CATL & Co.: Chinas Batterieriesen erobern KI-Speichermarkt
Chinesische Hersteller von Elektroauto-Batterien lenken große Teile ihrer Produktionskapazitäten in Energiespeicher für KI-Rechenzentren um. Allen voran CATL (Contemporary Amperex Technology Co. Limited) sichert sich gemeinsam mit regionalen Wettbewerbern margenstarke Infrastrukturverträge. Laut einem Bericht von Sina eröffnet dieser Wandel enorme Absatzmöglichkeiten jenseits des Pkw-Geschäfts.
Der chinesische Marktdatendienst „China EV DataTracker" zeigt, dass die durchschnittliche Batteriekapazität in Elektroautos im Mai 2025 bei 70,0 kWh lag – ein Plus von 37,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Skalierung nutzen die Hersteller nun für Großaufträge aus der Netzinfrastruktur. Ein aktuelles Projekt zur Speicherversorgung eines Rechenzentrums hatte ein Vertragsvolumen von über 1,5 Milliarden Yuan (ca. 192 Millionen Euro).*
*Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen.
Hochleistungszellen für Rechenzentren
Rechenzentren benötigen kurzzeitig extreme Stromspitzen, um Rechenlasten abzufedern, ohne das Netz zu belasten. Dafür entwickeln spezialisierte Zulieferer eigene Zellarchitekturen, die sich deutlich von herkömmlichen EV-Zellen unterscheiden. REPT BATTERO (瑞浦兰钧) hat eine 85-Ah-Zelle mit einer maximalen Dauerentladerate von 10 C vorgestellt – das bedeutet, die Zelle kann die zehnfache ihrer Kapazität als Strom abgeben. Sunwoda (欣旺达) kontert mit einem eigenen 85-Ah-Modell für 8-C-Dauerentladung. Eve Energy (亿纬锂能) wiederum setzt auf zylindrische Pufferbatterien sowie quadratische USV-Zellen.
Natrium-Ionen statt Feststoff
CATL-Chef Robin Zeng dämpfte kürzlich allzu große Erwartungen an die Feststoffbatterie – eine Serienproduktion sei noch in weiter Ferne. Stattdessen finden alternative Chemien sofort Nutzen in stationären Speichern. CATL bringt 300-Ah-Natrium-Ionen-Packs auf den Markt, die für 15.000 Zyklen ausgelegt sind. Diese Packs teilen sich die geometrischen Abmessungen mit standardmäßigen Lithium-Gehäusen, um Plattformkompatibilität zu erreichen. Der großindustrielle Ausbau dieser Zellen ist auch der Grund, warum BYD (比亚迪) eine Natrium-Ionen-Batterie-Festung aufbaut, um die nächste Infrastrukturgeneration zu dominieren.
Der japanische Traditionskonzern Panasonic kontert mit einer Investition von 14,9 Milliarden Yuan (ca. 1,9 Milliarden Euro) in neue Speichermontagelinien in Nordamerika. Allerdings steht der japanische Veteran vor erheblichem Wettbewerbsdruck durch lokale Größen wie Envision Energy (远景能源), Hithium (海辰储能) und Sungrow (阳光电源).
Strategische Beteiligungen
Um die Lieferketten zu sichern, beteiligen sich chinesische Batteriehersteller direkt an Rechenzentrumsbetreibern. Unternehmen wie Ampace (新能安), Shuangdeng Group (双登集团), Highpower Technology (海博思创) und Vision Group (维谛技术) rollen ebenfalls maßgeschneiderte Stromversorgungsarchitekturen aus. Diese koordinierte Industriestrategie sichert eine stabile Nachfrage für die Produktionslinien großer Zellen.
Marktausblick
Aktuelle Projekte bestätigen, dass die kommerziellen Lieferzeiten rapide steigen. Ende 2025 installierte CATL einen 2-GW-Großspeicher im Südwesten Chinas, während Vision Group ein automatisiertes Pilotprojekt mit Immersionskühlung abschloss. Diese Meilensteine belegen, dass der Rechenzentrumssektor einen hochprofitablen zweiten Wachstumspfad für globale Batterieriesen darstellt.
Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren wird sich bis 2030 gegenüber dem Basisjahr 2025 verdoppeln. Dieser immense Bedarf stellt sicher, dass stationäre Hochleistungsspeicher ein zentrales Umsatzstandbein chinesischer Zellhersteller bleiben. Der Batteriekampf verlagert sich damit direkt vom Fahrzeugchassis ins Computernetzwerk.
Für den deutschen Markt bedeutet dieser Trend eine doppelte Herausforderung: Einerseits könnten günstigere chinesische Speicherlösungen die Kosten für Rechenzentren und Netzstabilität senken. Andererseits wächst die Abhängigkeit von chinesischer Technologie in der digitalen Infrastruktur. Deutsche Energiekonzerne und Rechenzentrumsbetreiber beobachten die Entwicklung genau – erste Pilotprojekte mit CATL-Natrium-Ionen-Speichern sind in Europa bereits in Planung.


