Stellantis E-Car 2028: Leapmotor-Technik für günstiges E-Auto
Stellantis hat das Projekt „E-Car" gestartet – kompakte, rein elektrische Fahrzeuge, die ab 2028 im italienischen Pomigliano vom Band laufen sollen. Das Kürzel steht für European, Emotion, Electric und Environmental Friendliness. Die ersten Modelle werden unter mehreren Konzernmarken angeboten – eine Antwort auf den „beispiellosen Rückgang" des Kleinwagenmarktes, wie Konzernchef John Elkann betont.
Doch der Zeitpunkt ist gewagt: Der Markt für günstige Kleinwagen in Europa bricht massiv ein. 2019 gab es noch 49 Modelle unter 15.000 €, 2025 nur eines. Der Anteil der Kleinwagen am gesamten Markt fiel von zehn Prozent (2010) auf 3,8 Prozent (erste Jahreshälfte 2025), die Neuzulassungen sanken in den ersten fünf Monaten 2025 um 24 Prozent auf rund 204.000 Einheiten – ein Drittel des Niveaus von 2014. Der Ford Focus wurde im November 2025 eingestellt, der Fiesta bereits 2023. Elkann beklagt, dass über 25 Prozent der Ingenieure nur mit Regulierungskonformität beschäftigt seien – ohne Mehrwert.
Strategische Positionierung unter Druck
Hinter dem E-Car-Projekt steckt auch Leapmotor (零跑), der chinesische Partner von Stellantis. Das Gemeinschaftsunternehmen Leapmotor International bringt seit Ende 2024 die Modelle T03 und C10 nach Europa. Insidern zufolge soll Leapmotor Batterie- und Antriebstechnik für das E-Car liefern – ein klarer Schachzug, um die eigenen Elektro-Kompetenzen mit günstiger chinesischer Technologie zu ergänzen.
Die Konkurrenz schläft nicht: Laut ACEA stieg der Marktanteil chinesischer Hersteller in der EU von fünf Prozent (2022) auf sieben Prozent (2025). Die EU-Importe aus China wuchsen um 30,7 Prozent auf über eine Million Fahrzeuge. Gleichzeitig preschen Volkswagen (ID.Cross, ID.Polo ab 2025/26) und Renault mit neuen Kleinwagen vor. Stellantis' E-Car kommt erst 2028 – ein später Schritt in einem immer härteren Wettbewerb.
Leapmotor als Techniklieferant
Stellantis selbst steckt in finanziellen Schwierigkeiten: 2025 fiel der Umsatz um zwei Prozent auf 153,5 Mrd. Euro, die Gewinne schrumpften. Der Konzern räumte ein, das Tempo der Elektrifizierung überschätzt zu haben. Deshalb setzt man verstärkt auf Leapmotor – insbesondere bei Batterie- und Antriebstechnik. Obwohl das E-Car in Europa designet und produziert wird, ist die technische Abhängigkeit von China einkalkuliert.
Ob das E-Car zum Erfolg wird, hängt nicht nur von der Fertigung in Pomigliano ab, sondern auch von der Politik in Brüssel. Die EU verschärft die CO₂-Grenzwerte: ab 2025 gelten 95 g/km (WLTP), ab 2035 ein Verbrenner-Verbot. Stellantis kauft sich Zeit – und hofft auf Leapmotors günstige Technik, um den drohenden Verdrängungswettbewerb zu überleben.
Das E-Car ist zunächst für den europäischen Markt vorgesehen. Leapmotor (零跑) ist mit den Modellen T03 und C10 bereits in mehreren EU-Ländern erhältlich, ein Deutschland-Start ist nicht offiziell bestätigt, aber wahrscheinlich. Ob das E-Car auch nach Deutschland kommt, entscheidet sich näher am Produktionsstart 2028.

