Toyota bZ3X mit 65 % China-Teilen: BYD profitiert
Japanische Autobauer wie Toyota, Nissan und Honda stellen ihre E-Auto-Produktion in China radikal um. Die einst geschlossene „Keiretsu“-Zulieferkette wird durch offene, chinesische Netzwerke ersetzt. Davon profitiert auch BYD (比亚迪) – als einer der größten chinesischen EV-Hersteller und zugleich als Abnehmer japanischer Komponenten.
Toyota bZ3X: 65 % chinesische Zulieferer
Der im Mai 2025 vorgestellte Toyota bZ3X (铂智3X) zeigt das Ausmaß: 65 % der Komponenten stammen von chinesischen Firmen. Die Preise liegen zwischen 9,48 万元 (ca. 12.100 €) und 14,48 万元 (ca. 18.500 €).* Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Verbaut werden unter anderem die Sprachsteuerung von iFLYTEK, Lidar von Hesai sowie Batterien von CALB und Jiangsu Zhengli. BYD selbst ist nicht direkter Lieferant in diesem Modell, aber der Trend zeigt: Die Kosten chinesischer Teile liegen 30–40 % niedriger als bei japanischen Zulieferern.
BYD als Maßstab und Nutznießer
Bereits 2022 lag der Preisunterschied zwischen BYD- und Toyota/Nissan-Elektroautos bei umgerechnet etwa 2–3 Mio. Yen (ca. 12.000–18.000 €). Bis 2025 schrumpfte er auf rund 200.000 Yen (ca. 1.200 €). Der Grund: Auch japanische Hersteller greifen auf chinesische Komponenten zurück und senken so ihre Kosten.
Gleichzeitig beliefert BYD japanische Zulieferer: Der Honda-Ableger Musashi Seimitsu stellt Fahrwerks- und Lenkungsteile für BYD-MPVs her. Toyota-Tochter Toyoda Gosei wiederum liefert Airbags an den chinesischen Hersteller IM (智己汽车). Eine symbiotische Beziehung entsteht.
Effizienz und Qualität auf Augenhöhe
Die Umstellung beschleunigt die Entwicklung: Chinesische Zulieferer schaffen vom Auftrag zur Serie in zehn Monaten, japanische brauchen meist 18 Monate. Die Qualität, lange die Domäne japanischer Teile, gilt heute als ebenbürtig. Toyoda-Gosei-Manager Yasuo Ando: „Der Qualitätsunterschied zu chinesischen Teilen ist nicht mehr spürbar.“
Der Wandel betrifft nicht nur Toyota: Nissan setzt bei seinem E-Auto N7 ebenfalls verstärkt auf chinesische Zulieferer und spricht von einer „Joint Venture New Force“-Strategie. Honda folgt nun mit dem Plan, standardisierte lokale Teile zu verwenden und Plattformen chinesischer Partner zu nutzen.
Strategische Verlagerung nach China
Toyota hat die Entwicklung chinesischer Modelle komplett an das lokale Team übergeben. Der „China ONE R&D“-Ansatz stellt chinesische Ingenieure an die Spitze. Auch die Zusammenarbeit mit Huawei, Xiaomi und Momenta für KI und Cockpit-Systeme zeigt: Die Entscheidungsgewalt wandert nach China.
Für BYD bedeutet dies eine doppelte Chance: Als einer der günstigsten EV-Hersteller profitiert das Unternehmen von sinkenden Kosten der Konkurrenz (die ihre Preise senken müssen) und beliefert gleichzeitig japanische Zulieferer, die neue Kunden suchen. Die einstige Preis-Kluft von über 10.000 € schrumpft – doch BYD bleibt dank eigener Skaleneffekte weiterhin günstiger.
Die Entwicklung betrifft vorerst nur den chinesischen Markt. Für Europa bedeutet dies: Japanische Hersteller könnten hierzulande ebenfalls auf günstigere Komponenten setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben – was indirekt auch BYD nützt, das in Europa mit eigenen Fabriken Fuß fasst.


