Ex-BYD-Team gründet Robotik-Startup – 38 Mio. € für E-Auto-Fertigung
Bosch und das KI-Unternehmen Galaxy General haben ein Joint Venture namens BoYin HeChuang (博银合创) gegründet, das sich auf KI-gesteuerte Industrieroboter spezialisiert. Das Startup hat jetzt eine Pre-A-Finanzierungsrunde über 300 Mio. Yuan (ca. 38,4 Mio. €)* abgeschlossen.
Hinter der Runde stehen der Lead-Investor Yuanhe Chenkun, die Bestandsinvestoren BoYuan Capital und Bosch Venture Capital sowie Yuanhe Holdings und Jingu Capital. Die Finanzierung kommt kaum ein Jahr nach der Gründung – und das Startup hat bereits konkrete Erfolge vorzuweisen, die direkt in der Elektroauto-Fertigung Anwendung finden.
Erster Roboter läuft in der E-Auto-Produktion
BoYin HeChuang hat seinen ersten KI-gesteuerten Industrieroboter (具身智能机器人) vorgestellt, den BW10-Lite. Die technischen Daten:
- Doppelarm mit je 8 kg Nutzlast
- 4WD-Vierradantrieb mit Allradlenkung (Krebsgang) für enge Produktionsumgebungen
- 6 Kameras, 8 Ultraschallsensoren und ein Lidar für Rundumsicht
- Zwei Hot-Swap-Akkus für 24/7-Dauerbetrieb
Der Roboter durchläuft bereits die Validierung bei United Automotive Electronic Systems, einem Joint Venture von Bosch, das unter anderem Komponenten für E-Antriebe und Batteriemanagementsysteme fertigt. Die Ingenieure von BoYin HeChuang arbeiten direkt vor Ort in der Fertigungsstraße – ein klarer Bezug zur E-Auto-Wertschöpfungskette.
Das Unternehmen hat zudem einen Dreijahresvertrag mit Dijie Industry (荻捷工业) über die Lieferung von knapp 2.000 Robotern der BW10-Serie unterzeichnet. Das Auftragsvolumen liegt im dreistelligen Millionenbereich.
Team mit BYD-Erfahrung
CEO Ren Jingwei bringt Erfahrung von Kuka, Swisslog und TCL mit. Sein Kernteam stammt unter anderem von Kuka, Alibaba und BYD (比亚迪) – also aus Maschinenbau, Logistik und Automobilindustrie. Die BYD-Alumni kennen die Anforderungen der E-Auto-Fertigung aus erster Hand.
Das Startup profitiert von Boschs industriellem Netzwerk, Fertigungs-Know-how und globalen Vertriebskanälen sowie von Galaxy Generals KI-Plattform für Wahrnehmung, Entscheidung und Steuerung.
Warum das für E-Autos relevant ist
Der BW10-Lite ist kein reiner Allzweckroboter, sondern gezielt für hochkomplexe Fertigungsschritte entwickelt – etwa die Montage von Batteriemodulen, das Handling empfindlicher E-Auto-Komponenten oder die Qualitätskontrolle von Leistungselektronik. „Die Automatisierung dieser Prozesse ist der Schlüssel, um die Produktion von E-Autos kosteneffizient und skalierbar zu machen", erklärt ein Sprecher von BoYin HeChuang.
Das Startup hat seinen Sitz im Industriezentrum Suzhou, einem Hotspot für E-Auto-Zulieferer und Batteriehersteller in China. Geplant ist ein 1 Mrd. Yuan (ca. 128 Mio. €) schweres Forschungs- und Produktionszentrum für KI-Roboter, das ab 2026 in Betrieb gehen soll.
*Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Bosch ist als Investor und Technologiepartner direkt beteiligt – die Roboter könnten künftig auch in europäischen Bosch-Werken zum Einsatz kommen, in denen E-Auto-Komponenten gefertigt werden. Ein konkreter Marktstart in Deutschland ist noch nicht terminiert, wird aber mittelfristig erwartet.

