Chery ab 2027 in Nissan-Werk Sunderland: China-Marken bauen UK-Präsenz aus
Der chinesische Autohersteller Chery (奇瑞) und Nissan haben eine Absichtserklärung unterzeichnet: Ab dem Geschäftsjahr 2027 will Chery Fahrzeuge auf Nissans „Line 1" im britischen Werk Sunderland produzieren. Das gab Nissan Anfang Juni 2026 bekannt. Die Nutzung der stillgelegten Produktionslinie ist Teil von Nissans globalem Sparkurs – der japanische Konzern konzentriert Leaf, Qashqai und Juke künftig auf „Line 2". Welche Modelle Chery in Sunderland fertigen wird, ist noch offen.
Chery ist auf der Insel mit den Marken Jaecoo, Omoda und Lepas sowie der eigenen SUV-Reihe bereits präsent und hält knapp 7 % des britischen Neuwagenmarkts. Die Sunderland-Vereinbarung ergänzt Cherys bestehende Europa-Aktivitäten – unter anderem produziert der Konzern gemeinsam mit der spanischen Marke Ebro in einem ehemaligen Nissan-Werk bei Barcelona.
Partnerschaft mit Nissan
Nissan-CEO Ivan Espinosa hatte zuvor angekündigt, einen Partner für die freie Linie zu suchen. Der Schritt ist Teil umfassender Strukturreformen, die durch massive Verluste erzwungen wurden. Für das Geschäftsjahr 2025 wies Nissan einen Nettoverlust von 533,1 Milliarden Yen (ca. 3,5 Milliarden €) aus – das zweite Rekordminus in Folge. Belastend wirkten vor allem US-Zölle, die den operativen Gewinn um rund 286 Milliarden Yen (ca. 1,9 Milliarden €) schmälerten. Espinosa erwartet auch im laufenden Jahr ein schwieriges Umfeld wegen steigender Energiekosten durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.
Chery auf Wachstumskurs
Im Gegensatz zu Nissan befindet sich Chery in einer Expansionsphase. Im Mai 2026 verkaufte die Gruppe 247.823 Fahrzeuge – ein Plus von 20,5 % gegenüber dem Vorjahr. Davon waren 100.304 New Energy Vehicles (BEV, PHEV, EREV), ein Zuwachs von 58,8 %. Besonders bemerkenswert: Mit 181.871 Exporten erzielte Chery den dritten Monat in Folge einen Rekordwert. In den ersten fünf Monaten 2026 summierte sich der Absatz auf 1.100.921 Einheiten (+7,2 %). Die weltweite Nutzerbasis liegt bei über 19,62 Millionen, davon 6,59 Millionen außerhalb Chinas.
Chery bereitet den Markteintritt in Deutschland mit den Marken Omoda und Jaecoo vor – ein konkreter Zeitplan für den deutschen Markt steht jedoch noch aus. Die Kooperation mit Nissan in Sunderland stärkt Cherys Präsenz in Europa und könnte auch für deutsche Kunden langfristig neue Importwege eröffnen.



