Beim Auftakt der Beijing Auto Show 2026 am 24. April hat der Volkswagen-Konzern gleich mehrere neue elektrische Fahrzeuge mit intelligenter Fahrunterstützung vorgestellt. Im Zentrum steht die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Technologiepartner Horizon Robotics — und die damit verbundene ambitionierte Offensive im Bereich autonomen Fahrens.
Gemeinsames Joint Venture bringt ADAS-Systeme in die Serie
Horizon Robotics gilt als führender Anbieter für KI-basierte Fahrassistenzsysteme in China. Gemeinsam mit Volkswagen wurde das Joint-Venture-Unternehmen CARIZON (酷睿程) gegründet, das fortschrittliche Assistenzlösungen für den chinesischen Markt entwickelt. Auf der Beijing Auto Show trugen die ersten gemeinsamen Entwicklungen nun greifbare Früchte.
Die drei vorgestellten Modelle
FAW-Volkswagen ID. AURA T6
Das mit Abstand aufmerksamkeitsstärkste Modell war der ID. AURA T6 — das erste Fahrzeug der Volkswagen-Marke mit integriertem LiDAR-Sensor. Der rein elektrische SUV nutzt die erweiterte Hochleistungsassistenz von CARIZON und kombiniert nach eigener Aussage deutsches Ingenieurskunst mit chinesischer KI-Intelligenz. Volkswagen positioniert das Fahrzeug im obersten Segment der Fahrassistenz.
Yu Qi 07 (与众07)
Der Yu Qi 07 ist die erste Limousine der „Gold Badge"-Volkswagen-Familie und soll ab Mai 2026 offiziell in den Verkauf gehen. Serienmäßig ist das hauseigene Assistenzsystem von CARIZON verbaut, das auf den Horizon-Chips läuft. Zur Wahl stehen zwei Varianten:
- Pure-Vision-Lösung mit Autobahn-NOA (Navigate on Autopilot) — ausreichend für die meisten Langstrecken-Szenarien
- LiDAR-Variante, die ab Ende 2026 auch Stadt-NOA bieten und komplexe urbane Verkehrssituationen bewältigen soll
Jetta-Modell mit Horizon-Technologie
Auch die Marke Jetta bestätigte offiziell, dass ein neues Elektrofahrzeug mit CARIZON-System in der zweiten Jahreshälfte 2026 auf den Markt kommen wird. Damit soll die Marke, die in China als Einsteigermarke positioniert ist, eine deutliche Sprung in Sachen Fahrautomatisierung machen.
Technologische Basis: Horizons Journey-6-Chips
Die gesamte Palette basiert auf Horizons Journey-6-Prozessorfamilie, die sich durch eine flexible und skalierbare Architektur auszeichnet. Der Chip-Hersteller bietet verschiedene Leistungsklassen, die sich an die jeweiligen Anforderungen der Fahrzeugklassen anpassen lassen — von Basisassistenz bis hin zu vollwertigem L2++.
Volkswagen-Chef Oliver Blume betont Strategiewechsel
Volkswagen-Vorstandsvorsitzender Dr. Oliver Blume hob die Bedeutung der Partnerschaft bei der Medienveranstaltung hervor:
„Wir kombinieren Volkswagens Stärken — unsere riesige Präsenz in China, unsere Sicherheitsstandards und deutsche Ingenieurskunst — mit Horizons KI-Fahrtechnologie. CARIZON ist unser ADAS-Technologiezentrum in China. Das ermöglicht uns schnellere Entwicklungszyklen, tiefere Lokalisierung und ein Fahrerlebnis, das die chinesischen Kunden wirklich wollen. In der zweiten Jahreshälfte werden sechs neue Modelle mit CARIZONs L2++-Assistenzsystem ausgestattet sein."
Horizons CEO sieht neue Kooperationsära
Dr. Yu Kai, Gründer und CEO von Horizon Robotics, ergänzte:
„Die Partnerschaft von Volkswagen und Horizon Robotics schafft einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil. Das gemeinsam entwickelte System bietet den Nutzern ein flüssiges, vertrauenswürdiges Assistenzfahrerlebnis — und zwar durch die tiefe Verschmelzung von Hardware und Software."
Ausblick: Von L2++ zu L3/L4
Ab dem dritten Quartal 2026 sollen die Volkswagen-Modelle in China zudem mit KI-Agenten ausgestattet werden — ein Schritt in Richtung intelligenter, interaktiver Fahrzeuge. Die Partnerschaft zwischen Volkswagen und Horizon Robotics soll perspektivisch auch den Weg für L3- und L4-Autonomie ebnen.
Mit dem Start der Journey-6-Chipfamilie deckt Horizon Robotics inzwischen das gesamte Spektrum der Fahrzeugintelligenz ab — von Fahrassistenz über Innenraum-KI bis hin zu kompletten Fahrzeugintelligenz-Plattformen.
Das gemeinsame Projekt gilt in der Branche als Referenzmodell für die Kooperation zwischen einem internationalen Automobilkonzern und einem chinesischen Technologieunternehmen — ein Modell, das künftig auch andere Hersteller kopieren dürften.


