Lotus: 30.000 Einheiten für Profit – Hybrid statt reinem E-Sportwagen
Lotus (莲花) hat im Rahmen seiner neuen Focus2030-Strategie eine grundlegende Neuausrichtung bekannt gegeben. CEO Feng Qingfeng erläuterte auf einer Medienkonferenz am 1. Juni, dass das Unternehmen künftig nicht mehr auf eine einzige Antriebsart setzt, sondern Verbrenner, Hybrid und reine Elektroautos (BEV) parallel entwickelt. Das Ziel: Die Profitabilitätsschwelle soll auf 30.000 Fahrzeuge pro Jahr sinken – deutlich unter dem Branchendurchschnitt. Der Schritt ist eine Reaktion auf die unterschiedliche Ladeinfrastruktur und Nachfrage in globalen Märkten wie China, Europa und dem Nahen Osten.
Warum Lotus die Strategie ändert
Lotus erkennt an, dass sich die Elektrifizierungsgeschwindigkeit weltweit unterscheidet. Während China über eine ausgereifte Ladeinfrastruktur verfügt, fehlt es in Teilen Europas und im Nahen Osten an leistungsstarken Schnellladern. Feng Qingfeng betonte: „Als tägliches Auto ist ein BEV sehr geeignet, aber für Langstrecken oder als Sportwagen stößt es an Grenzen.“ Diese Erkenntnis ist die Basis der Neuausrichtung. Der ursprünglich als reines Elektroauto gezeigte SUV For Me erhält nun zusätzlich einen Hybridantrieb für Europa – ebenso das Schwestermodell Eletre X.
Die neue Antriebsstrategie
Der markanteste Punkt: Lotus wird keinen reinen Elektro-Sportwagen mehr entwickeln. Feng Qingfeng machte deutlich: „Bei Sportwagen werden wir keine weitere reine BEV-Entwicklung mehr betreiben – nicht einmal erforschen.“ Grund sei vor allem das Gewicht: „Manche Wettbewerber bringen Sportwagen auf zwei Tonnen – das zeigt, dass sie nichts von Sportwagen verstehen.“ Stattdessen setzt Lotus auf eine Mischung:
- Verbrenner: Der Emira wird weiter optimiert, etwa die neue Version 420 Sport mit mehr Leistung, weniger Gewicht und verbesserter Aerodynamik.
- Hybrid (EREV/PHEV): Ein neu entwickelter Super-Hybrid soll tägliches Fahren ohne Ladesorgen ermöglichen. Feng Qingfeng: „Unser Ziel: einmal pro Woche laden, einmal pro Monat tanken.“
- BEV für Alltagsfahrzeuge: Modelle wie der For Me und Eletre X bleiben im Programm, allerdings ab sofort auch mit Hybridantrieb für den europäischen Markt.
- Mittelfristig: 60 % Hybrid, 40 % BEV im Produktmix, Verbrenner nur in Top-Sportlern.
Produkte für 2030: Emira, For Me, Type 135
Lotus hat die nächsten Schritte bereits konkret benannt:
- Emira 420 Sport – stärkster und leichtester Emira, der die Verbrenner-Kompetenz unter Beweis stellt.
- For Me / Eletre X – die ursprünglich als reine BEV gezeigten SUV erhalten nun einen Hybridantrieb für Europa, um Ladeinfrastruktur-Probleme zu umgehen.
- Type 135 – ein neuer Supersportwagen mit V8-Hybrid-Antrieb, dessen Verbrennungsmotor über 10.000 U/min drehen soll. Geplanter Marktstart: 2028. Lotus will hier F1-Technologie in die Serie überführen.
„Lebendiges Fahrwerk“ und Profitabilität
Neben der Antriebswende betont Lotus die Bedeutung eines aktiven Fahrwerks („lebendiger Unterboden“). Feng Qingfeng: „Ein aktives Fahrwerk passt sich in Echtzeit an Straße, Umgebung und Fahrstil an – das macht das Auto einzigartig.“ Diese Kernkompetenz will Lotus in allen Modellen bewahren. Gleichzeitig setzt der Hersteller auf Kosteneffizienz durch die Geely-Gruppe: Software, Elektronik und Fertigung werden gemeinschaftlich genutzt, während Fahrdynamik, Leichtbau und Aerodynamik in Eigenregie bleiben. Mit nur 30.000 verkauften Einheiten pro Jahr soll die Marke profitabel sein – eine seltene Kennzahl in der Autobranche.
Lotus ist in Deutschland über den offiziellen Online-Konfigurator bestellbar. Geely selbst vertreibt in der EU keine Fahrzeuge unter eigenem Markennamen, sondern agiert über Tochtermarken wie Lotus, Volvo, Polestar und Zeekr.


