Lotus gibt E-Sportwagen auf – 30.000 Einheiten für Profit
Lotus (莲花) hat im Rahmen einer Medienkonferenz am 1. Juni die neue Unternehmensstrategie Focus2030 vorgestellt. CEO Feng Qingfeng skizzierte eine Neuausrichtung: Die Marke wird künftig keine reinen Elektro-Sportwagen mehr entwickeln, setzt stattdessen auf eine Dreiteilung aus Verbrenner, Hybrid und Elektro – angepasst an die unterschiedlichen Marktrealitäten weltweit.
Keine Elektro-Sportwagen mehr
Der markanteste Punkt: „In Sportwagen werden wir keine rein elektrischen Antriebe mehr verfolgen", so Feng. Grund sei das Gewicht – ein reiner Elektro-Sportwagen werde schnell über zwei Tonnen schwer, was dem Markenverständnis von Leichtbau und Fahrdynamik widerspreche. Stattdessen fokussiert Lotus bei Sportwagen auf Verbrenner und Hybride. Für alltagstaugliche Modelle („Lifestyle-Fahrzeuge") bleibt die Elektro-Schiene erhalten.
Super-Hybrid als Brückentechnologie
Die Hybridstrategie nennt Lotus „Super-Hybrid" – ein System, das laut Feng „einmal pro Woche laden, einmal pro Monat tanken" ermöglicht. Es handelt sich um einen Plug-in-Hybrid (PHEV) mit langer elektrischer Reichweite, der vor allem in Märkten mit schwacher Ladeinfrastruktur (Europa, Naher Osten) punkten soll. Kurzfristig peilt Lotus einen Mix von 60 % Hybrid und 40 % Elektro an, während reine Verbrenner in Kernmodellen wie dem Emira weitergebaut werden.
Konkrete Modelle: Emira 420 Sport, Eletre X Hybrid, Type 135
Als erstes neues Modell bringt Lotus den Emira 420 Sport – laut Unternehmen der stärkste, leichteste und aerodynamisch optimierteste Emira aller Zeiten. Parallel läuft der Verkauf des Eletre X (Hybrid) in China und Europa. Für 2028 ist der Supersportwagen Type 135 angekündigt, der einen neu entwickelten V8-Hybrid mit Drehzahlen über 10.000 U/min erhalten soll. Feng betont: „Unser Ziel ist es, mehr Leistung, höhere Drehzahlen und gleichzeitig weniger Gewicht zu erreichen."
Gewinnzone bei 30.000 Einheiten
Ein zentraler Punkt der Strategie ist die Wirtschaftlichkeit. Dank der Zusammenarbeit mit Geely (吉利) und Synergien in Entwicklung und Produktion will Lotus bereits ab 30.000 verkauften Einheiten pro Jahr profitabel sein. „Das ist in der Autobranche selten, aber Lotus kann das", so Feng. Die sogenannten „lebenden Fahrwerke" (aktive Fahrwerksysteme, die sich mittels Software permanent an Straße und Fahrstil anpassen) sollen als Kernkompetenz erhalten bleiben.
Fazit
Focus2030 ist keine bloße Kurskorrektur, sondern eine grundlegende Neudefinition der Marke: weg von der reinen Elektro-Strategie, hin zu einer flexiblen, marktgerechten Mischung. Dabei bleibt das Marken-DNA – Leichtbau, Fahrdynamik, Emotion – erhalten, während die Kostenbasis durch Geely-Synergien auf ein gesundes Niveau gebracht wird.
In Deutschland
Lotus (莲花) ist in Deutschland offiziell vertreten. Modelle wie der Emira und der vollelektrische Eletre sind hierzulande erhältlich. Die neue Focus2030-Strategie mit stärkerer Hybrid-Orientierung dürfte auch auf dem deutschen Markt auf Interesse stoßen.


