Shineray Digitalfabrik: 218 Tage Bauzeit, Umsatz 10 Mrd. €
Shineray Digitalfabrik: 218 Tage Bauzeit, 100 Prozent Automatisierung
Der chinesische Nutzfahrzeughersteller Shineray (鑫源汽车) hat am 16. Juni 2026 in Fuling (Chongqing) ein hochmodernes Digitalwerk in Betrieb genommen. Die Bauzeit vom Spatenstich bis zur ersten Produktion betrug lediglich 218 Tage – rund sieben Monate. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf umgerechnet knapp 666 Millionen Euro (ca. 5,2 Milliarden Yuan). Das Werk ist Shinerays erster Digitalstandort und soll die Fertigungsqualität auf ein völlig neues Niveau heben – nicht durch bloße Kapazitätserweiterung, sondern durch systemische Neustrukturierung der Produktion.
Fertigung auf Industrie-4.0-Niveau
Die Fabrik wurde vom chinesischen Staatsunternehmen „China Automotive Engineering" (CAE) schlüsselfertig errichtet – derselbe Konzern, der auch die Xiaomi-Fabrik aufbaute. An allen kritischen Stationen erreicht die Anlage eine Automatisierungsrate von 100 Prozent. Über 100 Roboter arbeiten Hand in Hand, unterstützt von KI-gestützter Qualitätskontrolle. Die Schraubmomente jeder sicherheitsrelevanten Schraube liegen in einer Toleranz von ±3 Prozent. Bauteile wie Reifen, Sitze und Scheiben werden per Bilderkennung automatisch montiert. Die flexible Fertigungslinie in der Endmontage kann acht verschiedene Fahrzeugmodelle parallel bauen. Logistik-AGVs und automatische Kleinteilelager sorgen für einen reibungslosen Materialfluss.
Huawei als Technologiepartner
Eine besondere Rolle spielt Huawei, das seine Erfahrungen aus dem eigenen Digitalisierungsprozess in das Werk einbringt. Huawei hat die komplette Digitalarchitektur konzipiert – von der Datenvernetzung bis zur cloudbasierten Fertigungssteuerung. Das Ziel: Jedes Fahrzeug soll über einen lückenlosen, digitalen Qualitätsnachweis verfügen. Für Shineray bedeutet diese Partnerschaft eine kostengünstige und praxistaugliche Einstiegsmöglichkeit in die intelligente Fertigung. Huawei betrachtet dieses Projekt als Beispiel für „Technologie-Spillover" in die Fertigungsindustrie.
Erstes Modell: „Upward V6" – der praktische Nutzfahrzeug-Allrounder
Das erste im neuen Werk gefertigte Modell ist der „Upward V6" (向上V6), ein auf dem hauseigenen „Xingyuan"-Chassis basierender Transporter. Shineray setzt auf eine kluge Komponentenstrategie: Der Akku stammt von CATL (宁德时代) und unterstützt 2C-Schnellladung, der Elektromotor kommt von Inovance (汇川). Das Fahrzeug ist auf urbane Lieferdienste, den ländlichen Warentransport und den gewerblichen Personentransport ausgelegt – Shineray meidet das überhitzte SUV- und Limousinensegment und besetzt eine Nische, in der das Unternehmen seine langjährige Nutzfahrzeugkompetenz ausspielen kann. Der Verkauf startet Ende Juni 2026 zur Markteinführung.
Regionale Effekte: Fabrik als Wirtschaftsmotor
Aus regionaler Perspektive ist das Werk ein wichtiger Baustein für die Stadt Fuling, die sich als dritten automobilem Pol neben dem Raum Liangjiang und Shapingba in der Metropolregion Chongqing etablieren will. Die Fabrik soll nach vollständiger Hochlaufphase einen Jahresumsatz von umgerechnet rund 10,2 Milliarden Euro (ca. 80 Milliarden Yuan) Hinweis: Preise beziehen sich auf den chinesischen Markt und können in Europa abweichen. erzielen und rund 1.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Darüber hinaus dürfte sie die Zulieferindustrie in der Region zu eigenen Digitalisierungsschritten animieren.
Shinerays Digitalwerk ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die chinesische Automobilindustrie längst nicht mehr nur von den großen Namen (BYD, NIO, Geely) lebt, sondern dass auch Nischenhersteller in der Lage sind, Fertigungsanlagen auf Weltklasseniveau zu betreiben. Die geplante Jahresproduktion wurde nicht genannt, aber die flexible Linie kann acht Modelle parallel bauen – das Werk ist auf Skalierbarkeit ausgelegt.
Shineray-Fahrzeuge werden derzeit nicht in Deutschland oder Europa angeboten. Das Unternehmen konzentriert sich auf den chinesischen Heimatmarkt. Eine Expansion nach Europa ist nicht bekannt.


