Peking 2026: 9 SUV-Flaggschiffe von 28.100 bis 84.200 €
Die Auto China 2026 (Peking Auto Show) wird zum Schauplatz eines ungewöhnlichen Wettstreits: Gleich neun SUV-Flaggschiffe mit der Ziffer „9" im Namen buhlen um die Gunst der Kunden. Die Spanne reicht vom erschwinglichen Einstiegsmodell bis zum High-Tech-Luxusliner. Die chinesische Kultur sieht in der „9" die höchste Vollkommenheit – entsprechend positionieren sich Hersteller wie NIO (蔚来), Li Auto (理想), AITO (问界) und BYD (比亚迪) mit ihren „9ern" als neue Oberklasse. Wir stellen die wichtigsten Modelle vor.
Li Auto L9 Livis – das Technik-Flaggschiff
Der L9 Livis ist die überarbeitete Version des bisherigen Topmodells von Li Auto. Er setzt auf zwei Hochleistungs-Chips, vier Lidar-Sensoren und ein voll elektronisch geregeltes Fahrwerk („Voll-Air-Suspension"). Damit soll er die Fahreigenschaften eines Luxus-SUVs mit maximalem Komfort verbinden – kein reiner Komfortgleiter, sondern ein Allrounder. Die 800-Volt-Architektur versorgt einen Range Extender (EREV), der eine rein elektrische Reichweite von 420 km (CLTC – chinesischer Verbrauchszyklus, typischerweise 10–15 % höher als WLTP) ermöglicht, was ca. 357 km (WLTP-Schätzwert) entspricht. Die kombinierte Reichweite soll bei über 1.500 km liegen. Der Preis wird noch bekannt gegeben, dürfte aber über 450.000 Yuan (ca. 57.600 €) liegen.*
Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
NIO ES9 – Luxus mit Batterietausch
NIO bringt den ES9 als vollelektrisches Flaggschiff mit einer besonderen Stärke: dem Batterietauschsystem. Der Vorverkauf startet zu Preisen von 528.000 bis 658.000 Yuan (ca. 67.600 bis 84.200 €). NIOs Kombination aus Tauschstation (3 Minuten) und Schnellladung (5 Minuten für 255 km) soll jede Reichweitenangst nehmen. Herzstück ist die 900-Volt-Architektur mit einem 5-Nm-Chip und dem firmeneigenen Fahrassistenzsystem „Shenji". Laut NIO ist ES9 das einzige Serienfahrzeug, das Batterietausch und autonomes Fahren nahtlos vereint. Die Reichweite liegt je nach Akku zwischen 600 und 800 km (CLTC, entspricht ca. 510–680 km WLTP).
AITO M9 – Hightech von Huawei
Der AITO M9 ist das dritte 9er-Modell und bezieht seine Intelligenz von Huawei. Ausgestattet mit dem Qiankun ADS 5.0-System und sechs Lidar-Einheiten soll er nach Herstellerangaben das intelligenteste Fahrassistenzsystem auf dem chinesischen Markt bieten. Preis: 470.000 bis 570.000 Yuan (ca. 60.200 bis 73.000 €). Der M9 ist als EREV oder BEV (rein elektrisch) mit 800-Volt-Technik erhältlich. Das Fahrerlebnis zielt auf Technikaffine, die höchste Ansprüche an automatisiertes Fahren (Stufe 2+) stellen.
Volkswagen ID.ERA 9X – der Joint-Venture-Kandidat
Der ID.ERA 9X von Volkswagen ist der einzige Vertreter aus einem Joint Venture, der in die 30.000-Euro-Klasse vorstößt. Der Preis liegt zwischen 299.800 und 349.800 Yuan (ca. 38.400 bis 44.800 €). Das Besondere: Der 9X basiert auf der Plattform der chinesischen VW-Partner SAIC und kommt mit einer neuartigen Hinterachse (Doppelquerlenker mit Luftfederung). Erstmals verbaut VW das Momenta R7-Fahrassistenzsystem – das erste eigene System eines Joint Ventures in dieser Klasse. Damit beschreitet VW einen eigenen Weg: deutsches Markenimage trifft auf chinesische KI zum chinesischen Preis. (Anmerkung: Die Modellvorstellung für die Auto China 2026 basiert auf aktuellen Ankündigungen; die endgültige Messe-Präsenz steht noch nicht fest.)
Yangwang V9X – BYDs Luxus-Ableger
Yangwang (仰望), die Luxus-Submarke von BYD, bringt den V9X auf der e³-Plattform. Er ist als BEV und EREV erhältlich und startet bei 371.800 bis 411.800 Yuan (ca. 47.600 bis 52.700 €). Das Alleinstellungsmerkmal: „Ein Auto mit drei Antriebsarten" – elektrisch, Range Extender und Plug-in-Hybrid wählbar. Dazu kommen die neueste Hi4-Hybrid-Architektur von BYD, ein 2,0-Liter-Turbo, ein 4-Gang-Hybrid-Getriebe, 800-Volt-Technik und eine 6C-Batterie, die in vier Minuten von 10 auf 80 Prozent laden kann. Der V9X kombiniert Luxus, Geländetauglichkeit und intelligentes Fahren.
BYD D19 – der Preisbrecher
Mit einem Einstiegspreis von 219.800 Yuan (ca. 28.100 €) ist der BYD D19 das günstigste Modell der 9er-Riege. Er ist als EREV konzipiert und bietet trotz des niedrigen Preises eine Luftfederung, zwei Hochleistungs-Rechenchips und einen Lidar. BYD setzt auf Kostenvorteile durch die eigene Fertigungstiefe. Der D19 ist kein verweichlichtes Luxusauto, sondern ein alltagstauglicher Familien-SUV, der mit seinem Konzept aus günstigem Einstieg und hohem Technikniveau eine Nische besetzt.
Fazit: Die 9er-Klasse wird zum Schlachtfeld
Die neun Modelle zeigen die ganze Bandbreite: Während NIO, AITO und Li Auto auf High-End-Technik und Markenimage setzen, drängen BYD und Volkswagen mit günstigeren Preisen in den Markt. Der Wettbewerb wird sich nicht allein über Leistungswerte entscheiden, sondern über die Kombination aus Preis, Komfort und intelligenter Fahrassistenz. Für europäische Autofahrer bleibt spannend, welche dieser China-9er den Weg nach Europa finden.
Von den vorgestellten Modellen ist NIO bereits in Europa aktiv – der ES9 könnte nach Deutschland kommen, ein Termin steht noch nicht fest. BYD denkt über eine Europa-Version des D19 nach, aber bisher ohne konkrete Pläne. Volkswagen ID.ERA 9X als Joint Venture könnte über die VW-Kanäle auch europäische Märkte erreichen, das ist aber noch nicht bestätigt. Li Auto und AITO haben Europa bislang nicht als Zielmarkt genannt.

