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CATL bei 39,2 %: Chinas Zulieferer drängen in die Welt

CATL, Horizon und Momenta drängen in die globale Lieferkette. Vier Kriterien entscheiden, ob chinesische Innovation zum Weltstandard wird.

CATL bei 39,2 %: Chinas Zulieferer drängen in die Welt

Die chinesische Automobilindustrie befindet sich in einem grundlegenden Wandel: Weg vom Verkauf einzelner Produkte, hin zum Verkauf kompletter Lösungen. China verfügt über mehr als tausend Automobilzulieferer — doch nur wenige sind auf dem neu sortierten Technologiefeld aus Elektromobilität und Fahrassistenz wirklich für die globale Industrie „notwendig". Gekauft zu werden ist eben nicht dasselbe wie gebraucht zu werden.

Vier Kriterien entscheiden über den Weltmarkt

Eine chinesische Innovation hat nach dieser Lesart nur dann globale Qualität, wenn sie vier Bedingungen gleichzeitig erfüllt:

  • Sie löst ein globales Gemeinschaftsproblem, das kein Hersteller umgehen kann
  • Sie ist im großen Maßstab real erprobt, nicht nur im Labor
  • Sie ist übertragbar und lässt sich in unterschiedliche Fahrzeug- und Rechtsrahmen einpassen
  • Sie erlaubt systemische Ausgabe — also die Lieferung eines kompletten Pakets statt eines Einzelteils

In der Verbrenner-Ära lagen die Patentmauern bei Motor, Getriebe und Fahrwerk fest in europäischer, amerikanischer und japanischer Hand. China lieferte zu und fertigte lokal, die Definitionsmacht über die Technikroute blieb im Ausland. Mit dem Wechsel zur Elektro- und Softwarearchitektur existieren diese jahrzehntealten Schutzmauern nicht mehr — und chinesische Anbieter können erstmals selbst Antworten auf globale Fragen geben.

CATL als Musterfall der Batterie

Der deutlichste Beleg ist die Batteriezelle. Nach Unternehmensangaben und Daten von SNE Research setzte CATL (宁德时代) 2025 insgesamt 464,7 GWh ab und kam auf einen Weltmarktanteil von 39,2 Prozent — das neunte Jahr in Folge an der Spitze. Chinesische Batteriehersteller kommen zusammen auf über 70 Prozent des Weltmarkts.

Entscheidend ist nicht der Heimatmarkt, sondern die Tatsache, dass CATL die LFP-Chemie (Lithium-Eisenphosphat) so austariert hat, dass Kosten und Energiedichte für Hersteller in Europa, Nordamerika und Südostasien gleichermaßen akzeptabel sind. Jüngstes Beispiel: eine Vereinbarung mit dem ägyptischen Partner BME über eine Lizenzfertigung für Batteriepakete und die Lieferung von Produktionsanlagen. In Ägypten entsteht eine Fabrik mit 1 GWh Kapazität für schwere Nutzfahrzeuge, langfristig ist der Ausbau auf 5 GWh geplant.

Fahrassistenz: Momenta, Huawei und Horizon in fremden Häusern

Noch deutlicher zeigt sich der Wandel beim Fahrassistenzsystem (ADAS). Momenta liefert inzwischen an Mercedes-Benz und BMW: Der neue elektrische GLC von Mercedes-Benz nutzt ein Reinforcement-Learning-Modell von Momenta, bei BMW setzen der Neue-Klasse-iX3, der i3 und die neue 7er-Reihe auf ein gemeinsam entwickeltes Stufe-2-Assistenzsystem. Huawei (华为) wiederum stattet gemeinsam mit Audi den neuen Q5L aus — den ersten Oberklasse-Verbrenner-SUV der Welt mit der Qiankun-Fahrassistenz von Huawei. Der Grund ist nüchtern: Die etablierten Hersteller können vergleichbare Erfahrungswerte derzeit nicht selbst liefern. Es ist kein Vorsprung bei einer Einzeltechnik, sondern ein Systemvorsprung von den Algorithmen über die Chips bis zur Datenauswertung.

Von der Lieferung zur Systemausgabe

Die höchste Stufe der vier Kriterien ist die Fähigkeit, ein komplettes Engineering-Paket auszugeben. Der Käufer kann dabei nicht einfach nur eine Komponente herauslösen — er bekommt das Können nur im Paket. Musterfall ist das LRS-Lizenzmodell von CATL mit Ford: Ford baut und betreibt die Fabrik vollständig auf eigene Rechnung, CATL ist weder beteiligt noch Anteilseigner und liefert ausschließlich Zellpatente, Fertigungsverfahren, Anlagenkonzepte und Ingenieursschulungen — bezahlt über Lizenz- und Servicegebühren pro Kapazität.

Ähnlich arbeitet NIO (蔚来) mit McLaren: Laut den von der CYVN-Holding veröffentlichten Übernahmedetails öffnete NIO der McLaren-Schwester Forseven das komplette Technikpaket seiner Elektroplattform — 236 Patente aus 15 Bereichen, darunter Antrieb, Fahrassistenz und Elektronikarchitektur. NIO-Chef William Li räumte allerdings ein, dass diese Einnahmen „derzeit noch nicht stabil" seien.

Auch Horizon Robotics (地平线) folgt diesem Muster: Im Rahmen der Auto China (Peking Auto Show, eine der größten Automessen der Welt) schloss das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit dem globalen Tier-1-Zulieferer Astemo — nach Bosch und Denso der dritte große Schritt. Horizon-Gründer Yu Kai formuliert es so: „Die Globalisierung von Fahrassistenz-Chips ist nie die Ausgabe einer einzelnen Technologie, sondern die gleichzeitige Anpassung von Technikbasis und Industrie-Ökosystem."

Wie schnell Chinas Entwicklungstempo ist, zeigt ein Blick auf die Zyklen: Das gemeinsame Modell von XPeng (小鹏) und Volkswagen (Volkswagen) brauchte 24 Monate von der Freigabe bis zum Produktionsstart; die Full-Stack-Entwicklung auf Basis des Horizon-Journey-6M-Chips dauerte nach Angaben von Bosch-Managern auf der Auto China 2026 nur zehn bis elf Monate. Neue Erlösquellen verändern die Bilanz: Im zweiten Quartal 2026 erzielte XPeng mit Service- und sonstigen Geschäften ca. 346 Mio. € (ca. 2,7 Mrd. Yuan) Umsatz — bei einer Bruttomarge von 75,1 Prozent. Der Bereich steht für 13,7 Prozent der Erlöse, aber 49,6 Prozent des Bruttogewinns.

Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.

Europa hebt die Hürden

Die Grenzen des Modells liegen nicht in der Technik, sondern in der Regulierung. Wer in der EU Fahrassistenz anbietet, muss Daten lokal speichern, Prüfungen zulassen und Rechenzentren vor Ort betreiben — die Aufbauzeit dafür wird in Jahren gemessen. Die EU-Batterieverordnung verlangt seit dem 18. August 2026 verbindlich ein CO₂-Fußabdruck-Label in den Stufen A bis E, ab Februar 2027 folgt der digitale Batteriepass; parallel verschärft der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) den Druck.

Dazu kommt die physische Basis: CATL betreibt in Europa ein Werk in Thüringen, plant in Debrecen (Ungarn) eine Gesamtkapazität von 100 GWh mit 40 GWh in der ersten Stufe und baut mit Stellantis in Spanien eine Fabrik mit 50 GWh Jahreskapazität. Ein Werk zu errichten ist dabei nicht das Schwierige — schwierig ist, lokale Zulieferer, Belegschaft und Logistik auf chinesische Standards einzuschwingen. Beim Wettbewerb um Reichweite, Tempo und Kosten bleibt die Konkurrenz aus Korea (LG, Samsung SDI, SK On) und die etablierten Chip-Plattformen von Mobileye und NVIDIA im Vorteil, weil sie über Jahre gewachsene Kundenbeziehungen und Zulassungserfahrung besitzen.

Unterm Strich bleibt die Formel: Gemeinsamer Bedarf × Massenvalidierung × Übertragbarkeit × Systemfähigkeit. Einzelne Komponenten lassen sich austauschen, ein komplettes System nur schwer umgehen. Gekauft zu werden ist der Anfang — gebraucht zu werden ist das Ziel.


In Deutschland

Zu den genannten Herstellern liegen uns aktuell keine gesicherten Informationen über einen Markteintritt mit eigenen Fahrzeugmodellen in Europa vor. Im Mittelpunkt stehen derzeit Zuliefer-, Lizenz- und Engineering-Geschäfte; CATL betreibt bereits ein Batteriewerk in Thüringen, weitere europäische Standorte befinden sich im Aufbau.

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