strafrechtliche Verantwortung trägt weiterhin der Fahrer.
Warum schweigen die anderen?
Hersteller wie NIO (蔚来), XPeng (小鹏) und Li Auto (理想) bieten bislang nur kostenpflichtige „Intelligent Driving Insurance“ an – im Kern einfache Versicherungsprodukte. Die Gründe liegen auf der Hand:
- Kostenrisiko: Ohne eine große Fahrzeugflotte (BYD hat über 3,15 Millionen Fahrzeuge mit Assistenzsystemen) lassen sich die Risiken nicht streuen.
- Technikabhängigkeit: Viele Hersteller nutzen Zulieferer-Systeme und können die Grenzen nicht vollständig abschätzen.
- Rechtliche Lücke: Die Garantie deckt nur Vermögensschäden, nicht die strafrechtliche Verantwortung des Fahrers.
Branchenkenner sehen die Garantie als neuen Wettbewerbsfaktor. Statt auf Hardware zu setzen, buhlen BYD und Huawei nun um Vertrauen. Ob die Konkurrenz nachzieht, hängt von Kosten, Technik und Rechtssicherheit ab.
Die beschriebenen Garantien gelten ausschließlich für den chinesischen Markt. Ein Start in Europa ist nicht absehbar.

