BYD Denza B8: Dreirad-Modus ab 53.700 €
Chinesische Autobauer treiben den Wettbewerb um aktive Fahrwerke auf die Spitze: BYD (比亚迪), Huawei mit seiner Automarke AITO (问界) und Li Auto (理想) zeigen fast zeitgleich SUVs, die ein Rad komplett anheben und dennoch stabil auf drei Rädern weiterrollen. BYDs Luxusmarke Denza (腾势) eröffnet mit dem B8 Flash Charge Edition und dem neuen DiSus-P-Ultra-System den Reigen.
Dreirad-Modus: So funktioniert BYDs DiSus-P-Ultra
Die aktive Federung DiSus von BYD bietet drei neue Modi: Radanhebung zur Bergung, Radanhebung zum Reifenwechsel und den Dreirad-Modus. Beim Reifenwechsel fährt das System ein Rad innerhalb einer Minute nach oben – ein klassischer Wagenheber wird überflüssig. In einem Medientest dauerte der komplette Radwechsel eine Minute und 56 Sekunden. Die Hubkraft liegt laut BYD bei bis zu neun Tonnen.
Der Dreirad-Modus ist auf 15 km/h begrenzt und für Notfallsituationen bei niedriger Geschwindigkeit oder das Überwinden von Hindernissen gedacht. In einer Vorführung am Offroad-Gelände befreite sich ein Denza B8 aus tiefem Sand, indem er die Fahrzeughöhe selbstständig anpasste.
Die Flash-Charge-Edition des Denza B8 bietet eine rein elektrische Reichweite von 200 km (CLTC – chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP). Realistischer WLTP-Wert: ca. 170 km. Die Innenraumsoftware wurde auf DiLink 5.0 aktualisiert. Der Denza B8 Flash Charge Edition startet bei 419.800 Yuan (ca. 53.700 €). Parallel dazu gibt es den kleineren Denza B5 Flash Charge Edition ab 305.800 Yuan (ca. 39.100 €).
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Huawei Aito M9 und Li Auto L9 ziehen nach
Die von Huawei unterstützte Marke AITO zeigt am M9 ebenfalls den Dreirad-Modus. Videos chinesischer Blogger belegen, wie der SUV ein Vorderrad anhebt und stabil weiterrollt. Das vollaktive intelligente Fahrwerk von Huawei passt sich proaktiv an die Fahrbahn an. Der Aito M9 ist ab 499.800 Yuan (ca. 64.000 €) vorbestellbar – mit über 140 technischen Neuerungen laut Huawei-Manager Yu Chengdong.
Li Auto führte vergleichbare Funktionen am neuen Li Auto L9 Livis ein, der eine vollaktive hydraulische 800-Volt-Federung besitzt. Das System unterstützt ebenfalls das Anheben einzelner Räder für Reifenwechsel und Bergung. Li Auto gibt an, dass die Federung innerhalb von Millisekunden reagiert und jedes Rad einzeln ansteuert – ohne klassischen Stabilisator.
Allerdings zeigen Verkaufszahlen für den Li Auto L9 einen deutlichen Rückgang: Im April 2025 wurden laut Daten des Branchendienstes China EV DataTracker nur 452 Einheiten verkauft – ein Minus von 88,1 Prozent zum Vorjahresmonat. Der Einbruch ist auf den Modellwechsel zur neuen Livis-Generation zurückzuführen, deren Auslieferungen erst anlaufen.
Wettbewerb bei aktiven Fahrwerken wird härter
Chinesische Hersteller setzen zunehmend auf aktive Fahrwerke als technisches Alleinstellungsmerkmal in Premium-SUVs und Geländewagen. Die Ansätze unterscheiden sich: Li Auto und AITO nutzen vollaktive Hydrauliksysteme, während BYDs Oberklasse-Modell Yangwang U7 auf das elektromagnetische DiSus-Z-System setzt – ohne Hydrauliköl. Mehrere Systeme kombinieren inzwischen Radanhebung, Reifenwechsel, Niveauregulierung und Hindernisüberwindung in einer integrierten Plattform.
Die gezeigten Modelle sind bisher nur für den chinesischen Markt bestätigt. Ein Marktstart in Europa oder Deutschland ist für Denza, AITO oder Li Auto derzeit nicht angekündigt. BYD vertreibt in Europa bislang Marken wie BYD, Dolphin, Atto 3 und Seal, jedoch keine Denza-Modelle. Eine mögliche Europa-Einführung wird von Branchenbeobachtern mittelfristig erwartet, steht aber noch nicht fest.

