Lotus Focus2030: 30.000 Sportwagen mit Verbrenner und Hybrid
Lotus (莲花) hat seine strategische Neuausrichtung „Focus2030“ vorgestellt. CEO Feng Qingfeng verkündete auf einer Medienkonferenz in Peking einen grundlegenden Kurswechsel: Bei Sportwagen setzt die britische Traditionsmarke künftig nicht mehr auf rein elektrische Antriebe, sondern auf Verbrenner und Hybrid. „In Sportwagen werden wir keine weiteren reinen Elektroantriebe mehr entwickeln“, sagte Feng. Grund dafür seien das hohe Gewicht von E-Antrieben und die mangelnde Ladeinfrastruktur in Europa und im Nahen Osten. Für die „Lifestyle-Modelle“ wie den SUV Eletre oder die Limousine For Me bleibt die elektrische Antriebstechnik jedoch erhalten.
Aufteilung: 60 Prozent Hybrid, 40 Prozent BEV
Die Entscheidung basiert auf der realen Marktentwicklung. Feng verwies auf die unzureichende Ladeinfrastruktur in Europa und der Golfregion. „Ein reines E-Auto ist perfekt für den Alltag, aber auf Langstrecken oder als Performance-Fahrzeug stößt es an Grenzen.“ Lotus plant daher eine gemischte Antriebsstrategie: rund 60 Prozent der verkauften Fahrzeuge sollen künftig Hybridantrieb haben, 40 Prozent rein elektrisch (BEV). Reine Verbrenner bleiben in den Hochleistungs-Sportwagen erhalten.
Emira 420 Sport, Eletre X und Type 135 – die Modellpalette
Das erste konkrete Modell der neuen Strategie ist der Emira 420 Sport – der stärkste und leichteste Emira aller Zeiten. Mit mehr Leistung, verbesserter Aerodynamik und geringerem Gewicht tritt er gegen den Porsche 718 Cayman an. Im zweiten Schritt kommt der Eletre X auf den Markt, ein mittelgroßes SUV mit einer neu entwickelten Hybrid-Plattform. Feng beschreibt das System als Alltagstauglich: „Unser Hybrid soll anders sein: Einmal pro Woche laden, einmal pro Monat tanken.“ (Wobei diese Angabe auf dem chinesischen CLTC-Zyklus basiert, der typischerweise 10–15 Prozent höhere Reichweiten als WLTP ausweist; die WLTP-Werte dürften niedriger ausfallen.) Der dritte Meilenstein ist der Type 135, ein neuer Mittelmotor-Sportwagen mit V8-Hybrid-Antrieb, der 2028 auf den Markt kommen soll. Ziel: über 10.000 U/min für maximale Leistung bei möglichst geringem Gewicht.
„Lebendiges Fahrwerk“ und die 30.000-Einheiten-Gewinnschwelle
Ein zentrales Element von Focus2030 ist die Wirtschaftlichkeit. Feng kündigte an, dass Lotus bereits mit einem Jahresabsatz von rund 30.000 Einheiten profitabel sein will. „Das ist in der Automobilindustrie sehr selten, aber Lotus kann das schaffen“, so Feng. Möglich werde dies durch die Konzern-Synergien mit Geely (吉利), insbesondere bei Software, Elektronikarchitektur und Fertigungseffizienz. Gleichzeitig betonte Feng, dass die Kernkompetenzen – Fahrwerksabstimmung, Aerodynamik, Leichtbau und Fahrdynamik – weiterhin in Eigenregie entwickelt werden. Das Stichwort „lebendiges Fahrwerk“ steht für eine neue Generation aktiver Fahrwerke, die sich in Echtzeit an Fahrbahn und Fahrstil anpassen: „ Bisher war das Fahrwerk nach der Abstimmung fest. Mit aktiven Systemen wird es lebendig – es passt sich selbstständig an die Umgebung und den Fahrer an.“
Fazit
Focus2030 ist mehr als eine bloße Antriebswende. Lotus stellt die Weichen für eine nachhaltige Zukunft: Verbrenner, Hybrid und Elektro werden je nach Fahrzeugtyp und Markt clever kombiniert. Die Marke will ihre Sportwagen-DNA bewahren und gleichzeitig wirtschaftlich überleben – mit einer klaren Gewinnschwelle von 30.000 Einheiten pro Jahr.
Lotus (莲花) ist als Marke in Deutschland offiziell vertreten und verkauft hier bereits den Sportwagen Emira sowie den SUV Eletre. Die im Rahmen von Focus2030 angekündigten Modelle – Emira 420 Sport, Eletre X und Type 135 – werden voraussichtlich auch nach Europa kommen. Bislang gibt es jedoch noch keine konkreten Deutschland-Starttermine oder Preise.


