CATL trotzt Auto-Supply-Chain-Umbau: 46,7 % Marktanteil
Seit Monaten diskutiert die chinesische Branche eine „Entkernung" von CATL (宁德时代): Autobauer holen Zweitlieferanten ins Boot, beteiligen sich an Zellherstellern und entwickeln eigene Batterien. Der Blick auf die erste Jahreshälfte 2026 zeigt jedoch ein anderes Bild — nämlich ein Nebeneinander von Zusammenarbeit und Gegengewicht. SAIC-GM-Wuling (上汽通用五菱) und der BAIC-Konzern (北汽集团) unterzeichneten strategische Partnerschaften mit CATL, der Volkswagen-Konzern zeichnete den Zulieferer mit einem Jahrespreis aus. Gleichzeitig steckte Li Auto (理想) umgerechnet ca. 339 Mio € (ca. 2.650.000.000 Yuan) in den Zellhersteller Sunwoda (欣旺达), und Xiaomi (小米) brachte mit CALB (中创新航) und Sunwoda das eigene „Dragon-Armor"-Batteriesystem an den Start. Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Von einem Bruch mit CATL kann also keine Rede sein. Was die Hersteller aufbauen, ist eine bewusst breitere Aufstellung — keine Abkehr, sondern eine Machtbalance.
Die „Drei-Fronten-Strategie"
Die Batterie-Strategie der Hersteller läuft auf drei parallelen Gleisen:
Kurz: Nicht das „Wer liefert", sondern das „Wer definiert" verschiebt sich. Die Hersteller steigen vom reinen Batteriekäufer zum Technologiedefinierer auf, der Zulieferer vom Entwickler zum Auftragsfertiger. Beim Xiaomi-System überwacht der Hersteller über 8.000 Qualitätskontrollpunkte, teils direkt in den Werkslinien seiner Partner.
Warum gerade jetzt?
Drei Grundbedingungen greifen zeitgleich. Erstens der Gewinndruck: CATL verbuchte im ersten Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von ca. 5,53 Mrd € (ca. 43.200.000.000 Yuan) — rund 30,7 Mio € (ca. 240.000.000 Yuan) pro Tag. Da die Batterie etwa 40 % der Kosten eines Elektroautos ausmacht und die Hersteller im Preiskampf unter Margendruck stehen, ist eine Umverteilung fast zwangsläufig.
Zweitens die Größe: Eine moderne Zelllinie hat eine wirtschaftliche Mindestgröße von rund 10 GWh — genug für etwa 170.000 bis 200.000 Fahrzeuge. Erst wenn ein Hersteller diese Größenordnung mehrfach erreicht, lohnt ein zweiter Lieferant.
Drittens das gestiegene Branchenniveau: Zulieferer wie CALB, Sunwoda, Gotion und EVE Energy (亿纬锂能) haben bei Fertigungskonstanz und Zelltechnik deutlich aufgeholt, was den Herstellern echte Wahlmöglichkeiten eröffnet.
Wie CATL reagiert
CATL kontert nicht mit Marktanteilszahlen, sondern mit einer Doppelstrategie. Konzernchef Robin Zeng (曾毓群) rückte auf dem Welt-Batteriekongress in Yibin im September die Begriffe Qualität und Vertrauen in den Mittelpunkt: Kleine Fehler würden sich in der Großserie vervielfachen, Vertrauen lasse sich nicht über den Preis erkaufen.
Auf der Fertigungsseite betonte Chief Manufacturing Officer Ni Jun das Problem der Maßstabs-Konstanz: „Ein gutes Zellprodukt zu bauen ist nicht schwer — schwer ist, eine Milliarde identisch guter Zellen zu bauen."
Die Daten stützen die Position: Laut dem chinesischen Batterieverband lag CATL im ersten Halbjahr 2026 bei Pkw-Installationen in China bei 46,7 % — ein Plus von 5,6 Prozentpunkten. Nach Zahlen von SNE Research führt CATL global mit 242,7 GWh und einem Marktanteil von 39,9 %. Zugleich gerieten die Aktien (A- und H-Anteile) unter Druck — der Markt preist nicht nur aktuelle Zahlen, sondern künftige Machtverhältnisse ein.
„Multipolare Balance" statt Alleinherrschaft
Die Deutung, CATL werde verdrängt, greift zu kurz. Wahrscheinlicher ist ein Modell der multipolaren Balance: CATL bleibt zentrale Säule vor allem für Sicherheits- und Premiumanforderungen, während CALB, Sunwoda, Gotion und EVE Energy in unterschiedlichen Preis- und Technologieklassen mitwachsen. Die Definitionsmacht über Standards und Qualität wandert zunehmend zu den Autoherstellern — die Batterie wird vom „Blackbox"-Einkaufsteil zum vom OEM definierten Standardbauteil.
Für Europas Hersteller ist das eine wichtige Beobachtung: Was in China als Effizienz- und Kostenübung beginnt, dürfte auch die Beschaffungsstrategien hiesiger Marken prägen — Mehrfach-Sourcing und eigene Batteriekompetenz werden zum Standardrepertoire.
In Deutschland
Zu diesem Hersteller liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen europäischen Markteintritt vor. Das Modell ist derzeit auf dem chinesischen Markt erhältlich.
Für deutsche Käufer ist die Entwicklung vor allem indirekt relevant: Die beschriebenen Batterien und Zellstrategien betreffen den chinesischen Markt, wirken aber über die Konzernstrategie von Volkswagen und die Beschaffungsnetzwerke hiesiger Zulieferer auch nach Europa. Ein konkretes Modell für den deutschen Markt wird in diesem Artikel nicht vorgestellt.


