3 China-E-Kleinwagen ab 12.800 €: Xingyuan, Dolphin, MG4 im Test
Der Markt für kleine Elektroautos in China hat sich neu sortiert. Der Geely (吉利) Xingyuan dominiert als unangefochtener Verkaufsschlager, während der BYD Dolphin ein Facelift mit mehr Fokus auf Assistenzsysteme erhielt und der MG4 (MG) mit längerem Radstand, stärkerem Motor und mehr Reichweite nach vorne drängt. Unser Vergleich der drei Modelle zeigt, wer bei einem Budget von ca. 12.800 € (ca. 100.000 Yuan) die beste Figur macht – und was deutsche Autofahrer daraus lernen können. Bei allen Preisen handelt es sich um chinesische Listenpreise; Europa-Preise sind nicht bekannt.
Abmessungen, Antrieb und Reichweite
Der MG4 ist mit 2,75 m Radstand und fast 4,4 m Länge der größte der drei. Durch den Wechsel zu Vorderradantrieb gewann er einen großen Stauraum unter dem Kofferraumboden. Der Geely Xingyuan setzt dagegen auf heckgetriebene Architektur und nutzt den frei werdenden vorderen Bereich als Frunk. Clevere Details wie ein herausziehbares Handschuhfach und Staufächer unter den Rücksitzen runden das Platzangebot ab. Der BYD Dolphin liegt kompakt dazwischen.
Antrieb und Batterie im Überblick:
- MG4: 120 kW (163 PS), Vorderradantrieb, 53,9 kWh, 530 km CLTC.
- Geely Xingyuan: 85 kW (115 PS), Heckantrieb, 47,14 kWh, 480 km CLTC.
- BYD Dolphin: 70 kW (95 PS), Vorderradantrieb, 45,12 kWh, 420 km CLTC.
Die CLTC-Angaben sind optimistischer als das europäische WLTP. Erfahrungsgemäß liegen die realen WLTP-Werte etwa 15–20 % niedriger – beim MG4 also voraussichtlich bei 420–450 km, beim Xingyuan bei 380–410 km, beim Dolphin bei 340–360 km.
Der Xingyuan glänzt mit dem niedrigsten Leergewicht und damit der besten Energieeffizienz. Zudem ist er das einzige Modell mit einer Mehrlenker-Hinterachse (die Konkurrenz setzt auf Verbundlenker), was theoretisch bessere Fahrdynamik und Komfort verspricht. Auch beim Schnellladen liegt er vorn: 0,32 Stunden (ca. 19 Minuten) für 30–80 % SoC, gegenüber 0,35 h (MG4) und 0,42 h (Dolphin).
Cockpit, Assistenz und Komfort
Alle drei bieten große Touchscreens plus digitales Kombiinstrument. Der Xingyuan nutzt das hauseigene Flyme Auto-System mit dem „Longying-1“-Chip und 16 GB RAM – flüssig und mit nahtloser Smartphone-Anbindung. Der Dolphin setzt auf DiLink (12 GB RAM, 256 GB Speicher, 5G), während der MG4 auf SAIC OS mit Snapdragon 8155 und dem größten 15,6-Zoll-2,5K-Display setzt.
Assistenzsysteme:
- Xingyuan: Horizon Journey J6M (128 TOPS), 11 Kameras + 1 Innenkamera, H3-Fahrassistenz. Funktionen: Highway-NOA, Auto-Parken, Memory-Parken, 540°-Transparenz, Querverkehrswarner, Ampel-Assistent.
- Dolphin: Nvidia Orin-N (84 TOPS), 12 Kameras, „God's Eye C“ (reine Kameralösung). Highway-NOA, valet parking, schmaler Wegassistent.
- MG4: Horizon J6e (80 TOPS), 6 Kameras. Highway-NOA, Auto-Parken, 540°-Transparenz, toter-Winkel-Assistent – aber kein Querverkehrswarner vorn.
Komfortausstattung:
- MG4: Sitzheizung, -lüftung, -massage; Wärmepumpe; Panoramadach; 256-Farben-Ambiente; 50-W-Ladepad.
- Xingyuan: Sitzheizung & -lüftung; 50-W-Ladepad; Regen- und Lichtsensor; kein Panoramadach, keine Wärmepumpe.
- Dolphin: kein Sitzkomfort, keine induktive Ladestation, keine Wärmepumpe; aber Kopf- und Lenkradverstellung.
Fazit: Der MG4 trumpft mit Komfort und Leistung, der Dolphin punktet bei Markentreue und Assistenz-Skalierbarkeit, der Xingyuan bietet als Allrounder die ausgewogenste Mischung aus Reichweite, Effizienz, Fahrwerk und digitalem Ökosystem.
Die Marke Geely ist im europäischen Einzelhandel derzeit nicht mit eigenen Modellen vertreten. Der Xingyuan bleibt vorerst dem chinesischen Markt vorbehalten. Der Vergleich zeigt aber, wie schnell der chinesische E-Kleinwagen-Markt technologisch voranschreitet – insbesondere bei Fahrwerksarchitektur, Assistenz und Vernetzung.


